09.11.2018 - 15:58 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

"Persil" frisch vom Baum

Der Supersommer hat in vielen Gärten auch eine wahre Flut an Rosskastanien hinterlassen. Um diese Früchte sinnvoll zu verwerten, gibt es einen besonderen Verwendungszweck. Kastanien enthalten nämlich Saponine.

Fachoberlehrerin Christiana Enslein hat extra für unseren Bericht Kastanien zerkleinert und angesetzt.
von Ulla Britta BaumerProfil

Waschen mit Rosskastanien - das geht! So steht es zumindest im Internet und das wissen auch passionierte Umweltschützer, die nicht auf chemische Mittel "stehen". Aber was sagt die Waschmaschine dazu und wird die Kleidung wirklich sauber? Solche Fragen sollten von fachlicher Seite beantwortet werden.

Zum Beispiel von Fachoberlehrerin Christiana Enslein an der Landwirtschaftsschule Tirschenreuth, Abteilung Hauswirtschaft. Dort unterrichtet sie das Fach "Haus- und Textilpflege", wobei die durchwegs erwachsenen Schülerinnen noch einiges über die Wäschepflege lernen. Denn Waschen ist eine Wissenschaft für sich. Es geht um Enzyme, Verkeimung, Bleichmittel, Kalk und Unmengen an konventionellen sowie alternativen Waschmittelangeboten auf dem Markt.

Nur für Buntwäsche

"Tatsächlich enthalten Rosskastanien ebenso wie indische Waschnüsse eine hohe Konzentration an Saponinen, also Seifen", bestätigt Christiana Enslein. Von einer Verwendung der Waschnüsse rät sie allerdings ab, auch wenn diese in den Bioläden erhältlich sind. Sie seien teuer und müssten extra von Indien hergeflogen werden, gibt Enslein den Umweltaspekt beim Import zu bedenken. Aber auch der Rosskastanie kann sie nur bedingt gute Noten geben. Mit Einschränkungen, etwa bei weichem Wasser, sei es durchaus möglich, die angesetzte Lauge von zerkleinerten Kastanien in die Waschmaschine zu geben. Weiße Wäsche sei aber aufgrund des fehlenden Bleichmittels nicht damit sauber zu bekommen. "Und auch Arbeitskleidung nicht", hat Christiana Enslein den Selbsttest mit verschmutzten "Blaumännern" gemacht. Sie würde das Naturprodukt nur bei Buntwäsche oder für weniger verschmutzte Handwäsche nehmen.

Beim Waschen mit Kastanien sei außerdem kein Faserschutz gewährleistet. Und es entstünde ein Biofilm in der Waschmaschine, informiert die Fachfrau. Das könnte zu einer vermehrten Verkeimung des Gerätes führen, was herkömmliche Waschmittel unterbinden würden. "Bitte nicht verwenden für Kleinkinderwäsche oder Wäsche von Risikogruppen wie alten oder immungeschwächten Menschen", bittet Enslein. Umweltschützern, die dennoch auf herkömmliche Waschmittel verzichten wollen, kann sie nur raten, sich im Handel umzusehen. Es gäbe längst gute Alternativen, auch beim Vermeiden von Kunststoffverpackungen.

Sparen am richtig Fleck

Christiana Enslein weist zudem darauf hin, dass Naturprodukte nicht automatisch in der Natur besser abbaubar oder umweltverträglicher seien, verwendet man sie in großen Mengen. "Einen Versuch wäre es wert", räumt sie der Rosskastanie dennoch eine Chance ein, sich als Waschmittel nützlich zu machen. Was aber die herkömmliche Methode nicht ersetze, betont die Hauswirtschafterin, dass Abbaubarkeit und Umweltverträglichkeit der konventionellen Waschmittel gesetzlich geregelt seien.

"In der Hauswirtschaftsschule wird zum ressourcenschonenden Waschen geraten", ist für die Fachfrau Sparen am richtigen Fleck immer die richtige Lösung. Getragene Kleidung öfter lüften, kleine Flecken punktuell auswaschen, Fleckenvorbehandlung mit alternativen Mitteln und das Waschmittel genau dosieren, sind nur einige Beispiele. Dann gehts auch ohne Rosskastanien.

Rezept:

Waschmittel aus Kastanien

Die Kastanien schälen und zerkleinern. Das geht zum Beispiel mit einem Häcksler oder man wickelt einige Kastanien in ein Tuch und zerkleinert sie mit einem Hammer. Möglich ist auch, Kastanienpulver herzustellen. Danach etwa drei Esslöffel Kastanien mit kochendem Wasser übergießen und 12 bis 24 Stunden in einem 250 Milliliter fassenden Glas stehen lassen. Den Sud abseihen und direkt ins Waschmittelfach geben.

Hintergrund:

Sechs Ladungen pro Woche

Dass es Grund genug zum Sparen und zum umweltfreundlichen Handeln gibt beim Waschen, beweisen Zahlen, die Christiana Enslein zur Hand hat: In deutschen Haushalten werden pro Jahr etwa 20 Millionen Tonnen Wäsche gewaschen, dafür werden drei Milliarden Euro ausgegeben. Ein Durchschnittshaushalt hat sechs Waschmaschinenladungen pro Woche. Je nach Alter der Maschine werden jeweils 50 bis 70 Liter Wasser verwendet, 0,3 bis 1,5 Kilowattstunden Strom und etwa 70 Gramm Waschmittel verbraucht. (Quelle: Kompetenzzentrum für Hauswirtschaft in Triesdorf). Wer mehr über ressourcenschonendes Waschen erfahren möchte, kann sich an das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (Telefon 09631/79880) wenden.

Einfach nur schön: Im Herbst beschenkt uns die Natur mit so manchem Kunstwerk, wie dieser besonders ausgefallenen Rosskastanie. Nur ist diese Kunst vergänglich und macht im eigenen Garten oftmals auch viel Arbeit.

Nach 24 Stunden Ansetzen der Lauge folgt der Test: Einmal kurz geschüttelt, wird die Seife in der Rosskastanienlauge frei und schäumt.

Mit einem Gartenhäcksler können die Rosskastanien problemlos zerkleinert werden. Allerdings wurden hier die Schalen nicht vorher entfernt. Waschmittel kann dennoch daraus gewonnen werden.

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