Tirschenreuth
26.08.2022 - 14:57 Uhr
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Landkreis Tirschenreuth auf dem Weg zu mehr Windrädern und einer gemeinsamen Realschule in Waldsassen

Egal ob neue Flächen für Windräder, Fischotter, digitale Bauakte, Klinken AG oder die Zusammenlegung der Realschulen in Waldsassen: Landrat Roland Grillmeier spricht von "großen Aufgaben, die vor dem Landkreis Tirschenreuth liegen".

Bei der Himmelsleiter in der Waldnaabaue ist Landrat Roland Grillmeier öfter mit dem Rad unterwegs, um Kraft für den Job zu tanken. Bild: rti
Bei der Himmelsleiter in der Waldnaabaue ist Landrat Roland Grillmeier öfter mit dem Rad unterwegs, um Kraft für den Job zu tanken.

Für Landrat Roland Grillmeier ist die Waldnaabaue ein persönlicher Kraftort. Dort ist er immer wieder mit seinem Rad unterwegs, um Energie zu tanken. Dieses Gebiet mit all seinen Attraktionen steht für ihn sinnbildlich für die positive Entwicklung des Landkreises Tirschenreuth.

„Die Stimmungswende bei uns kann man auch mit diesem Projekt in Verbindung bringen“, spricht der Landrat im Interview mit Oberpfalz-Medien das Naturschutzgroßprojekt Waldnaabaue an, das seit über 20 Jahren existiert. Es sei ein wertvoller Naturschatz entstanden, der touristisch mit Rad- und Wanderwegen genutzt wird. Speziell die Himmelsleiter habe sich zu einem Wahrzeichen der Region entwickelt.

Nun sei aber der Punkt erreicht, an dem man entscheiden müsse, wie es in der Waldnaabaue weitergeht – mit all ihren Konflikten, verweist der Mitterteicher auf die Probleme der Teichwirte mit dem Fischotter. Für ihn ist die Entnahme, also das Töten einiger dieser Tiere, ein Teil der Lösung. Ansonsten vernichte der Fischotter die Teichwirtschaft im gesamten Landkreis. „Ich glaube, dass das Problem mittlerweile überall erkannt wird“, sieht der Landrat positive Zeichen. Es müsse letztendlich einen Kompromiss geben. „Wir wollen den Fischotter nicht ausrotten. Aber eine Entnahme muss möglich sein.“

Personelle Verstärkung

Genauso wie die Waldnaabaue ist für Grillmeier der Steinwald ein Identifikationspunkt im Landkreis. Auch Richtung Burgruine Weißenstein und Oberpfalzturm ist er öfter mit dem Rad oder den Wanderschuhen unterwegs. Die Stärkung des Naturparks Steinwald durch eine hauptamtliche Geschäftsführerin ist laut dem Landrat der richtige Weg. Möglicherweise sei es auch nötig, für die Waldnaabaue eine zusätzliche Kraft einzusetzen, „eine Art Manager“. Als Stichwörter nennt er Besucherlenkung, Umsetzung von Projekten und die Kommunikation mit Grundstücksbesitzern.

Personelle Verstärkung am Landratsamt erhofft sich der CSU-Politiker auch nach dem Abschied von Wirtschaftsförderer Volker Höcht nach Regensburg. Die Stelle soll bis Ende des Jahres neu besetzt sein. Außerdem wird eine Stabsstelle für das Regionalmanagement, die Wirtschaftsförderung und die Kreisentwicklung geschaffen. „Der Leiter oder die Leiterin dieser Stabsstelle soll diese Bereiche organisieren, koordinieren und steuern“, so der Landrat. Die vor rund 100 Tagen gestartete Rückkehrer-Kampagne ist hier mit angedockt. Wichtig sei, dass in den vergangenen Jahren der rasante Bevölkerungsverlust gestoppt werden konnte. „Hier sind wir mittlerweile stabil.“ Um wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben, sei aber noch mehr Zuzug nötig.

Windräder nicht in allen Gemeinden

Weiter vorantreiben will der 51-Jährige die Digitalisierung im Landratsamt. Unter anderem habe sich die digitale Terminvereinbarung in der Kfz-Zulassungsstelle etabliert. Viele Verwaltungsvorgänge sollen folgen. In diesem Jahr wolle er noch die Zahl von 50 Vorgängen erreichen, um die Auszeichnung „Digitales Amt“ zu erhalten. In ein bis zwei Jahren sollen es dann über 200 Vorgänge sein.

Dazu zählt die digitale Bauakte, deren Aufbau momentan läuft. Der Landrat schätzt, dass es bis zum Einsatz noch gut ein Jahr dauern werde. Davon erhofft er sich dann eine schnellere Bearbeitung von Bauanträgen. In diesem Zusammenhang fällt immer wieder das Wort Pragmatismus: „Ablehnungen im Baubereich lasse ich mir selber vorlegen und bespreche sie mit der Bauverwaltung.“ Natürlich sei klar, dass nicht alles geht. „Aber ich versuche schon, die Spielräume zu nutzen."

