02.09.2021 - 11:46 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Managementplan soll Zukunft der Waldnaabaue sichern

Wie geht es mit dem Naturschutzgroßprojekt Waldnaabaue weiter? Dazu liegt nun ein der Entwurf des neuen Managementplans vor.

Die Himmelsleiter bei Tirschenreuth ist einer der touristischen Magneten des Naturschutzgroßprojekts Waldnaabaue.
von Josef RosnerProfil

Das Naturschutzgroßprojekt Waldnaabaue zwischen Tirschenreuth und Windischeschenbach existiert bereits seit mehr als 20 Jahren. Seitdem hat es Landkreis Tirschenreuth mit vielen Partnern weiterentwickelt. In dem rund 3000 Hektar große Gebiet wurden bislang Investitionen im zweistelligen Millionenbereich getätigt. Kürzlich ist der Entwurf des neuen Managementplans veröffentlicht worden. Darüber tauschten sich kürzlich Landrat Roland Grillmeier, Forstbetriebsleiter Norbert Zintl, Bundestagsabgeordneter Albert Ruprecht und Tirschenreuths Zweiter Bürgermeister Peter Gold bei einem Treffen aus.

Bundesweit bedeutend

„Hier ist einer der wertvollsten Naturschätze der Oberpfalz entstanden“, sagte Landrat Roland Grillmeier. Dank der Gelder und der beteiligten Kommunen entstanden Radwege, die Himmelsleiter und viele andere touristische Projekte. Als weiteren Grund für die hohe Wertigkeit des Projekts nannte Grillmeier bundesweit bedeutende Vorkommen von Lebensräumen und Arten.

Umbau des Waldes

So umfasst die nördliche Waldnaabaue einen großflächigen Feuchtgebietskomplex mit einer bis ins Mittelalter zurückreichenden Teich- und Weiherbewirtschaftung sowie Feuchtwiesen, Moorlebensräume, Verlandungszonen und offene Wasserflächen in der Waldnaabschlucht bei Falkenberg. Hinzu kommen Granitschiebeblöcke im Flusslauf, zahlreiche Quellbereiche und ein bedeutsamer Landschaftskomplex. „Gerade jetzt in Pandemiezeiten schätzen viele Menschen die Vorzüge dieser Naturregion“, wusste der Landrat.

Im Managementplan werden besonders die umfangreichen naturschutzfachlichen Maßnahmen hervorgehoben, die von den Bayerischen Staatsforsten, der Bayerischen Forstverwaltung, dem Landkreis und der Stadt Tirschenreuth bisher erbracht wurden und für die Zukunft geplant sind. Hierzu gehören aufwendige Dammbauten zur Wiedervernässung großer Teilbereiche der Tirschenreuther Teichpfanne, die umsichtige Nutzung und die Weiterentwicklung von naturschutzfachlich wertvollen Waldbereichen sowie eingeleitete Umbaumaßnahmen zu Laub- und Laub-Nadelholzmischwäldern in den historisch bedingt stark von Fichten und Kiefern dominierten Forstflächen des Gebiets.

Freistellung von Felsen

Für die Zukunft werden weitere Maßnahmen wie beispielsweise Gewässerunterhaltungsmaßnahmen, Entbuschungen, die Freistellung von Felsen oder die Extensivierung von Grünland vorgeschlagen. Wichtig ist laut Grillmeier, auch weiterhin alle Interessengruppen einzubeziehen: Natur- und Umweltschützer, Flächenbesitzer, Staatsforsten, Teich- und Landwirte. Ziel sei es auch künftig, diese einzigartige Naturlandschaft zu erhalten und sie im möglichst großen Einklang mit Nutzern und Natur zu bewirtschaften. Dies sei in den vergangenen Jahren mit Nutzungs- und Entschädigungsprämien des Freistaates Bayern weiterentwickelt worden.

Praktikable Lösungen seien weiterhin gefragt. Der Landrat erinnerte an den Umgang mit Kormoran, Biber und Otter. Durch den Managementplan sollen auch hier Lösungen gefunden werden. Mit Hilfe eines Otterberaters und eines Rangers trage der Landkreis aber schon dazu bei, dieses Spannungsfeld zu bewältigen. Zu den weiteren Gesprächsthemen zählte auch eine mögliche Weidebewirtschaftung mit Bio-Rindern in Bereichen der Waldnaabaue.

Forstbetriebsleiter Norbert Zintl freute sich über die Erstellung des Managementplans, der eine gute Grundlage für die Zukunft der Waldnaabaue biete. MdB Albert Rupprecht brachte zudem den Erholungswert für die Menschen ins Gespräch. Es müsse gelingen, die Interessen der Teichwirte und der Natur suchenden Menschen zusammenzubringen.

Runde Tische geplant

Auf Nachfrage teilte das Landratsamt mit, dass der Entwurf des Managementplans aktuell von jedem eingesehen werden kann. Er ist auf der Homepage der Regierung der Oberpfalz unter dem Stichwort "Natura 2000" zu finden. Einwände oder Vorschläge sind an die Regierung zu melden. Es sollen auch noch Runde Tische stattfinden, bei denen die Ergebnisse mit den jeweiligen Eigentümern und Interessensverbänden diskutiert werden. Zum Schluss werden die Ergebnisse zusammengefasst und die Endversion wird vorgestellt.

Auch der Wald im Bereich der Waldnaabaue wird für die Zukunft fit gemacht

Großensterz bei Mitterteich
Herrlich anzuschauen ist die Kulturlandschaft der Waldnaabaue bei Tirschenreuth.
Gut 3000 Hektar groß ist das Naturschutzgroßprojekt Waldnaabaue. Jetzt überzeugten sich sich (von links) MdB Albert Rupprecht, Tirschenreuths Zweiter Bürgermeister Peter Gold, Forstbetriebsleiter Norbert Zintl und Landrat Roland Grillmeier bei einem Besuch von den Erfolgen des Naturschutzgebietes.
Einen großen Ordner füllt der erarbeitete Managementplan, den Landrat Roland Grillmeier Anfang August erhalten hat.
Hintergrund:

Was Managementpläne für FFH-Gebiete beinhalten und für wen sie gelten

  • Managementpläne konkretisieren die Erhaltungsziele, die es für jedes FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitate) gibt. Sie beinhalten in der Regel eine Gebietsbeschreibung, biologische Grundlagen, Bewertungen und Maßnahmenbeschreibungen.
  • Aufgabe der Managementpläne ist es, die notwendigen örtlichen Maßnahmen für die europäisch relevanten Schutzgüter aufzuzeigen, damit deren Zustand erhalten oder verbessert werden kann. Diese Schutzgüter sind bestimmte Lebensraumtypen, Tier- und Pflanzenarten sowie deren Habitate.
  • Managementpläne sind für Behörden verbindlich.
  • Privateigentümer, Bewirtschafter sowie Land- und Forstwirte tragen ebenfalls eine Verantwortung für die Umsetzung der Erhaltungsmaßnahmen. Ihre auf Freiwilligkeit und Kooperationsbereitschaft basierende Mitwirkung bei der Umsetzung der Erhaltungsmaßnahmen wird etwa durch Vertragsnaturschutzprogramme honoriert.
  • Für Naturschutz- und Landschaftspflegeverbände bzw. -vereine stellen die Managementpläne wichtige Informationen für die Maßnahmenumsetzung bereit.

"Hier ist einer der wertvollsten Naturschätze der Oberpfalz entstanden."

Landrat Roland Grillmeier

 

 

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