14.02.2020 - 15:56 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Als Lokführer bundesweit an der Spitze

Er heißt Lukas und ist Lokomotivführer. Allerdings fährt er nicht mit Jim Knopf auf der Insel Lummerland, sondern bewegt reale, tonnenschwere Waggons. Und er ist der beste Lokführer-Azubi Deutschlands im Güterzugbereich.

Lukas Dausch darf trotz seines jugendlichen Alters eigenständig eine Rangierlok führen. Hier steht er am Bahnhof Marktredwitz vor einer Handweiche.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

"Ich durfte früher Lok fahren als Auto", grinst der 19-jährige Lukas Dausch. Der Tirschenreuther steht in einem geistig und körperlich fordernden Beruf nach dreijähriger Ausbildungszeit seinen Mann. Eingesetzt ist er am Bahnhof Marktredwitz. Beim Unternehmen DB Cargo hat er einen beeindruckenden Start hingelegt: Mit 97 von 100 Punkten lieferte er bundesweit die beste Abschlussprüfung in seinem Ausbildungszweig bei der Industrie- und Handelskammer ab. Auch die Berufsschule beendete er mit einer Eins.

Bei Gala in Berlin

Im Dezember war der beste Azubi schon bei einer glanzvollen Ehrung in Berlin. Bei der Feier des Deutschen Industrie- und Handelskammertags erhielt er von der Bundesbildungsministerin seine Urkunde. "Da wurden die Besten aus über 200 Berufen geehrt", berichtet Dausch. Besonders hat ihm die Moderation von Barbara Schöneberger gefallen - und das leckere Essen bei der Gala. "Das gibt schon einen Kick", freut sich der Tirschenreuther über die Einladung.

Dass er mal bei der Bahn landen würde, ahnte Lukas Dausch lange nicht. "Ich hatte auch keine Modelleisenbahn daheim", schmunzelt er. Michael Endes Geschichte von Jim Knopf und Lukas, dem Lokomotivführer, kannte er nur vage aus dem Fernsehen. Nach der Grundschule in Tirschenreuth besuchte er die Realschule in Neustadt/WN. "Die anderen wurden Banker oder Bürokaufleute, ich wollte einfach ein bisschen was anderes machen", schildert er seine Ausbildungswahl.

Erst mal eine Absage

Im Lokführerbereich gab es massiven Personalmangel. Auf die Bahn-Werbeaktion "Du passt zu uns" hin bewarb sich Lukas - und kassierte erst mal eine Absage. Sein Vorstellungsgespräch bei der DB Regio AG, die für den Personennahverkehr zuständig ist, verlief für den damals 16-Jährigen nicht erfolgreich. Da kannte er die DB Cargo AG noch gar nicht. Doch dann kam von diesem Unternehmensteil ein Anruf und alles ging sehr schnell: Lukas begann seine Lehrzeit am Rangierbahnhof Nürnberg und zog nach Franken. Die Ausbildung war von Anfang an fordernd, blickt er auf stundenlanges Büffeln zurück: "Man muss sich sehr viel merken. Das Anstrengendste ist im letzten Drittel der Lokführerschein. Wenn in der Prüfung ein betriebsgefährdender Fehler passiert, fällt man durch, auch mit 99 Prozent Wissen. Schließlich hängen ja Menschenleben dran."

Wer eine Lok fahren will, muss seine Kenntnisse in Theorie und Praxis unter Beweis stellen. Dazu gehören die umfangreiche Vorbereitung des Zugs und die Behebung von drei Störungen. Für Extremsituationen wird das Personal geschult. Zum Beispiel, wenn ein Mensch auf den Gleisen liegt. "Suizide kommen ungefähr 1000 Mal im Jahr vor", weiß Lukas um das Risiko. "Das darf man aber nicht ständig im Hinterkopf haben."

Körperlich und geistig fit

Auch körperlich müssen Lokführer im Gütertransport allerhand wegstecken. Ein Laufpensum von zehn Kilometern am Tag ist keine Seltenheit. Der Einsatz draußen bei Regen, Schneetreiben und Kälte gehört dazu. Im Sommer kann es im unklimatisierten Führerhaus schon mal über 50 Grad heiß werden. Dennoch macht Lukas Dausch die Arbeit viel Spaß. "Mein Vater fand die Berufswahl cool. Meine Mutter hat den DB-Werbefilm mit mir als Hauptdarsteller mit allen Bekannten geteilt, und meine Oma war immer sehr stolz auf ihren Enkel", freut sich der Tirschenreuther über die Unterstützung.

Video mit Lukas aus dem Karriereportal der Deutschen Bahn:

Dass die Abschlussprüfung im Juli 2019 für ihn gut lief, war dem Stiftländer klar. Dass er deutschlandweit das beste Ergebnis erzielte, überraschte ihn dann aber doch. Seit dem Herbst ist der junge Lokführer fest in Marktredwitz eingesetzt. Diese Heimatnähe war ihm wichtig. Auch am Standort Weiden ist er oft anzutreffen. Nur selten sind Einsätze außerhalb der Schichtzeiten zwischen 6 und 18 Uhr nötig, ist Lukas Dausch mit seinen Arbeitszeiten ganz zufrieden: "Wir können Weihnachten oder Silvester zusperren, wenn keine Güter zu transportieren sind. Das geht bei der Personenbeförderung natürlich nicht."

