Als umweltbewusster Kunde ist der Konflikt bei jedem Einkauf fast schon vorgezeichnet: Kaufe ich die Bio-Bananen in der Plastikverpackung oder die herkömmlichen Banane, die stückweise angeboten wird? Müll vermeiden beim Einkauf ist zum "Must-have" geworden. Das fordert die Einzelhändler. Dort gilt oft noch das Motto "Der Kunde ist König", sein Wunsch will erfüllt sein.
Halka Hühn vom Café Rieß am Marktplatz in Tirschenreuth versteckt ihre Plastiktüten unter der Ladentheke. "Ich habe welche. Aber freiwillig gibt's die nicht", erklärt sie. Halka Hühn lobt aber hier ihre Kunden. Höchsten zwei Tüten pro Woche würden noch verlangt. "Und viele winken ab, wenn ich das Trennpapier zwischen die Tortenstücke legen will." Brot und Kuchen werden in Papier gewickelt, dem Kunden ist's recht.
Margret Schels von der Metzgerei gegenüber ist mittlerweile sogar zur energischen Verpackungsgegnerin geworden. Wurst darf in die mitgebrachte Tupper-Dose gepackt werden. Plastiktüten wegwerfen? Das kommt bei ihr nicht in die Tüte. "Solang die in Ordnung sind, werden sie mehrmals benutzt!" Bei ihr sei die Nachfrage aber praktisch auf null gesunken, sagt sie. "Bis auf die Unverbesserlichen. Die kommen jeden Tag, verlangen immer das Gleiche und wollen immer eine neue Plastiktüte."
Gegen Verpackungswahn
Auch der Bioladen "Frohnatur" von Roswitha Ullrich kämpft gegen den Verpackungswahn. Obwohl die Eierschachteln aus Pappe recht umweltfreundlich sind, gibt es im Bioladen sogar eine Mehrweg-Eierschachtel aus hochwertigem Kunststoff. Eher selten findet man Ein-Liter-Wein und Essig in Pfandflaschen. Im Bioladen gibt es das. Verkäuferin Andrea Altrock faltet einen luftigen Gemüse-Stoffbeutel auseinander, handlich ist er und für jede Handtasche geeignet. "Der ist ein Renner. Wir bestellen ständig welche nach", freut sie sich über das Kundeninteresse. Ansonsten hängen neben Obst und Gemüse kostenlose Papiertüten. Streng ist der Bioladen bei sinnloser Ressourcen-Verschwendung: Kaffeekapseln gab es hier nie. Und "Coffee to go" werde ganz eingestellt, sagen Sibylle Killinger und Andrea Altrock. Für Oliven, Käse, Tee, Gewürze und mehr stehen Pfandgläser auf der Theke. Im Biobereich sei der Handel sowieso mehr auf Müllvermeidung eingestellt, erklären die Frauen.
Der Großmarkt liefere Obst und Gemüse in sogenannten Stecco-Kisten. "Dafür zahlen wir Pfand, jede Kiste ist registriert." Kartons und Holzkisten dürften die Kunden mitnehmen, zur Wiederverwendung. "Die ersetzen oft den fehlenden Korb, da geht viel rein!" Wer "ohne" komme, habe zudem die Wahl zwischen Stoff- oder Jutebeuteln sowie recycelten Einkaufstaschen. Kartoffeln, Äpfel, eine Birne, eine Orange und Zwiebeln: Verkäuferin Doris Rögner aus dem Obst- und Gemüsehandel "Kern" in Mitterteich schlichtet alles in den Weidenkorb eines Kunden. "Bei uns kaufen alle mit eigenen Körben oder Taschen ein", berichtet sie und lacht: "Dazu haben wir sie erzogen." Gerhard Zeus ist der "lebende" Beweis. "Eine Tasche ist immer im Auto", betont der Stammkunde. "Wo ich Müll vermeiden kann, mache ich das." Doris Rögner hat zwar Plastiktüten. "Aber es verlangt kaum jemand mehr danach. Die kosten ja auch was." Müssen Obst oder Gemüse für den Transport geschützt werden, packt die Verkäuferin sie in große, braune Papiertüten. Wie zu Großmutters Zeiten.
Zeichen der Wertschätzung
Im Nonfood-Bereich Verpackungsmüll vermeiden ist schwerer. Kleidung wird in dicken Plastikverpackungen geliefert. Das sei anders nicht möglich, sagt Katrin Paschedag vom Modehaus Zeitler. Die Modehaus-Chefin hat aber im Verkauf komplett umgestellt. Ihre Kunden verlassen seit zwei Jahren das Modehaus nur mit stabilen, eleganten Papiertaschen. "Die kosten uns viel Geld. Aber es geht ja auch um die Wertschätzung den Kunden gegenüber", erklärt Paschedag. Langsam, aber immerhin erreicht das brisante Thema auch Großkonzerne. So bietet zum Beispiel ein Wiesauer Markt wie im Bioladen Mehrweg-Gemüsebeutel an. Und ein großer Discounter hat die Plastikverpackung bei Bio-Bananen mittlerweile durch eine Banderole ersetzt.



















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