Tirschenreuth
12.05.2023 - 11:49 Uhr

Polizei in Tirschenreuth sorgt sich um Senioren und Pedelec-Fahrer

Zwei Gruppen von Verkehrsteilnehmern sorgen bei der Tirschenreuther Polizei derzeit für besonders viel Stirnrunzeln. Die eine sind Pedelec-Fahrer ohne Helm und die zweite sind Senioren, deren Fahrtüchtigkeit eingeschränkt ist.

Unfälle mit Fahrrädern machen der Polizei Sorge. Die Tirschenreuther Inspektion appelliert an alle Fahrradfahrer, immer mit Helm zu fahren. Vor allem bei den Pedelecs könne ein Unfall sonst schnell schlimm enden, warnt die Polizei. Symbolbild: Andreas Rosar/dpa
Unfälle mit Fahrrädern machen der Polizei Sorge. Die Tirschenreuther Inspektion appelliert an alle Fahrradfahrer, immer mit Helm zu fahren. Vor allem bei den Pedelecs könne ein Unfall sonst schnell schlimm enden, warnt die Polizei.

766 Verkehrsunfälle hat die Tirschenreuther Polizei im vergangenen Jahr in ihrer Unfallstatistik erfasst. "Im Zehn-Jahres-Vergleich ist dies der zweitniedrigste Wert", freute sich Polizeihauptkommissar Andreas Sennert beim Sicherheitsgespräch. Was für den Beamten besonders wichtig ist: Es gab keinen Unfallschwerpunkt.

Sennert bedauerte, dass unter den Unfällen auch einer mit tödlichem Ausgang war. Es handelte sich dabei um einen Verkehrsunfall, bei dem eine vermutlich nicht angegurtete Beifahrerin auf der Staatsstraße 2167 bei Tirschenreuth kurz nach der Einmündung nach Wondreb aus dem Wagen geschleudert worden war. Der Fahrer des tschechischen Pkw war von der Straße abgekommen.

Unfallfluchten nehmen zu

Bei 68 Verkehrsunfällen gab es Personenschäden. Während die Zahl der Schwerverletzten gegenüber dem Jahr davor um 4 auf 16 zurückging, erhöhte sich die der Leichtverletzten leicht auf 61 Personen. Den Sachschaden bei diesen Unfällen schätzt die Polizei auf 1,03 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahr war dies ein leichtes Plus von 64 000 Euro. Bei 11 Unfällen waren Alkohol oder unerlaubte Drogen im Spiel (+4). Bei einem Zusammenstoß hat die Polizei bei einer Fahrerin den Einfluss unerlaubter Betäubungsmittel nachgewiesen.

Weiter angestiegen ist die Zahl der Unfallfluchten. Mit 105 angezeigten Fällen wurde die Vorjahreszahl noch einmal um 3 übertroffen. Die Aufklärungsquote war mit 38 Prozent geringfügig höher als im Vorjahr. Das gleiche Bild auch bei den Wildunfällen. 365 Unfälle sind eine Zunahme um 4 Unfälle. Meist ist es dabei Rehwild, das im Bereich der Tirschenreuther Inspektion unter die Räder kommt. Stark zurückgegangen ist die Zahl der Unfälle, bei denen überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit die Ursache war. Unter dieser Rubrik führt die Polizei 2022 nur 10 Zusammenstöße. Damit hat sich die Vorjahreszahl halbiert.

Zunehmend Sorge bereitet der Polizei die steigende Zahl der Senioren am Unfallgeschehen. Sie ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich auf nunmehr 7,2 Prozent angestiegen. An 55 Unfällen waren Senioren beteiligt. 37 Mal waren sie die laut Polizei die Hauptverursacher eines Crashs. Bei den Personenschäden war die Gruppe der ab 65-Jährigen mit 32,3 Prozent beteiligt. 22 Senioren wurden verletzt. "Diese Gruppe dürfen wir nicht aus den Augen verlieren", meinte Sennert. Ebenso wie die der Fahranfänger. Die 18- bis 24-Jährigen haben laut Sennert etwa die Hälfte aller Unfälle, an denen sie beteiligt waren, zumindest mit verursacht.