Zum Alltag gehört hauptsächlich das Rangieren von Zugteilen und Gütern in Bahnhöfen. Aber auch Streckenfahrten mit einem Tempo von bis zu 100 Kilometern pro Stunde macht Lukas Dausch. Beispielsweise bewegt er 1600 Tonnen schwere Kesselzüge, beladen mit Dieselkraftstoff. Er transportiert Schrott, fährt Waggons mit Sand oder Erden durch Nordostbayern, ins tschechische Grenzgebiet oder nach Sachsen. Nie vergessen darf er dabei die Sicherheitsüberprüfungen. Das hat der 19-Jährige in seiner Ausbildung verinnerlicht. So gehört eine Bremsprobe vor der Fahrt zwingend dazu.

Wie es ausgehen kann, wenn das Personal einen Fehler beim Kuppeln macht, wurde im August 2019 deutlich: Ein privater Güterzug fuhr ab Schirnding ungebremst 100 Kilometer durch Oberfranken und die Oberpfalz. "Das kann uns nur mit viel Unglück passieren", legt Dausch für seine Kollegen der DB Cargo die Hand ins Feuer. Er verweist auf die strenge Ausbildung und die regelmäßige Begleitung jedes Einzelnen durch Führungskräfte.

"Schon Muffensausen"

Einmal im Jahr ist auch eine Fahrt auf dem Lok-Simulator in Nürnberg Pflicht. "Da werden wir mit nicht alltäglichen Situationen konfrontiert. Zum Beispiel, was man tut, wenn ein brennender Zug vorbeifährt." Auch auf andere Fälle ist er schon gespannt: "Mich würde es mal interessieren, einen liegengebliebenen Zug abzuschleppen."

Bei seiner ersten Fahrt ohne Ausbilder von Marktredwitz nach Wiesau hatte er "schon Muffensausen", erinnert sich Lukas: "Da schaut man zehn Mal, ob alles passt." Doch täglich wächst die Routine. In den nächsten Jahren will er viel Berufserfahrung sammeln. Die Entscheidung, Lokführer zu werden, hat er noch nie bereut: "Ich hätte nicht gedacht, dass es mir so gut gefällt. Die Atmosphäre ist familiär, und man hat auch selbst was zu sagen bei der Planung im Betrieb."

Gruppenleiter Claus Barth hat Lukas Dausch die frisch gerahmte Urkunde für seinen Superabschluss nach Marktredwitz mitgebracht.
Hintergrund:

Chef ist stolz auf jüngsten Lokführer

Dass auch seine Vorgesetzten stolz auf Lukas Dausch sind, versteht sich von selbst. Claus Barth, Leiter der DB Cargo Nordostbayern mit Sitz in Weiden, verweist auf die Sondergenehmigung, die der 19-Jährige vom Eisenbahnbundesamt nach eingehender Prüfung erteilt bekam, damit der junge Mann überhaupt schon alleine fahren darf. Das ist normalerweise erst ab 20 Jahren möglich. „Unsere Lokführer müssen charakterlich und geistig gefestigt sein. Dass er fachlich was drauf hat, hat Lukas ja schon in der Ausbildung bewiesen.“ Barth sieht sowohl in der Theorie als auch in der Praxis viel Potenzial bei seinem jüngsten Lokführer: „Er kann beides supergut verbinden.“ Nachwuchs wird bei der Bahn dringend gesucht, rührt Barth die Werbetrommel: „Wir haben ein familiäres Betriebsklima und sehr gute Weiterbildungsmöglichkeiten.“ Auch der Verdienst sei in Ordnung, ergänzt Lukas Dausch: „Man steigt im Vergleich zum Handwerk relativ hoch ein.“ Auch Hauptschüler haben eine Chance, versichert Claus Barth. Der Beruf des Lokführers und weitere Tätigkeitsfelder stünden selbstverständlich auch Mädchen offen.

Information:

Hauptdarsteller im DB-Werbespot

Seit Oktober ist Lukas Dausch in einem Werbeclip der Deutschen Bahn ein Hauptdarsteller. "Lukas, Lokrangierführer", stellt sich der blonde junge Mann im Film vor und zeigt mit einem Rangierbegleiter am Nürnberger Rangierbahnhof, was seine Arbeit ausmacht. "Ich will Abwechslung mit Teamwork verbinden. Du auch?", wendet er sich an potenzielle Berufskollegen. "Der Dreh war mal was anderes", freut sich Lukas, dass er ausgesucht wurde. Für den Drei-Minuten-Spot war ein ganzer Tag Arbeit nötig.

Beim Betrieb einer Handweiche ist auch ein gezielter Fußtritt nötig, wie Lukas Dausch hier demonstriert.
Beim Kuppeln und Verbinden des Bremssystems ist größte Sorgfalt nötig.
Wenn Lukas Dausch einen Kesselzug führt, hat er schon mal 1600 Tonnen hinter sich.
Wenn nicht gerade eine lange Streckenfahrt ansteht, ist der Führer einer Rangierlok ständig in Bewegung.
Lukas Dausch ist mit 19 Jahren wohl der jüngste Lokführer in Deutschland.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.