Karfreitag ist es so weit: Am 29. März enden Chirurgie, Intensivstation und Geburtshilfe am Krankenhaus Tirschenreuth. "Jetzt wird das eintreten, was wir versucht haben zu verhindern", sagt Fach- und Notarzt Dr. Wolfgang Fortelny im Gespräch mit Oberpfalz-Medien über die Folgen der Entscheidungen der Verantwortlichen der Kliniken Nordoberpfalz AG (KNO) vor allem mit Blick auf die Schließung der Notaufnahme. "Unsere Einwände und unser Protest wurden nicht wahrgenommen", beklagen die Ärzte, die sich in der "Initiative Klinik Retten" (IKR) engagiert haben, in einer gemeinsamen Erklärung. In der bisherigen Form wird es nach Gründonnerstag das Haus Tirschenreuth nicht mehr geben: Der Rettungsdienst darf es nicht mehr anfahren. Deshalb sei eine adäquate Versorgung von Notfallpatienten nicht mehr möglich.
Kritisch beurteilen die Mediziner die künftige Versorgung über den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst. Diese Ambulanzen (KV-Praxen) sind Krankenhäusern angegliedert, um in akuten Fällen eine stationäre Aufnahme sicherstellen zu können. In Tirschenreuth falle dies nun weg: Patienten müssten in andere Krankenhäuser überwiesen werden.
Weite Wege für Patienten
Bereits über Ostern seien weite Wege für eine entsprechende Diagnostik nötig, um eventuell eine stationäre Behandlung zu umgehen. "Die unzufriedenen Patienten können sich bei den Entscheidungsträgern bedanken", schreiben die Initiatoren der IKR-Petition zum Erhalt des Krankenhauses Tirschenreuth, die von rund 60.000 Leuten unterzeichnet wurde – "das Volk des Landkreises", wie Fach- und Notarzt Dr. Hans-Jürgen Jokiel im Gespräch unterstreicht.
Seit Bekanntgabe der Umstrukturierung und den Protesten wäre genügend Zeit geblieben, um eine Lösung zu finden. Passiert sei aber nichts. "Deshalb werden sie auch in Zukunft nicht aus der Entscheidungsverantwortung entlassen", heißt es über die Vertreter der kommunalen Träger und über den Vorstand.
Finanzierung auf zwei Schienen
"Wir reden über Krankenhausplanung und tun so, als ob es das Gesundheitswesen wäre", benennt Fach- und Notarzt Dr. Mathias Kalkum das, wie er sagt, "Grundübel": "Wir behandeln das ganze Thema unter dem Gesichtspunkt Geld. Wir müssen es aber unter dem Gesichtspunkt Bedarf sehen."
Das Gesundheitswesen in Deutschland sei zutiefst von Lobbygruppen zerfressen. "Es ist selbstzerstörerisch, indem wir Hausärzte, niedergelassene Fachärzte und Krankenhäuser gegeneinander ausspielen." Alle drei Gruppen gönnten sich "gegenseitig die Butter auf dem Brot nicht", so Kalkum über die negativen Folgen paralleler Strukturen. Das zweite Problem sei die Finanzierung des Gesundheitswesens – nach den Vorgaben des Bundesgesundheitsministeriums – auf zwei Schienen: die der Infrastruktur durch das Land sowie die der laufenden Kosten durch die Kassen. "Beide zahlen nicht so viel, wie sie zahlen sollten und schieben das jeweils dem anderen zu."
Kritik an Vorstand Hoffmann
Nüchtern und sachlich resümiert Notarzt Dr. Bertram Völkl im Gespräch mit Oberpfalz-Medien das Ergebnis der Bemühungen der IKR. Diese seien völlig umsonst gewesen: KNO-Vorstand Michael Hoffmann habe auch im Konsens mit den Kommunalpolitikern und dem Ministerium konstant und permanent an der Destruktion von Tirschenreuth gearbeitet, ohne auf Argumente einzugehen.
