"Es gibt angenehmere Anlässe", sagte Grillmeier kurz vor dem Start des Protestzugs am Sonntag. Warm anziehen musste er sich nicht nur wegen der frostigen Temperaturen. Der Landrat marschierte mit anderen Kommunalpolitikern zwar mit in der Demonstration für den vollständigen Erhalt der Krankenhäuser Tirschenreuth und Kemnath, doch mochte er sich – selbst Mitglied im Aufsichtsrat – der pauschalen Kritik an den Kliniken Nordoberpfalz (KNO) nicht anschließen. Seine Bilanz nach der Demonstration mit rund 5000 Teilnehmern fällt entsprechend gemischt aus.
"Dies ist eine neue Dimension", äußert sich der Landrat, obwohl ihn die große Resonanz nicht völlig überrascht hat. "Aus den Diskussionen war mir klar, dass die Demo viele Menschen bewegt", antwortet Grillmeier schriftlich auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. "Gerade die Sorge um die Entwicklung auf dem Land – diese teilen wir ja auch als Landräte – zeigt, dass wir hier Prellbock für viele Themen sind, die von der großen Politik nicht gelöst werden."
"Angenehm ist das nicht"
Mit etlichen Bürgermeistern und Kreisräten reihte sich der Landrat hinter dem eigenen Transparent "Für eine hochwertige medizinische Versorgung im ländlichen Raum" ein, beim Abmarsch vor der Notaufnahme in einigem Abstand zu den Notärzten an der Spitze. Als Grillmeier schließlich auf der Bühne beim Landratsamt ans Rednerpult trat, gellten ihm Pfiffe und Zwischenrufe um die Ohren.
"Viel Unmut, den man vor Ort abbekommt, richtet sich allgemein gegen Entscheidungsträger in Bund und Land. Dass hier dann nicht unterschieden wird, muss man annehmen; angenehm ist das nicht", kommentiert er die Buh-Rufe. Diese zeigten die Sorgen der Menschen um die Krankenhausversorgung. Er habe in den letzten Wochen viel erklärt und durchaus Verständnis erhalten, "dass auch wir uns ähnliche Sorgen machen. Wir werden aber diese Entwicklungen als Landkreis nicht allein aufhalten".
"Hoffnung bald aufgegeben"
Der Landrat beklagt bei der Krankenhausfinanzierung wiederholt die Hängepartie zwischen Bund und Ländern. "Nach über drei Jahren Diskussion und Sorge um unsere Kliniken habe ich die Hoffnung bald aufgegeben. Deswegen waren ich und die Kommunalpolitik auch bereit, selbst mit auf die Straße zu gehen. Mir passen die Entwicklungen in der Krankenhausversorgung auch nicht, aber sollen wir deswegen alles hinwerfen?"
Seinen Kritikern hält Grillmeier entgegen: "Wenn man etwas fordert, muss man auch sagen, wie es gehen soll. Bisher konnte mir weder ein Politiker noch einer der Notärzte aufzeigen, wie es gehen soll und finanziert wird." Vergleichen könne man sich nur mit anderen ländlichen Regionen, und hier stünden die meisten Krankenhäuser vor demselben Dilemma. "Ich nehme hier jeden Vorschlag gerne an, aber dann bitte auch mit Umsetzungskonzept."
Wie geht es nun weiter? Die Gespräche mit den Ärzten über Ansätze, die Notfall- und Basisversorgung zu verbessern, gingen weiter. "Beim Thema Notfallambulanz gibt es ja bereits die Zusage, diese 24 Stunden zu ermöglichen", beruft sich der Landrat auf Gespräche mit den Kliniken, ohne weiter ins Detail zu gehen.
Versorgung "nur mit der KNO"
Bei der Demonstration am Sonntag wurden auch viele Autos mit NEW-Kennzeichen in der Kreisstadt gesichtet. Politische Vertreter aus dem Landkreis Neustadt/WN oder der Stadt Weiden haben sich dem Protestzug allerdings nicht angeschlossen, wie der Landrat bestätigt. Dennoch beschwört er die Zusammenarbeit mit den anderen Trägern der AG: "Letztendlich wird es nur mit der KNO gehen, die Versorgung sicherzustellen."
Einen weiteren Aspekt mit Seitenhieb auf den Freistaat bringt Grillmeier ein. Mit der Stadt Tirschenreuth prüfe der Landkreis, den Westflügel des Krankenhauses in Eigenregie zu sanieren, um mehr medizinische Versorgung zu ermöglichen. Zwar seien vor einigen Jahren die Intensivstation und Notaufnahme als bedarfsnotwendig angesehen und modernisiert worden, doch in den West- und Ostflügel habe man leider nicht investiert.
"Und deswegen stört mich hier auch die Haltung des Landes, das 80 Prozent investiert hat und jetzt feststellt im Sinne der Krankenhausplanung oder Nichtplanung, wir brauchen das nicht mehr." Deswegen wolle er auch, dass beim in der nächsten Woche geplanten Gespräch in München die Ärzte dabei sind, ihre Sorgen erklären und die Sicht von Gesundheitsministerin Judith Gerlach anhören.

















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