17.07.2018 - 16:04 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Sein oder Nichtsein des MTT

Das Moderne Theater Tirschenreuth (MTT) kehrt im Herbst mit einem neuen Stück zurück zu seinen Wurzeln. Im Kettelerhaus wollen die Verantwortlichen das Flair einer heimeligen Kleinkunstbühne schaffen, so wie einst im alten Luitpold-Kino.

Bühnenbauer Anton Beer, Musikerin Franka Plößner, MTT-Vorsitzender Florian Winklmüller und Regisseur Manfred Grüßner (von links) bei einer der ersten Besprechungen auf der Bühne im Kettelerhaus.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

(tr) Manfred Grüßner formt sein "Sein oder Nichtsein" nicht nur als Regisseur. Er ist auch maßgeblich für den Bühnenbau und den Text verantwortlich. Der ist zwar nicht neu und kann über Theaterverlage bezogen werden. Aber er ist zu lang. Also hat Grüßner radikal gekürzt, ohne den Sinn zu verfälschen, und die Worte in zuschauerfreundliche 90 Minuten verpackt. Dass so etwas geht, hat er unlängst bei seinem "Faust" bewiesen, den er erfolgreich auf der Bühne im Waldsassener Kunsthaus inszeniert hat.

Fünf Dreiecke

Nach etwa der Hälfte des Zweiakters gibt es eine 20-minütige Pause. Der erste Akt hat 9, der zweite beinhaltet 12 Szenen. Zu einem ersten Treffen mit interessierten Schauspielern hatte Grüßner seine Bühne als Miniaturmodell mitgebracht und eines von fünf Dreiecken, aus denen während des Spiels alle möglichen geometrischen Figuren entstehen, die dann die verschiedenen Schauplätze symbolisieren. Das Modell stand bereits fertig auf der Bühne. Das und die weiteren vier Teile hat Bühnenbauer Anton Beer zusammen mit seinen Mitstreitern Josef Schmidkonz und Dieter Bonfert aus Holzteilen, wie sie schon bei der Erfolgsproduktion "Cash" im Einsatz gewesen waren, konstruiert.

Zu den erwähnten Dreiecken gibt es noch einen Stuhl, einen Sessel und einen Tisch und vielleicht noch das eine oder andere Accessoire. Die Hauptaufgabe der großen Holzteile besteht darin, die große Kettelerhaus-Bühne (9 mal 12 Meter) optisch auf Kleinkunstbühnen-Niveau herunterzubrechen. Und genau das will Grüßner erreichen, wenn er von den Wurzeln des MTT spricht, von der Bühne im Luitpoldtheater, wo alles angefangen hat. Dorthin zurück will das MTT unter allen Umständen. Auch der Zuschauerraum des Kettelerhauses wird auffällig verkleinert. "Nicht mehr als maximal 250 Zuschauer pro Aufführung", präzisiert MTT-Vorsitzender Florian Winklmüller das Vorhaben.

Kleines Ambiente

Die Idee, das Stück in Tirschenreuth zu spielen, kam von Stefan Tilch, dem Intendanten des Landestheaters Niederbayern mit Spielstätten in Landshut, Passau und Straubing. Er kennt das Kettelerhaus gut, hat bereits einmal die "Tirschenreuther Passion" und den "Jedermann" inszeniert. Bei "Sein oder Nichtsein", das zeitlich im Zweiten Weltkrieg angesiedelt ist, spielen die Akteure Theaterschauspieler.

"Ein Stück, das sich herrlich für die reine Selbstinszenierung eignet", sagt der Regisseur. "Vielleicht sollte ich doch selber mitspielen", schmunzelt er. "Und, wie immer bei uns, geschieht auch ein Mord auf der Bühne", wirft MTT-Vorsitzender Florian Winklmüller ein. Ein "kleines Ambiente" wünschen sich die Theatermacher, wollen diesmal sogar auf Headsets verzichten. Vor allem auf Sprache und Ausdruck legen sie Wert. "Auch die Leute in der letzten Reihe sollen verstehen, was wir sagen."

Die Bühnentechnik soll bescheidener ausfallen als es im Kettelerhaus eigentlich möglich wäre. Auf die Operafolie, mit deren Hilfe sich mit farbigem Licht perfekte Hintergrundstimmungen schaffen lassen, soll aber nicht verzichtet werden. Und dafür, dass dieses Licht stets da ist, wo es hin soll, sorgen Karl und Tobias Schwägerl, die Herren der vielen Knöpfe auf dem Mischpult. Zum Üben steht diesmal der Steigersaal im ersten Stock nicht zur Verfügung, deshalb finden alle Proben auf der Bühne statt.

Musik im Hintergrund

Eigentlich ist das ein großer Vorteil, hat aber den Nachteil, dass an manchen Tagen überhaupt nicht geprobt werden kann und die Bühne sogar komplett abgebaut werden muss, weil andere Veranstaltungen dazwischen stattfinden. Anfang September beginnen die ersten Gehversuche, für die Grüßner strenge Disziplin eingefordert hat. "Wer mitspielt, muss zu allen Proben kommen, weil ständig sieben bis acht Schauspieler auf der Bühne stehen, da geht es nicht, dass einer fehlt."

27 Probentermine stehen bereits fest. "Das ist das Mindestmaß", sagt Grüßner. "Dafür wird das auch was ganz ganz Tolles", verspricht er eine tiefsinnige Komödie mit viel Wortwitz - ein echtes Ensemblespiel. Im Gegensatz zu "Cash" oder "Servus King" tritt diesmal die Musik dezent in den Hintergrund. Sie ist gewohnt hochkarätig und wird vorgetragen von Franka Plößner aus Fuchsmühl, die virtuos Klezmer-Klarinette spielt. Premiere des Stücks ist am Donnerstag, 8. November. Weitere Aufführungen folgen am Samstag, 10., am Freitag, 16., am Samstag, 17. und am Sonntag, 18. November.

Zum Inhalt:

Warschau 1939, kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Das Theaterensemble um Joseph Tura und seine Frau Maria müssen auf Druck der Regierung von Polen ein antifaschistisches Stück absetzen - stattdessen steht nun Hamlet auf dem Spielplan. Josef Tura ist total empört, dass sich ein Zuschauer während seines Monologs aus dem Saal entfernt. Was er nicht weiß: es handelt sich um Sobinski, einen Bomberpiloten, der sich unsterblich in Maria, seine Frau, verliebt hat. Diese lässt ihren jungen Verehrer jedoch abblitzen. Wenig später bricht der Zweite Weltkrieg aus und Warschau wird bombardiert und nichts ist mehr, wie es war. Sobinski wird nach England berufen und deckt dort Ungeheuerliches auf: Professor Siletsky, der vorgibt, für die Piloten Kontakt in die Heimat halten zu können, ist in Wahrheit ein Spion, der mit den Deutschen kollaboriert, um eine Widerstandsgruppe hochgehen zu lassen. Von Sobinsky gewarnt, hecken die Turas einen Plan aus, der ihr ganzes schauspielerisches Talent erfordert. (exb)

Erste Vorbesprechung mit den interessierten Schauspielern.
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