24.11.2021 - 14:26 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Pandemie belastet auch den "Bauverein zu Tirschenreuth"

Trotz hoher Mietausfälle kann der "Bauverein zu Tirschenreuth" eine erfolgreiche Jahresbilanz für 2019 und 2020 ziehen. In den Plänen stehen weiter hohe Ausgaben für die Sanierung des Bestands.

Vier Mitglieder wurden neu in den Aufsichtsrat des Bauvereins Tirschenreuth gewählt oder bestätigt. Sie gehören dem Gremium nun die kommenden drei Jahre an. Im Bild (von links) Bürgermeister Franz Stahl, Damian Weihrauch. Geschäftsführender Vorstand Gerhard Bauer, Kerstin Voith, Thomas Schwägerl und Aufsichtsratsvorsitzender Walter Schütze.
von Josef RosnerProfil

"Wir konnten die Geschäftsjahre 2019 und 2020 mit einem zufriedenstellenden Ergebnis erfolgreich abschließen", sagte geschäftsführender Vorstand Gerhard Bauer bei der 107. Generalversammlung des "Bauvereins zu Tirschenreuth" in der Gaststätte "Hoanfbartl". Die Versammlung fand unter Einhaltung der 2G-Regel statt. Neu in den Aufsichtsrat gewählt wurden Damian Weihrauch und Kerstin Voith, als Aufsichtsräte bestätigt wurden Walter Schütze und Thomas Schwägerl. Nicht mehr kandidiert hatten Anita Hecht, sie gehörte dem Gremium siebeneinhalb Jahre an, sowie Wolfgang Friedl, der der Genossenschaft zwölf Jahre im Vorstand und drei Jahre als Aufsichtsrat diente.

Geschäftsführender Vorstand Gerhard Bauer gab den Geschäftsbericht für die Jahre 2019 und 2020. Betrug der Bilanzgewinn vor zwei Jahren 74362 Euro, so stieg er in 2020 auf 86781 Euro. Das Eigenkapital des Bauvereins zum Jahresende 2020 lag bei 3,81 Millionen Euro. Leicht gestiegen ist im vergangenen Jahr die Zahl der Mitglieder auf jetzt 373 Personen, die 814 Anteile mit 431 420 Euro halten. Aufgrund der Pandemie waren im vergangenen Jahr nur zwei gemeinsame Sitzungen zwischen Vorstand und Aufsichtsrat möglich. Ein Jahr zuvor waren es noch vier Sitzungen.

Bauer erinnerte daran, dass 2019 die Mieten erhöht wurden. Erhöht wurden die Mieten für die 48 Altbauwohnungen um 2,5 bis 4 Prozent. Bei den 119 Neubauwohnungen betrug die Mieterhöhung zwischen 5 und 8 Prozent. "Günstig kamen die Mieter bei den Heizkosten weg, auch weil der Bauverein in den vergangenen beiden Jahren Heizöl günstig eingekauft hat." Der Gaspreis sei vertraglich noch bis zum 30. September 2023 festgeschrieben. Bauer weiter: "Wir können nur hoffen, dass sich der Heizöl- und Gaspreis wieder einigermaßen normalisiert".

20 000 Euro Mietausfälle

Als schwierig bezeichnete Bauer die Situation bei der Vermietung der Wohnungen, nicht zuletzt wegen der Pandemie. Viele Wohnungen müssen nach der Kündigung saniert werden, nicht zuletzt dadurch sei mit erhöhtem Leerstand zu rechnen. Die Mietausfälle im vergangenen Jahr betrugen fast 20 000 Euro, ein Jahr zuvor waren es knapp 8000 Euro. 2020 hatte der Bauverein 17 leerstehende Wohnungen, 2019 nur 9. Weiter gab es viele Wohnungs- und Garagenwechsel. „Die Zeiten sind anscheinend vorbei, wo die Mieterinnen und Mieter eingezogen sind und für lange Zeit im Bauverein wohnten“, bedauerte Bauer. Für Instandhaltungskosten gab der Bauverein im vergangenen Jahr 243 359 Euro aus, ein Jahr zuvor waren es 185 300 Euro. Für heuer will der Bauverein für Investitionen 210 000 Euro ausgeben. „Diese Summe wird voraussichtlich sogar überschritten“, sagte Bauer. Vorrang haben dabei die Sanierung von Wohnungen, während der Einbau von Gas-Zentralheizungen zurückgestellt werden müssen. Abschließend dankte Bauer allen Mitgliedern für ihre Treue zum Bauverein. Weiterer Dank galt den Handwerksfirmen, Hausmeister sowie allen aktiv Beteiligten.

Aufsichtsratsvorsitzender Walter Schütze berichtete von regelmäßigen Gesprächen mit dem Vorstand. Er habe sich von der Rechtmäßigkeit der Zahlen überzeugt. Nach seinen Worten gibt der Vorstandsbericht keinen Grund für eine Beanstandung. „Der Aufsichtsrat hat sich in regelmäßigen Treffen über den Geschäftsverlauf informiert“, sagte Schütze und bat die Mitglieder um Zustimmung des Jahresabschlusses, was auch einstimmig erfolgte.

Stadt braucht neue Wohnungen

Bürgermeister Franz Stahl dankte dem Bauverein für dessen wichtige Arbeit in schwierigen Zeiten und nannte die vorgestellten Zahlen respektabel. „Kompliment an den Bauverein, er ist für uns ein wichtiger Partner in der Wohnungswirtschaft und wichtiger Auftraggeber für die Wirtschaft“, lobte der Bürgermeister. Stahl wusste, dass der Wohnungsmarkt in Bewegung ist. Früher lebten vielmehr Menschen in einer Wohnung, als heute. Die Ansprüche an eine Wohnung seien gestiegen, dem gelte es Rechnung zu tragen.

Der Bürgermeister verwies auf die hohe Wohnqualität in der Altstadt, dagegen werde das Bauen im freien Feld immer schwieriger. Bürgermeister Franz Stahl wusste von einem Filetstück, dessen Fläche im Besitz des Bauvereins ist. „Also baut´s dort oder verkauft es der Stadt“, wünschte sich der Rathauschef. „Unsere Stadt hat viel Zuzug, wir brauchen neue Wohnungen.

„Tirschenreuth als Wirtschaftsstandort hat eine große Qualität“, sagte Stahl. Weiter verwies er auf die Investition einer neuen Betriebsansiedlung in der Kreisstadt – „da braucht es dringend neue Wohnungen“. Stahl nannte den Wohnungsmarkt eine der künftigen Herausforderungen. Holz als der ökologische Baustoff könne hier ganz besonders nachhaltig sein.

Bericht von der Bauvereins-Versammlung im vergangenen Jahr

Tirschenreuth

„Die Zeiten sind anscheinend vorbei, wo die Mieterinnen und Mieter eingezogen sind und für lange Zeit im Bauverein wohnten.“

Geschäftsführender Vorstand Gerhard Bauer

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.