22.01.2020 - 18:18 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Lebenshilfe geht im Landkreis Tirschenreuth an die Börse

Die Kreisvereinigung Lebenshilfe plant Aktivitäten an einer Börse. Sie will dort allerdings nicht mit Wertpapieren, sondern mit ehrenamtlichen Helfern "handeln". Satte Gewinne sind bei dem Projekt nicht zu erwarten.

Der Landkreis investiert in eine Ehrenamtsbörse. Wichtig ist den Kreisräten dabei, dass sie nicht nur Wohlfahrtsverbänden zu Verfügung steht. Auch Vereine und Verbände sollen für Aktionen dort Helfer suchen können. Das Bild zeigt die Helfer einer Christbaum-Sammelaktion in Waldershof.

(wb) Die Lebenshilfe will eine Ehrenamtsbörse umsetzen. Gedacht ist an eine Internetplattform, die freiwillige Helfer dorthin vermittelt, wo sie dringend gebraucht werden. Das Thema stand am Montag im Kreisausschuss zur Diskussion. Auf dem Tisch lag ein Zuschussantrag der Kreisvereinigung Lebenshilfe sowie des Netzwerks Inklusion.

Wandel Rechnung tragen

Quer durch alle Fraktionen herrschte Einigkeit, dass dies eine gute Sache sei, zumal, wie Landrat Wolfgang Lippert betonte, damit dem Wandel der Gesellschaft Rechnung getragen werde. "Viele wollen sich engagieren, aber möchten einen festen zeitlichen Horizont haben." Deshalb sei es attraktiver, sich hier und da ein paar Stunden einzubringen, als ein festes Ehrenamt zu übernehmen.

Auch die Verwaltung befürwortete diese Einrichtung. In Zeiten des Fachkräftemangels und der steigenden Mitbestimmung und Inklusion werde das Ehrenamt immer wichtiger. Beim Thementag für das Ehrenamt sowie bei der Erstellung des seniorenpolitischen Gesamtkonzepts für den Landkreis seien sowohl Ressourcen als auch Lücken vorgestellt worden. "Eine der festgestellten Lücken war die Vermittlung beziehungsweise Koordination von Ehrenamtlichen", so die Verwaltung. Bei den Trägern der öffentlichen Wohlfahrt fehle es aber an "Manpower" und erfolgreichen Strategien, dieses Potenzial zu heben.

Genau hier soll die Ehrenamtsbörse ansetzen. In der geplanten Datenbank sollen die Organisationen Helfer suchen und Bürger Hilfe anbieten können. Mit möglichst geringem Aufwand - die Plattform besteht aus zwei Formularen, einem für Projekte und einem für Helfer. Die Datenbank ermittelt Übereinstimmungen und bringt so beide Seiten zusammen.

Die Idee ist nicht neu, es gibt solche Plattformen bereits, unter anderem in Regensburg und in Wunsiedel. Der Krummennaaber Uli Roth (SPD) wollte wissen, ob es von dort auch aktuelle Zugriffszahlen gebe, da die Seite auf den kommunalen Homepages nicht ganz einfach zu finden sei, was die Verwaltung verneinte. Dem Freien Wähler Hans Klupp war es wichtig, die Börse gut sichtbar auf der Homepage des Landkreises zu platzieren und nicht auf Wohlfahrtsverbände zu beschränken. "Alle Bereiche des Lebens" müssten einbezogen werden. Günter Kopp von der Zukunftsliste bat darum, bereits im Vorfeld die Haftungsfragen bei den späteren Aktivitäten zu klären. "Es dürfen dadurch keine Risiken entstehen, auch nicht für die Leute, die sich einbringen."

Das Gremium war sich einig, das Projekt mit der Lebenshilfe zu verwirklichen. Bereits im Vorfeld sind hier wichtige Dinge geklärt worden. Christina Ponader soll sich im Rahmen von "Netzwerk Inklusion" auch um dieses Projekt kümmern. Eine gute Lösung, wie Lebenshilfe-Vorsitzender und CSU-Kreisrat Roland Grillmeier betonte. "Wir setzen auf das Netzwerk einfach noch eine Ehrenamtsbörse drauf."

Die Kosten schätzt die Verwaltung für das Jahr 2020 auf etwa 13 000 Euro. Neben Personalausgaben steckt darin auch eine dreistellige Summe für die Sachkosten bei der Einrichtung der Börse. Der Kreisausschuss beauftragte Landrat Lippert, mit der Lebenshilfe eine entsprechende Vereinbarung abzuschließen.

Weiterer Ansatzpunkt

Angesichts der bevorstehenden Kommunalwahlen hatte der Tirschenreuther Bürgermeister Franz Stahl einen - wohl nicht ganz ernst gemeinten - Vorschlag, wo die Börse noch ansetzen könne. Eines Tages könne man damit vielleicht auch dort, wo es nötig sei, Kommunalpolitiker suchen, schmunzelte der Rathauschef.

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