Tirschenreuth
15.02.2019 - 17:43 Uhr

Paten für Blumen

Die Idee hat mehrere schöne Seiten: Klatschmohn und Kornblumen am Ortseingang, Raum für Insekten und Platz für ein gutes Gewissen, etwas für den Artenschutz zu tun. Umsonst gibt es die Blumenwiese vor den Toren der Kreisstadt aber nicht.

Noch ist der Acker von Alexander Weigl vor der Kreisstadt eine wenig auffällige Fläche. Das soll anders werden. Der Landwirt will den Acker zur Blumenwiese umwandeln, auch mit Blick auf den Artenschutz. Doch hofft Weigl auf Flächen-Paten, die ihn bei seinem Ansinnen unterstützen. Bild: ws
Noch ist der Acker von Alexander Weigl vor der Kreisstadt eine wenig auffällige Fläche. Das soll anders werden. Der Landwirt will den Acker zur Blumenwiese umwandeln, auch mit Blick auf den Artenschutz. Doch hofft Weigl auf Flächen-Paten, die ihn bei seinem Ansinnen unterstützen.

Beim Volksbegehren für die Artenvielfalt hat Landwirt Alexander Weigl nicht unterschrieben, denn für den Betreiber des "Walerhofes" in Pilmersreuth an der Straße, haben die Bauern schon viele Lasten übernommen. Untätig bleiben will Weigl aber auch nicht.

Seine Idee: Eine Ackerfläche aus der Produktion nehmen und dafür eine Blumenwiese anlegen. Alleine kann der rührige Landwirt das Projekt aber nicht stemmen. Weigl will die Bürger mit ins Boot nehmen. Die könnten Flächen auf dem Acker als "Paten" übernehmen. Und damit auch zeigen, dass sie zu mehr bereit seien, als nur eine Unterschrift abzugeben, meint der Landwirt, der schon mit anderen Ideen eine Art Vorreiterrolle eingenommen hat.

Grundidee in Ordnung

Mit den Bemühungen um Artenschutz ist der Landwirt aus Pilmersreuth durchaus einverstanden. Dennoch hat Weigl seine Unterschrift verweigert, obwohl er mit der Grundidee kein Problem hat. Doch bei den konkreten Vorstellungen hängen die Lasten zu sehr an den Landwirten. Und die Bauern würden heute schon viele Leistungen für die Kulturlandschaft in Bayern erbringen. Extensive Bewirtschaftung, die Bepflanzung von Randstreifen an Gewässern oder etwa die Verwendung von Zwischenfrüchten nennt er als Beispiel.

"Bauern die Verlierer"

Dabei verschweigt Weigl auch nicht, dass viele dieser freiwilligen Maßnahmen erst durch das Kulturlandschaftsprogramm im Freistaat ermöglicht würden. Doch die Zahlungen würden den Bauern die Aufwendungen kaum ausgleichen. Denn eines ist für den Unternehmer Weigl auch in seiner Funktion als Landwirt unverrückbare Tatsache: Ökonomie und Ökologie gehören zusammen. "Sonst sind nur die Bauern die Verlierer, und das ist nicht gerechtfertigt!"

Doch ergreift Weigl auch gerne die Initiative. So war der Direkt-Vermarkter schon mit seiner Milch-Station an seinem Hof in Pilmersreuth mit bei den Vorreitern. Den Gedanken mit der Blumenwiese hat der Landwirt in den sozialen Medien aufgegriffen. Und Weigl will es nicht bei der Theorie belassen. Seine Ackerflächen vor der Kreisstadt kann er sich als buntes Eingangstor vorstellen. Mit einer speziellen Mischung, die in der optimalen Zusammensetzung aber einiges an Kosten verursacht. Deshalb macht der Landwirt das letztendliche Bild von der Blumenwiese auch von den Resonanz der Paten-Aktion abhängig.

Am Grundgedanken hält Weigl allerdings fest. Schon in diesem Jahr soll der Acker aus seiner bisherigen Nutzung herausgenommen werden. "Die Blumenwiese werde ich auf jeden Fall anlegen", bekräftigt Weigl seine Absicht für einen aktiven Beitrag zum Artenschutz. Allerdings werde mit einer nicht so aufwendigen Mischung begonnen, auch um Erfahrungen zu sammeln, nachdem die zurückliegenden Sommer immer wieder mit Zeiten anhaltender Trockenheit aufgewartet haben. Geplant ist, dass einmal aus dem Feld eine mehrjährige Blühfläche werden soll. Je nach dem Interesse der Paten könnte die Wiese auf einen Hektar anwachsen. Neben der Aussaat will sich der Landwirt natürlich auch um die Pflege der Fläche kümmern. Und mit Blick auf manche Ausgleichsflächen legt Weigl hier einen deutlich höheren Standard an.

Mehr Verständnis

Doch Weigl weiß auch um den schweren Stand der Landwirtschaft, die von mehr "bio" nicht profitieren kann. Die großen Händlerorganisationen würden hier die Preise bestimmen. Und bei den Erschwernissen für die Bauern kommt Weigl noch Mal auf das Volksbegehren zurück. Immer wieder müssten die Landwirte für Kritik herhalten. Mit der Aktion hofft Weigl auch auf mehr Verständnis für die Arbeit der Landwirte. "Vielleicht können wir ein paar Leute mitnehmen und ihnen zeigen, was wir eigentlich so machen", hofft Alexander Weigl.

Blickpunkt:

Für die Idee der Blumenwiese sucht Alexander Weigl „Paten“, die eine Realisierung mit forcieren. So will sich der Landwirt um die Ansaat der Fläche kümmern, auf der einmal Klatschmohn, Kornblumen, Schafgarbe, wilde Möhre oder Wiesenkümmel wachsen sollen. Je nach Beteiligung durch die Paten könnte die Größe der Blumenwiese bis zu einem Hektar ausfallen. Als Patenschaft hat der Landwirt einen Betrag von 50 Euro je 100 Quadratmeter im Sinn. Natürlich könnten die Paten den Anteil an der Blumenwiese selbst bestimmen. Interessenten können sich unter 0170 7839 466 bei Alexander Weigl melden.

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