20.01.2021 - 18:40 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Es passiert immer öfter: Hunde greifen Rehe an und töten sie

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Hunde jagen Rehe und töten sie. Einzelfälle? Nein. "Es kommt immer öfter vor", sagt Polizeioberkommissar Claus Kutschenreiter von der Tirschenreuther Inspektion. Innerhalb von 14 Tagen gab es im Landkreis Tirschenreuth drei solcher Fälle.

Rehwild hat es im Winter nicht leicht. Hinzu kommen jetzt auch noch einige Fälle im Landkreis Tirschenreuth, in denen Hunde Jagd auf das Wild machten.
von Armin Eger Kontakt Profil

Das jüngste Ereignis liegt nur wenige Tage zurück. Am Samstag gegen Mittag hatten ein Boxer und ein Schäferhundmischling in Friedenfels ein Reh verfolgt, es in einen Garten getrieben und dort getötet. "Nicht nur getötet", weiß Polizeioberkommissar Claus Kutschenreiter. "Sie haben das Tier zerlegt und halb gefressen. Prekär daran ist, dass fast noch ein kleines Kind da reingeraten wäre", berichtet der Beamte von der Tirschenreuther Polizeiinspektion. Als die Hunde sich im Garten über das Reh hermachten, wollte die Familie nämlich gerade das Anwesen verlassen. Aber zum Glück sei alles gut gegangen.

Anzeige und Geldstrafe

Der Boxer und der Schäferhundmischling ließen nach der Attacke von ihrer Beute ab und liefen anschließen davon. "Der Halter hat sich zu erkennen gegeben", sagt der Polizeioberkommissar. Der Mann habe sich reuig gezeigt, müsse aber mit einer Anzeige nach dem Jagdgesetz rechnen. Zudem sei es ein tierschutzrechtlicher Verstoß.

"Ich kann nur schätzen: Aber Minimum 400 Euro muss der Halter zahlen. Dazu noch etwa 500 Euro seitens des Landratsamtes", vermutet Kutschenreiter. Auch sei es möglich, dass der Halter seinen Hunden in der Öffentlichkeit einen Maulkorb anlegen und sie an der Leine führen muss.

Zwischenfall in Tirschenreuth

Ebenfalls am Wochenende kam es im Gebiet am Rothenbürger Weiher in Tirschenreuth zu einem Zwischenfall mit einem Hund. Dieser hatte ein Reh gejagt und in einen Zaun getrieben. "Kollegen mussten das Tier töten, da es schwer verletzt war", so Kutschenreiter. Die Polizeiinspektion Tirschenreuth ermittelt in dieser Sache und ist auf der Suche nach dem Halter des Hundes.

Ein weiterer Zwischenfall hatte vor zwei Wochen in Waldershof für Aufsehen gesorgt. Ein frei laufender Kangal-Hund (ein großer anatolischer Hirtenhund) hatte ein Reh zerfetzt. Die beiden Rehkitze, die im Mai oder Juni 2020 zur Welt gekommen waren, hatten ihre Mutter verloren.

"An sich wären sie schon in der Lage, sich selbst zu versorgen, aber dennoch sind sie noch auf ihre Mutter angewiesen. Sie haben keine Erfahrung und irren wahrscheinlich ziel- und orientierungslos umher. Es ist zu befürchten, dass sie den Winter nicht überleben", sagte damals Jäger Helmut Härtl, der zuständige Jagdpächter.

Für Polizeioberkommissar Kutschenreiter, der bei den Ereignissen in Waldershof selbst vor Ort war, ein Zeichen dafür, dass die Besitzer über ihre Hunde nicht Herr werden. "Der Hund dominiert die Familie, aber die Familie nicht den Hund."

Warum es vermehrt zu solchen Vorfällen kommt, hat für den Friedenfelser Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg "mit Statistik und Mathematik zu tun". Die Hundebesitzer hätten seit Beginn der Pandemie zugenommen, sagt der Vorsitzende des Landesjagdverbandes Bayern, Kreisgruppe Tirschenreuth, weil man dann einen Grund habe, rauszugehen. Die Verantwortung und die Kontrolle, dass nichts passiere, wenn der Hund nicht permanent an der Leine geführt werde, liege jedoch beim Hundehalter. "Aber der Hund stammt eben vom Wolf ab, und jeder Hund ist im Wesen ein Jagdhund", das sei die Gefahr, so der Baron.

„Nicht nur getötet. Sie haben das Tier zerlegt und halb gefressen. Prekär daran ist, dass fast noch ein kleines Kind da reingeraten wäre.“

Polizeioberkommissar Claus Kutschenreiter von der Polizeiinspektion Tirschenreuth

"Hund dafür nicht bestrafen"

Für den Halter müsse es eine Verwarnung geben und er müsse dafür sorgen, dass so etwas nicht mehr vorkomme, notfalls mit einem Leinenzwang für die beiden Tiere, beurteilt Freiherr von Gemmingen-Hornberg die Ereignisse vom Wochenende in seiner Heimatgemeinde. "Die Hunde können dafür nicht bestraft werden."

Um das Wild generell zu schützen, sollten die Wanderer oder Skifahrer auf den Wegen und auf den präparierten Loipen bleiben, wünscht sich der Baron. Nicht nur Hunde, sondern der Mensch allein sei ein Unruhefaktor für das Wild. "Die Tiere leiden durch den vielen Schnee. Ich kann nur appellieren, dass die Leute sich vernünftig verhalten."

Erst Anfang Januar zerfleischte ein Hund zwei Rehe

Waldershof

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