Deprimierend sei, dass die Entscheidungsträger dadurch aufgefallen seien, "dass sie null Ahnung haben", so Völkl: "Die haben uns angelogen und in einer geradezu verhöhnenden Art und Weise an unserer Demo teilgenommen – wohl wissend, dass sie von diesem Konzept nicht abweichen werden, das sie 100-prozentig mit Herrn Hoffmann mitgetragen haben." Die politischen Entscheidungsträger dürften nun deswegen aber keine Sensibilitäten entwickeln. "Sie haben versagt. Sie haben ihrer kommunalpolitischen Aufgabe nicht genügt."
25 Millionen Euro "in den Kanal"
"Das Haus war in der Leistungsbreite aufgestellt, da hat sich selbst Weiden in verschiedenen Spezialdisziplinen verkriechen können", so Völkl über die Qualität der Gastroenterologie, der Intensivmedizin und der Kardiologie in Tirschenreuth. 25 Millionen Euro in den vergangenen Jahren – "alles in den Kanal", schildert Haus- und Notarzt Dr. Achim Nemsow bildhaft die Investitionen in das Tirschenreuther Haus in den vergangenen Jahren, die letztendlich umsonst gewesen seien.
"Wir arbeiten doch seit Jahrzehnten zusammen und arbeiten auch den Kliniken zu", wundert sich Nemsow, dass mit den Fachleuten auf dem Gebiet der Notfallmedizin vor Ort niemals ernsthaft das Gespräch gesucht wurde. Doch das Haus sei systematisch abgebaut worden, wie zuvor sukzessive auch andere Häuser im Kliniken-Verbund, ergänzt Jokiel.
Kreistag als "Schuierer II"
"Krankenhausplanung ist Ländersache", erklärt Kalkum. Das zuständige Ministerium aber plane nicht. "Wir müssen feststellen: Die Nordoberpfalz ist München egal." Die Gesundheitsministerin sei aber dafür verantwortlich, dass es im Landkreis Tirschenreuth ein funktionierendes Gesundheitswesen gibt. Der KNO-Vorstand sei Angestellter des Aufsichtsrats und nicht umgekehrt. "Wenn Herr Hoffmann einen Plan macht, der nicht in Ordnung ist, dann müssen sie sagen: ‚Plan bitte neu, sonst müssen wir uns jemand anders suchen‘", so der Mediziner über die eigentliche Aufgabe der kommunalen Träger.
Jokiel erinnert an Wackersdorf und erklärt über die Mitglieder des Kreistags: "Sie hätten die Möglichkeit gehabt, Schuierer II zu werden, Widerstand zu leisten und zu sagen: Das lassen wir uns nicht gefallen." Doch die Folgen der Veränderungen seien den Entscheidern nicht bewusst. Nur drei Kreisräte unterschiedlicher Parteien, so Nemsow, hätten sich bei ihm nach dem Bekanntwerden der Pläne über deren Konsequenzen informiert.
Petition soll im April geschlossen werden
- 60.000 Menschen haben in den vergangenen Wochen ihre Unterschriften bei den beiden Petitionen "Verhindert die Schließung unserer Krankenhäuser" geleistet.
- Weitere Listen mit Unterschriften liegen noch in diversen Geschäften im Landkreis Tirschenreuth aus.
- Nach Ostern soll die Petition voraussichtlich geschlossen werden.





















Wie naiv muss ein Aufsichtsrat sein, wenn er glaubt, dass ein Oberender-Gewächs - wie Herr Hoffmann - primär die Interessen KNO verfolgen würde? Denn wohin die Reise mit Oberender geht, läßt sich landauf - landab dort besichtigen, wo nach erheblichen Investitionen Kliniken für einen Euro verrramscht wurden. So würde es mich nicht wundern, wenn der ins Gespräch gebrachte Klinikneubau in Weiden tatsächlich umgesetzt würde - und die "Mergers & Acquisitions-Spezialisten" aus dem Haus Oberender diesen Neubau für satte zwei Euro an einen Investor verscherbeln.
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