12.06.2019 - 15:57 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Reise durch die Menschlichkeit

Phela nimmt ihr Leben mit auf die Bühne. Mit ihren sehr persönlichen Liedern erobert sie die Herzen der Zuhörer.

Phela kann ihr Publikum verzaubern.
von Ulla Britta BaumerProfil

Einen zauberhaften Nachmittag erlebten ein paar Hundert Zuhörer beim „cooltour-Sommer“ beim Montagnachmittagskonzert mit „Phela und Band“. Die 28-jährige Singer-/Songwriterin, aufgewachsen in Gumpen bei Falkenberg, singt über ihren Vater und über die Familie, arbeitet die unerfüllten Liebesgeschichten in ihren Songs auf, macht sich in ihren Texten Sorgen um einen kranken Freund, rockt mit ihrer Geige beinahe wütend einen „Verräter“ in Grund und Boden.

Und sie besingt, seit sie selbst Mutter ist, den Anspruch, als „Mama“ immer perfekt sein zu wollen. Das macht die Ausnahmesängerin sympathisch, gibt ihrem Publikum das Gefühl, mitgenommen zu werden auf die Reise durch die Menschlichkeit. Am Pfingstmontag ist Phela selbst verblüfft. Sie hat nicht damit gerechnet, dass zu ihrem Konzert auf der Seebühne derart viele Leute kommen würden. Die Überraschung ist auch Vinzenz Rahn ins Gesicht geschrieben, der Phela als eines der Highlights des „cooltour-Sommers“ ankündigt. Es sei ein Versuch gewesen, und man sehe, es sei gelungen, sagt Rahn. Mehr als gelungen, hätte er sagen müssen.

„Phela und Band“ schaffen es, geschätzte 400 Zuhörer in ihren Bann zu ziehen. Von überall her wird ihr zugehört, was den Charme dieser Veranstaltungsreihe ausmacht, die alle zwei Jahre stattfindet. Auf der Zuschauertribüne ist kein Platz mehr frei, die besten Schauplätze auf der Max-Gleißner-Brücke sind komplett besetzt, von den Tischgarnituren der Seenario-Terrasse sind die dortigen Gäste aufgestanden, um übers Geländer rüber zur Seebühne zu schauen. Phela gibt zurück, was ihr das Publikum schenkt: Die gegenseitige Aufmerksamkeit, eine feinfühlige Achtung zwischen Zuhörer und Künstlerin ist geradezu spürbar. Die junge Sängerin mit dem ehrlichen Potenzial, einmal ein großer Star zu werden, versetzt den sonnigen Montagnachmittag in eine zärtliche Melancholie, die gut tut.

Sie kann aber ebenso mit an Rockmusik angelehnten Songs ausgelassen Stimmung verbreiten. Zwei Stunden sind schnell vorbei, die Leute schwitzen von der Sonne, die auf die Köpfe brennt, und Phela auch. In diesen kurzweiligen, zwei Stunden stellt sie ihre neue CD „Wegweiser“ vor, singt ihre Best-Offs aus dem ersten Album „Alles auf Anfang“, erzählt von ihrer Blockade, bis die neuen Lieder reif gewesen seien und davon, dass ihr elf Monate altes Töchterlein erstmals heute beim Vater geblieben sei. Dass habe sie nervös gemacht.

Der Abstand zwischen ihrem Publikum und der Bühne gefällt ihr nicht. Immer wieder lockt sie ihre Zuhörer nach vorn, bis sich einige junge Leute ans Seeufer setzen und die Beine im Wasser baumeln lassen. Ihr letztes Lied, unplugged mitten im Publikum, ist leider zu leise für das große Freigelände. Der Applaus dagegen verhallt lautstark und dankbar über dem See. Phela hat dem „cooltour-Sommer“ eine Art von Avantgarde verliehen, ihre Musik ist unnachahmlich schön.

Was Phela in ihren Liedtexten zu sagen hat, berührt das Publikum.
Mitten im Publikum, unplugged und barfuß: So würde Phela gern ganze Konzerte bestreiten.
Durch und durch ein begeistertes Publikum: rechts vom Steg sind die Zuhörer ebenso begeistert...
...wie auf der linken Seite, wo sich einige junge Leute sogar freiwillig nasse Füße geholt haben.
Phela begeistert beim Konzert in Tirschenreuth.
Phela begeistert beim Konzert in Tirschenreuth.
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