25.06.2019 - 16:18 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Unter Landwirten im Landkreis Tirschenreuth brodelt es

Viele Bauern in der Region fühlen sich missverstanden oder nicht geschätzt. Bei einem Treffen von Bäuerinnen mit dem CSU- Nachwuchs wird sehr deutlich, dass es vielerorts brodelt.

Vertreter der Jungen Union trafen sich mit Ortsbäuerinnen zum Erfahrungsaustausch.
von Carolin BöcklProfil

Wie geht es weiter mit der bayerischen Landwirtschaft? Diese Frage beschäftigt auch viele Bürger im Landkreis Tirschenreuth. Auf dem Hof der Familie Härtl in Liebenstein bei Plößberg trafen sich die Ortsbäuerinnen rund um Kreisbäuerin Irmgard Zintl mit Vertretern der Jungen Union zu einem offenen Austausch. Auch Eva Grillmeier und Alexandra Schrott vom Ring junger Landfrauen waren dabei.

Das Volksbegehren zum Artenschutz, das Ergebnis der Grünen bei der Europawahl, die aktuelle Klimaschutzbewegung: am gesellschaftlichen Image der Landwirte ist all das nicht spurlos vorübergegangen. Kreisbäuerin Irmgard Zintl aus Kleinbüchlberg und Ortsbäuerinnen aus dem Landkreis luden die Junge Union, die für mehr gesellschaftliche Akzeptanz für die Landwirte eintritt, zum Gespräch.

Der Kreisvorsitzende der Jungen Union, Matthias Grundler, möchte sich für ein besseres Bild der Landwirtschaft in der Bevölkerung einsetzen: "Landwirtschaft und Umweltschutz gehen zusammen", ist er überzeugt. "Wenn uns das nicht im Landkreis Tirschenreuth gelingt, wo dann?" Der einhellige Wunsch der Bäuerinnen wurde schnell deutlich: mehr Wertschätzung für die Arbeit der Landwirte, insbesondere für die produzierten Nahrungsmittel und den Beitrag zu Landschaftspflege und Artenschutz. Derzeit sei eher das Gegenteil der Fall. Den Bauern werde meist der schwarze Peter zugeschoben, eine gemeinschaftliche Lösungssuche bleibe auf der Strecke. Zintl bedauerte ein fehlendes Interesse an der Landwirtschaft.

Grundproblem in vielen Debatten sei der Mangel an Wissen über Produktionsabläufe und die Produkte selbst. Eine Forderung der Landfrauen ist deshalb die Einführung des Schulfaches "Alltagskompetenz und Lebensökonomie", was bei der JU auf volle Zustimmung trifft. Zintl, die Erlebnisbäuerin ist und Hofführungen anbietet, betonte, dass viele Familien bereit seien ihre Höfe für Gäste zu öffnen, wenn das einen Beitrag leisten könne. Den Schülern sollte über alle Schularten und Klassenstufen hinweg durch praxisnahen Unterricht unter anderem Wissen über heimische Natur, Landwirtschaft und Naturschutz vermittelt werden.

Mögliche Ansätze seien die Unterstützung, zum Beispiel im Rahmen des regulären Heimat- und Sachkundeunterrichts an Grundschulen, durch ausgebildete Landwirtschaftsmeister oder qualifizierte Hauswirtschafterinnen. "Die Ausbildung vom Lehrling bis zum Meister dauert sieben Jahre", erklärt Zintl. "Wir haben viele bestens ausgebildete Fachkräfte." Insbesondere die Hauswirtschafterinnen fänden bayernweit aber viel zu wenige Stellen. Hier sei großes Potenzial, das an den Schulen eingesetzt werden könne.

Die Forderung des Volksbegehrens für Artenvielfalt, bis 2030 mindestens 30 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen ökologisch zu nutzen, sei unter den aktuellen Voraussetzungen nicht umsetzbar. Schließlich gelten die Gesetze des Marktes auch für die Landwirtschaft. Und so lange der Markt für Bio-Produkte nur eine Nische sei, ist eine Steigerung des Öko-Sektors laut Ludwig Härtl unwirtschaftlich: "Landwirte sind Unternehmer. Und wenn es sich rechnet, wird es auch gemacht." Wünschenswert sei ein regionaler Absatz der Lebensmittel, aber hier gebe es sehr große Probleme. So sei es äußerst schwierig, Schlachtbetriebe zu finden, welche die Auflagen für Bio-Schlachtungen erfüllten. Im Landkreis Tirschenreuth gebe es keinen einzigen Bio-Metzger. Strenge Richtlinien, auch im konventionellen Bereich, erschwerten die Arbeit, mit der Folge, dass es eine Entwicklung hin zu großen Schlachthöfen und weiten Transportwegen gab.

Als wünschenswert sehen es die Nachwuchspolitiker, wenn regionale Produkte angeboten und auch gekauft würden. Weitere Themen des Treffens waren die Düngeverordnung, die geplante Gleichstromtrasse Süd-Ost-Link und die Umsetzung von Umweltrechtsvorschriften, die nicht immer praxistauglich sei.

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