14.07.2019 - 13:05 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Regionalpreis für Architektur in Niederbayern und der Oberpfalz

Zum fünften Mal verlieh der Bund Deutscher Architekten (BDA) den Regionalpreis Niederbayern Oberpfalz (Regino). Die Einreichungen sind im Rahmen einer Wanderasusstellung derzeit im Tirschenreuther Museumsquartier (MQ) zu sehen.

Die Arbeiten aus der Oberpfalz und Niederbayern beim Regionalpreis 2018 sind im Rahmen einer Wanderaustellung im Tirschenreuther Museumsquartier zu sehen.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Zwei Prämierungen gingen in den Landkreis Tirschenreuth. Für den Ausbau eines Wohnhauses in einer historischen Scheune in Kemnath wurde Karlheinz Beer ausgezeichnet. Die Jury meinte dazu unter anderem: „Der Ausbau eines Wohnhauses in einer historischen Scheune aus dem 19. Jahrhundert in Kemnath ist eine vorbildliche Umnutzung, die beispielhaft werden könnte.“

Mit einer Anerkennung für die Revitalisierung der Burg Falkenberg wurde das Büro Brückner & Brückner gewürdigt. „Wer vom neuen Tagungszentrum hinauf zur Burg blickt, kann nur staunen, wie selbstverständlich es hier gelungen ist, ein bauliches Ensemble aus dem Neubau und dem teils über tausendjährigen Bestand zu bilden“, so ein Auszug aus der Jurywertung. Die Preisverleihung war am 19. Oktober vergangenen Jahres im Landshuter Marstall. Dieser Architekturpreis wird alle drei Jahre an Architekten und Bauherren gemeinsam vergeben.

Er ist eine Auszeichnung für bemerkenswerte zeitgenössische Architektur und guten Städtebau in der Region. Die Ausstellung im MQ eröffneten der Vizepräsident der Architektenkammer und Preisträger Karlheinz Beer, der Vorsitzende des BDA Niederbayern/Oberpfalz, Jakob Oberpriller, mit Bürgermeister Franz Stahl und Peter Brückner.

56 Arbeiten

Letzterer erklärte, dass für den Wettbewerb 56 Arbeiten eingereicht worden waren, 27 aus der Oberpfalz und 29 aus Niederbayern. Die Tafeln, auf denen die Projekte beschrieben und bebildert sind, nehmen den gesamten Alois-Hörmann-Saal und den Pädagogikraum ein. Die Wanderausstellung war bereits in Landshut, Amberg, Regensburg, Pocking, Neumarkt, Rottal am Inn und Straubing zu sehen. Nach Tirschenreuth geht sie nach Neustadt/WN.

"Für uns Architekten ist es stets wichtig, Baukultur in die breite Öffentlichkeit zu tragen", sagte Brückner. Die Präsentation zeige, dass gute Architektur nicht nur in Großstädten stattfinde. Brückner kehrte nach dem Studium vor 30 Jahren nach Tirschenreuth zurück und ist davon überzeugt. Gerade hier gebe es die Bauherren, die einem Möglichkeiten für kreative Umsetzungen böten, um gemeinsam Dinge neu denken zu können.

Auch bei vielen Politikern stoße man hier auf offene Ohren. Diese mutigen Politiker seien hier ab und an zu finden. Was alle Arbeiten verbinde, sei das Streben nach Qualität - ein entscheidendes Kriterium für den Erfolg. Die Städtebauförderung lobte der Architekt als eine Genehmigungsbehörde, die definitiv dafür sorge, dass aus vorhandenen Defiziten riesige Potenziale entstünden. Franz Stahl sei einer dieser mutigen Politiker, die es brauche, um weiterzukommen.

Initialzündung

Dieser erklärte, wie sich Tirschenreuth vor 18 Jahren aufgemacht und zusammen mit Experten ein handfestes Entwicklungskonzept ausgearbeitet hat. Dies sei der Startschuss für einen umfassenden Umbau gewesen. Stadtgestaltung sei für ihn längst zum Hobby geworden "und Peter Brückner ist mir ein guter Lehrmeister gewesen", sagte der Sprecher. Dabei seien Stadtentwicklung und Planung keine 100-Meter-Läufe, sondern Marathons.

Stahl erinnerte, dass Tirschenreuth in den vergangenen Jahren rund 130 Millionen Euro in die Infrastruktur investiert habe - "ohne Neuverschuldung", wie er stolz betonte. Initialzündung sei die Marktplatzneugestaltung gewesen, eng verknüpft mit der Vergabe der Gartenschau 2013. Per Entscheid hätten die Bürger die notwendigen Maßnahmen mitgetragen. Tirschenreuth sei aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Viele Projekte trügen die Handschrift von Brückner & Brückner, wie das Feuerwehrgerätehaus oder die Fronveste. Aber auch der andere Preisträger Karlheinz Beer habe mit der neuen Polizeiinspektion seine professionelle Visitenkarte in Tirschenreuth hinterlassen.

Jakob Oberpriller erklärte, dass zum Wettbewerb realisierte städtebauliche Planungen, Bauwerke und Innenausbauten, die seit Januar 2013 innerhalb der beiden Regierungsbezirke fertiggestellt worden waren, eingereicht werden konnten. Der Sprecher lobte das qualitativ hohe Niveau der Beiträge. Besonders interessant seien die Beispiele, bei denen mit historischem Erbe in Umgebung oder Bausubstanz sensibel umgegangen wurde. Vor allem das habe die hochkarätige, international besetzte Jury beeindruckt, als sie am 25. und 26. Juni vergangenen Jahres ihre Entscheidungen traf.

Regionale Identität

Regionale Hauslandschaften entstünden, wenn mit örtlich verfügbaren Materialien gearbeitet werde, auf Topographie und klimatische Gegebenheiten sowie entsprechende Handwerkstechniken Rücksicht genommen werde. Damit ließe sich regionale Identität schaffen. Was das betreffe, habe sich die Welt sehr stark gewandelt. "Heute haben wir eine nahezu unbegrenzte Mobilität, Informationsüberfluss und sind so reich wie nie. Es klingt paradox, aber gerade in dieser Zeit ist es umso schwieriger, Qualität in der Baukultur zu schaffen. Und noch schwieriger ist es, regionale Identität zu schaffen, die aber als Gegenpol zur Globalisierung umso wichtiger ist." Man habe alle Möglichkeiten der Technik, sie sei für jeden verfügbar, im Baumarkt seien alle Materialien vorrätig, und viele glaubten auch, dass man mit Technik Topographie und Klima außer Kraft setzen könne.

Qualität entstehe nicht durch die Ausschöpfung aller verfügbaren Möglichkeiten, sondern aus der bewussten Beschränkung sinnvoller Auswahl. Dabei wolle der BDA mit vielfältigen Initiativen Hilfestellung bieten, und dafür sei Tirschenreuth ein super Beispiel.

Bürgermeister Franz Stahl, die Preisträger Peter Brückner und Karlheinz Beer (Vizepräsident der Architektenkammer) und BDA-Vorsitzender Jakob Oberpriller, von links.
Im Pädagogikraum sind die Arbeiten aus Niederbayern präsentiert.
Information:

Die Ausstellung, "Auszeichnung qualitätsvoller Architektur - Regionalpreis Niederbayern Oberpfalz 2018" ist noch bis zum 28. Juli im Museumsquartier zu sehen. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.