06.08.2019 - 09:20 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Mit Lichtzelt und "Zaubertrank" auf Nachfalterjagd

Heinz Kotzlowski lockte mit einer Nachtfalter-Leuchtanlage und selbstgebrauten Ingredienzien, mit denen er die Rinde von Bäumen einstrich, in der Waldnaabaue Nachtfalter an. Etwa 20 Naturbegeisterte ließen sich das Spektakel nicht entgehen.

von Norbert Grüner Kontakt Profil

Zum zweiten Mal war Heinz Kotzlowski, Hobby-Entomologe aus Freising, auf Einladung des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) nach Tirschenreuth gekommen, um in der Waldnaabaue im Bereich Mariaweiherkurve Nachtfalter anzulocken. Es war noch hell, als sich die Teilnehmer am Beobachtungsplatz einfanden. Die Zeit bis zur Dunkelheit nutzte der Schmetterlingsexperte, um über sein Spezialgebiet zu erzählen. Im Laufe des Vortrags wurden viele Fragen gestellt, die er ausführlich aus dem Stegreif beantwortete.

Starker Rückgang

Vor sechs Jahren war Kotzlowsik schon einmal an dieser Stelle, um Nachtfalter zu beobachten. Sein ernüchterndes Resümee zur diesjährigen Aktion: "Was die allgemeine Situation anbelangt, haben wir im Vergleich zu 2013 einen starken Rückgang bei Faltern, die an das Lichtzelt kommen - etwa nur noch 10 Prozent dessen, was 2013 flog. Bei Faltern, die an den Köder kommen, scheint der Verlust geringer zu sein. Im Vergleich zu vor 6 Jahren haben wir noch etwa 30 Prozent."

Als Gründe für den Rückgang vermutet der Experte möglicherweise Lichtverschmutzung, Pestizide oder ein verändertes Nahrungsangebot. Allerdings wären das Fragen, die nur von der Wissenschaft beantwortet werden könnten. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit tauchten die ersten Falter sowohl am Lichtzelt als auch an den präparierten Bäumen auf. Wie erwähnt waren es nicht viele Individuen. Im Vergleich zu vor sechs Jahren habe aber die Artenvielfalt nicht grundsätzlich gelitten. In unserer Region seien etwa 100 Nachtfalterarten heimisch, sagte Kotzlowski.

Als Raritäten des Abends waren unter anderem das Rote Ordensband, der Kleine Weinschwärmer, der Russische Bär, der Ampferspanner und das Grüne Blatt zu sehen. Ein Exemplar der Dreizack-Graseule bescherte selbst dem Experten eine neue Art in seiner umfangreichen Fotosammlung. Die letzten Teilnehmer verließen um 23.30 Uhr den Ort des Geschehens. Heinz Kotzlowski hing noch eineinhalb Stunden dran - und das sollte sich auszahlen. Denn in dieser Zeit ließen sich die meisten Raritäten sowohl auf dem Lichtzelt als auch an der präparierten Rinde nieder. Er führte das darauf zurück, dass der größte Anflug erst nach Mitternacht erfolge, was für die meisten Interessierten einfach zu spät sei. Die Falter kämen von weit her und es dauere geraume Zeit, bis sie auf ihrem Suchflug (nach Weibchen) das Leuchtzelt erblickten. Der Duft des Köders müsse sich erst über weite Strecken verteilen, bis die Falter auf ihn aufmerksam würden.

"Freisinger Buckl"

Eine Woche zuvor war Kotzlowski am "Freisinger Buckl" unterwegs. Verglichen mit Tirschenreuth sei dort der Anflug etwa doppelt so stark gewesen. Das werfe die Frage auf: "Warum gibt es in Tirschenreuth weniger Nachtfalter als am 'Freisinger Buckl', der nahe am Flughafen München liegt und von landwirtschaftlichen Flächen umgeben ist?" Sämtliche Daten die Kotzlowski zusammenträgt, gibt er an die Zoologische Staatssammlung München (ZSM) weiter. Dort sind zurzeit etwa 100 seiner Fotos von heimischen Nachtfalten ausgestellt. Die Exkursionsteilnehmer staunten nicht schlecht, als er darüber aufklärte, dass es in Mitteleuropa etwa 125 Tagfalterarten gegenüber rund 1000 Nachfalterarten gibt. Und viele von ihnen stünden in ihrer Farbigkeit ihren Vettern, die bei Tageslicht unterwegs seien, in nichts nach.

Zusammen mit Konrad Zier von der LBV-Ortsgruppe Tirschenreuth, will Heinz Kotzlowski eine weitere Aktion im kommenden Jahr in der Waldnaabaue durchführen. Wer selbst etwas für die heimischen Falter tun will, solle einfach in einem Bereich seines Gartens ein wenig Wildnis zulassen. Die Brennnessel etwa sei eine Pflanze, die viele Tag- und Nachtfalter zur Eiablage und als Futter für ihre Raupen brauchen.

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