Wenig Spielraum lasse das „Wind-an-Land-Gesetz“ der Bundesregierung. Für Grillmeier ist klar: „Wir werden im Landkreis mehr Windräder bekommen. Das wird locker verdoppelt.“ Momentan gibt es 10 Windräder. Laut dem Landrat liegen im Landratsamt rund 20 Anträge für neue Windräder vor, die „in einem aufwendigen Verfahren geprüft werden“.

Was schon jetzt durch das neue Gesetz feststeht: Bis 2027 müsse der regionale Planungsverband Oberpfalz-Nord 1,1 Prozent der Fläche als Windfläche ausweisen. „Diese Diskussion hatten wir schon 2012. Da waren wir im Stiftland schon ziemlich weit.“ Möglicherweise könne dies als Grundlage für diese Gemeinden herangezogen werden.

Die Kommunen rund um den Steinwald würden sich bei diesem Prozess etwas schwerer tun, da es dort wegen der zwei Naturparks mehr Landschaftsschutzgebiete gibt. Hier werde es eine noch größere Herausforderung, 1,1 Prozent der Flächen zu erreichen. Deswegen müssten die Städte und Gemeinden sich über die Steinwald-Allianz abstimmen.

Klares Ziel sei, die Höhenzüge im Steinwald von Windkraft freizuhalten. „Es muss nicht in jeder Gemeinde ein Windrad stehen. Es ist nötig, interkommunal zu planen“, ist sich der Mitterteicher sicher.

Zudem sollen Landschaftsschutzgebiete von Windrädern frei gehalten werden. Mit der Ausweisung solcher Flächen beschäftigt sich der Kreistag in seiner Oktobersitzung. Außerdem starte der Landkreis auf seiner Homepage in Kürze einen Energiemonitor, um darzustellen, wie viel Energie im Landkreis produziert wird. Schon jetzt liege die Eigenenergieversorgung bei rund 67 Prozent – mit einem hohen Anteil an Biomasse.

Eine Realschule in Waldsassen

Für Diskussionen sorgt seit Jahren auch die Kliniken Nordoberpfalz AG. Momentan werde das Sanierungskonzept fortgeschrieben. Die Pandemie, die dadurch entstandenen finanziellen Belastungen und der Fachkräftemangel seien riesige Herausforderungen. Die drei kommunalen Träger hatten in den vergangenen Jahren insgesamt 80 Millionen Euro in die Hand genommen, um das Unternehmen vor der Insolvenz zu retten. „Es ist noch ein Betrag offen. Wir werden jetzt definieren, ob der ausreicht oder ob wir die nächsten zwei, drei Jahre durch die ganzen Corona-Veränderungen zusätzliches Geld in die Hand nehmen müssen“, deutet Grillmeier eine mögliche weitere Geldspritze an. Deutlich macht er noch einmal, dass das Unternehmen in kommunaler Hand bleiben soll.

Viel Geld steckt der Landkreis auch in den Neubau der Realschule Kemnath. Die Preissteigerung auf rund 70 Millionen Euro „beschäftigt uns natürlich schon“. Allerdings sei dies bei den aktuellen Baupreisen nicht zu verhindern. Ein weiteres Großprojekt sei die Zusammenlegung der Mädchenrealschule und der Realschule im Stiftland in Waldsassen. Bis Oktober sollen die Schülervorausberechnungen vorliegen, inklusive Raumkonzept. „Es wird eine zusammengeführte staatliche Schule werden, die unter Umständen noch einige Jahre im Doppelbetrieb läuft und irgendwann an einem Standort mit Anbauten fortgeführt wird“, erklärt der Landrat. Einen Zeitplan gebe es noch nicht, aber es könne „schnell gehen“. Momentan gebe es zwei Schulen für jeweils rund 300 Schüler. „In fünf bis sieben Jahren soll es dann eine staatliche Schule sein, mit rund 500 Schülern.“

Für den CSU-Politiker steht fest: „Die Aufgaben des Landkreises werden groß bleiben.“ Und um dafür die nötige Kraft zu haben, ist er viel mit seinem Rad im Landkreis unterwegs.

Hintergrund:

Zur Person: Roland Grillmeier

  • Alter: 51 Jahre
  • Familienstand: verheiratet, zwei Kinder
  • Beruflicher Werdegang: Ausbildung am Versorgungsamt Bayreuth, 1990 Stadtverwaltung Mitterteich, 2002 bis 2020 Bürgermeister von Mitterteich, seit Mai 2020 Landrat
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