Montagmorgen an der Avia-Tankstelle Wiesau: Zwei Kunden tanken ohne Mund-Nasen-Schutz. Bevor sie bezahlen, gehört der Griff in die Hosentasche bei den beiden schon wie selbstverständlich dazu. Die Männer ziehen ihre Masken heraus und setzen die Dinger auf, bevor sie den Laden betreten. Drinnen kassiert Anita Härtl, mit Mundschutz.
Während sich die Männer beim Hinausgehen bereits wieder befreien, muss sie den Schutz den ganzen Arbeitstag lang tragen. Sie tut's mit Fassung. „Wenn es denn sein muss", sagt sie. Derweil füllt sich der kleine Raum, drei Personen dürfen rein. Ein Vierter bleibt draußen stehen. Ministerpräsident Markus Söder hätte seine Freude an diesem Anblick: Alle vier Kunden tragen Masken und stehen wie Orgelpfeifen in den mit Klebeband am Fußboden abgegrenzten Abstands-Terrains.
In Tirschenreuth hat das Wäschehaus Wettinger endlich wieder Ware vor der Tür. „Bei uns sind die Leute heute schon Schlange gestanden“, freut sich Horst Wettinger. Er und seine Frau Lisa haben den Laden perfekt vorbereitet, damit alles ordentlich ist. "Ich habe ganz genau nachgemessen. Wir dürfen öffnen", freut sich Wettinger, unter der Grenze von 800 Quadratmetern Verkaufsfläche zu liegen. An der Tür ist ein Desinfektionsmittel, rote Pfeile auf dem Fußboden weisen den Weg zum Betreten und Verlassen des Ladens, damit sich niemand in die Quere kommt.
Wettinger berichtet von vorbildlichen Kunden. Alle mit Masken. Die frühzeitigen Kunden wollten alle Gummibänder kaufen für ihre selbst gefertigten Hilfsmittel. „Ich habe aber keinen Zentimeter mehr“, bedauert Wettinger. Er hat seine Vorräte an die Vereine und Organisationen zum Nähen verschenkt. Der Markt sei leergefegt, ähnlich wie anfangs beim Klopapier und den Nudeln. Seine Lieferanten hätten von frühestens Ende Mai für Nachschub gesprochen.
Lisa und Horst Wettinger müssen ebenfalls Mund-Nasen-Masken tragen. Und das den ganzen Tag. „Wenn keiner da ist, können wir die Dinger ja kurzzeitig abnehmen“, sagen die Geschäftsleute zum kleineren Übel der Krise. Eine Kundin erzählt, dass ihre Maske die Tochter genäht habe, die heute erstmals wieder als Lehrerin in der Schule bei der Abschlussklasse sei. Die Frau fühlt sich durch Corona in einer Endzeitstimmung: „Solche Gefühle verstärkt der Mundschutz auch noch“, seufzt sie.
Auch bei Eisen-Bayreuther standen die Kunden um 8 Uhr an. „Da ist einiges daheim kaputtgegangen. Die Leute holen Ersatzteile“, erklärt Stefan Bayreuther. „Oder Kartoffelschäler“, fügt er an. Er hat seinen Laden umgeräumt wegen der Abstandsregelung. Franz Hackl kauft gerade ein, mit Mund-Nasen-Maske, versteht sich. Die Gespräche, die man gern wieder mit Stammkunden führt, drehen sich um Corona und die Gesichtsbedeckung.
Christine Mörtl-Wurdack vom Schuhgeschäft in Mitterteich erzählt, dass sie Mundschutz für die Kunden vorrätig und zehn Exemplare für sich selbst gelagert habe. „Wenn die feucht werden, weil man schwitzt, müssen sie sofort runter“, sagt sie. Einlassen darf sie nur sechs Leute gleichzeitig. „Wenn eine Familie mit drei Kindern kommt, ist hier dicht.“ Die findige Geschäftsfrau lädt deshalb für die erste Woche der Wiedereröffnung Familien ein, sich einen Termin geben zu lassen in der Mittagspause, wo eigentlich geschlossen ist. Mörtl-Wurdack hat Desinfektionsmittel an der Tür, durch die Regale sei der Abstand gewahrt. Beanstandungen wegen fehlendem Mundschutz kann sie am ersten Öffnungstag keine melden.
Im Modehaus Ottlinger kann man sogar, wenn die Lieferung kommt, Mund-Nasen-Abdeckungen in modischen Designs kaufen. Inhaberin Hanka Richter-Boßner behilft sich am Montag aber mit einem bunten Tuch. „Ich habe selbst noch keine Maske“, lacht sie. Zu ihr sei bisher nur eine Kundin gekommen, berichtet sie. Mit Mundschutz, natürlich.



















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