Sorgen macht sich die Polizei zudem wegen der Fahrradunfälle. Zwar ist die Zahl gegenüber dem Vorjahr um 3 auf 16 zurückgegangen, aber trotzdem gab es 3 schwer und 10 leicht verletzte Radler. Ausschlaggebend für die Zahl seien die erhöhte Nutzung des Fahrrads seit der Coronapandemie und die immer mehr werdenden Pedelecs. An 6 Unfällen seien Radfahrer mit Elektrounterstützung beteiligt gewesen. Ein Fahrer sei dabei schwer und fünf seien leicht verletzt worden. Vier davon hätten keinen Helm getragen. Zudem habe die Polizei zwei Pedelecs aus dem Verkehr gezogen, die technisch manipuliert worden seien. Bei diesen "frisierten" Rädern habe die elektrische Unterstützung nicht, wie vorgeschrieben, bei 25 km/h abgeschaltet, sondern erst bei etwa 40 beziehungsweise sogar knapp 50 "Sachen". Darauf seien diese Räder nicht ausgelegt. Außerdem habe es 8 Motorradunfälle mit 10 Verletzten gegeben.

Viele "Brummis" überladen

Erneut deutlich zugenommen hat die Zahl der mit dem Handlasermessgerät ermittelten Geschwindigkeitsübertretungen. Obwohl die Inspektion damit ebenso wie im Vorjahr 112 Stunden kontrolliert hat, gab es mit 116 beanstandeten Verkehrsteilnehmern hier ein deutliches Plus von 27. Einen Anstieg meldet die Polizei auch bei der Überladung von Schwerlastern. Sennert machte keinen Hehl daraus, dass es dabei vor allem um Holztransporter gehe. 61 Anzeigen wegen "teils erheblicher Überschreitung des zulässigen Gesamtgewichts" bedeuteten ein Plus von 14 Fällen. "Die höchste festgestellte Überladung lag bei 57 Tonnen, was eine Überschreitung der Gesamtmasse von 42 Prozent darstellt", so Sennert. Es habe Bußgeldbescheide von insgesamt 12 500 Euro gegeben.

Wieder abgenommen hat die Zahl der Fahrer, die von der Polizei mit "Promille" am Steuer erwischt wurden. Bei 24 kontrollierten Verkehrsteilnehmern (-11) lag der Wert zwischen 0,5 und 1,1 Promille. 17 mal standen Fahrer unter Drogeneinfluss (-1).

67 Anzeigen gab es wegen der verbotswidrigen Nutzung von Mobiltelefonen beim Autofahrern (-14) und 17 Beanstandungen wegen der Gurtpflicht (-9).

Hintergrund:

Zahlen aus der Verkehrsstatistik der Inspektion Tirschenreuth

  • Verkehrsunfälle: Im Jahr 2022 766. Das ist gegenüber 720 Verkehrsunfällen im Jahr 2021 ein kleiner Anstieg. Die meisten Unfälle gab es in den vergangenen zehn Jahren 2019 mit 937 Unfällen, die wenigsten im Coronajahr 2021 mit 720 Zusammenstößen.
  • Unfälle mit Personenschaden: 68. Das ist eine der niedrigsten Zahlen der vergangenen zehn Jahren. Die meisten gab es 2019 mit 107 Unfällen mit Personenschaden, die wenigsten 2020 mit 60 Unfällen mit Personenschaden.
  • Unfallursache Geschwindigkeit: mit 10 erfassten Unfällen mit Abstand die niedrigste Zahl der vergangenen 10 Jahre. Die meisten gab es 2014 mit 29 Unfällen.
  • Alkoholunfälle: 11 Unfälle mit "Promille" sind die höchste Zahl der vergangenen Jahre. 2021 hatte es "nur" 7 gegeben, 2020 waren es 10.
  • Wildunfälle: Die Zahl ist im Vergleich mit anderen Inspektionen in Bayern mit 365 Unfällen weiter sehr hoch. Im Schnitt gab es jeden Tag einen Wildunfall bei der Inspektion.
  • Unfallfluchten: Mit 105 gemeldeten Fällen gab es gegenüber 2021 einen Anstieg um 20 Fälle. Die Zahl ist identisch mit der des Jahres 2013. Auch die Aufklärungsquote war in beiden Jahren mit 38 Prozent gleich.
 
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