25.05.2020 - 18:32 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Rotes Kreuz und Bundeswehr zur Corona-Eindämmung in Tirschenreuth

Ganz Deutschland schaut auf den Landkreis Tirschenreuth. Hier wütete das Coronavirus schlimmer als im Rest der Republik. Dass man daraus auch für die Zukunft lernen könne, erklärte eine hochkarätige Riege des Roten Kreuzes.

Eintrag ins Goldene Buch unter Coronabedingungen mit Sicherheitsabstand: Landrat Roland Grillmeier, Bundeswehr-Generalarzt Dr. Bruno Most, BRK-Präsident Theo Zellner und BRK_Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk (stehend von links) sowie Bürgermeister und BRK-Kreisvorsitzender Franz Stahl und DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt (sitzend von links).
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Zur Pressekonferenz waren am Montag die DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt, der BRK-Präsident Theo Zellner und BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk sowie der Bundeswehr-Generalarzt Dr. Bruno Most angereist. Von Landkreisseite waren Landrat Roland Grillmeier sowie BRK-Kreisvorsitzender und Bürgermeister Franz Stahl in der großen Garage im Rot-Kreuz-Zentrum an der Egerstraße dabei. Hier war genug Platz um den nötigen Sicherheitsabstand zu gewährleisten.

Sicherheitsstandards ernst nehmen

Franz Stahl sagte, dass die hohen Infektionszahlen am Anfang durch die Maßnahmen der Regierung schnell eingedämmt werden konnten. Aber er betonte auch: "Wir sind noch nicht über dem Berg." Er appelliert an alle gerade jetzt, in Zeiten der Lockerungen, Sicherheitsstandards und Abstandsregelungen ernst zu nehmen.

Gut mit Situation umgegangen

BRK-Kreisgeschäftsführer Holger Schedl lobte besonders zwei beispielgebende Projekte, bei denen BRK-Helfer in Erbendorf und Mitterteich Tafeln unterstützt und Einkäufe für Senioren erledigt hätten. Gerda Hasselfeldt betonte, dass die Menschen und die Verantwortlichen des stark betroffene Landkreises gut mit der Situation umgegangen seien. Den Tirschenreuther Kreisverband habe sie als sehr aktiven und innovativen kennengelernt, "ein Vorzeigekreisverband." Einen, der in der Region ein großes mittelständisches Unternehmen mit sehr komplizierter Ausrichtung repräsentiere. Schon in normalen Zeiten sei das eine Riesenherausforderung.

Die Bundeswehr ist zur Stelle, wenn die Kräfte des Ehrenamtes erschöpft sind.

Generalarzt Dr. Bruno Most

Generalarzt Dr. Bruno Most

Der Bundeswehr dankte die Präsidentin für die Unterstützung in Tirschenreuth. Daran sei zu sehen, dass die Bundeswehr ein wesentlicher Teil der Gesellschaft, ein unverzichtbarer Partner sei. Auch sie warnte, "wir sind noch längst nicht über dem Berg" und setzt auf die Vernunft der Menschen. Aus der schwierigen Situation könne man aber auch lernen, wie man noch effektiver zusammenarbeiten könne. Zum Beispiel bei der Beschaffung von Schutzausrüstung und bei der Bevorratung. Auch müsse künftig die Produktion von Schutzausrüstung und Medikamenten wieder in Europa stattfinden. Man müsse sich auf diesem Feld viel stärker unabhängig von Asien machen. Außerdem war die Präsidentin für die Verbesserung der Infrastruktur im Gesundheitswesen. Sie hofft, dass die Anerkennung aus der Bevölkerung und der Politik in der jetzigen Zeit gegenüber dem ehrenamtlichen Engagement und den Pflegekräfte keine Eintagsfliege darstelle. Dabei ginge es nicht nur ums Geld, sondern auch um die Arbeitsbedingungen.

Zentrum der Fortentwicklung

Theo Zellner sagte, dass in Tirschenreuth zu erkennen sei, wie Deutschland denn in dieser Krise stünde. Der Landkreis sei quasi das Zentrum für die Fortentwicklung des Roten Kreuzes, wenn es zum Beispiel um die Zusammenarbeit mit Tschechien gehe. Die Arbeit der Helfer werde immer als selbstverständlich hingestellt und Selbstverständlichkeit sei auch stets der Feind der Wertschätzung, kritisierte der Sprecher.

Dr. Bruno Most stellte heraus, dass die Bundeswehr an der Seite des Landes stehe und helfe, wo sie könne. Er erinnerte daran, dass deutsche Hilfsorganisationen in Deutschland schon längst der Schulterschluss mit dem Sanitätsdienst der Bundeswehr gelungen sei. Es sei eine Selbstverständlichkeit hier zu helfen, sagte der Generalarzt. "Die Bundeswehr ist zur Stelle, wenn die Kräfte des Ehrenamtes erschöpft sind."

Funktionierendes Hilfsnetzwerk

Landrat Roland Grillmeier teilte mit, dass der Landkreis derzeit weniger als 50 infizierte Personen aufweise. Dass man vom Hotspot auf ein einigermaßen "normales" Niveau gekommen sei, schrieb er einem hervorragend funktionierenden Hilfsnetzwerk zu.

Alles auf Sicherheitsabstand.
Information:

Leistungsstarker Kreisverband

Rund 530 haupt- und 1600 ehrenamtliche Mitarbeiter sind im BRK-Kreisverband aktuell tätig. Es gibt sechs Rettungsdienststandorte, in Erbendorf, Kemnath, Mitterteich und Tirschenreuth sowie Stellplätze in Griesbach und Waldsassen. Der Kreisverband betreibt vier Seniorenheime, zwei in Tirschenreuth und je eines in Kemnath und Plößberg. Es gibt vier ambulante Pflegeteams, zwei im Stiftland und je eines im Kemnather Land und im Steinwald (Kösseine). Solitäre Tagespflege existiert in Kemnath und in allen Seniorenzentren. Die Kreisgeschäftsstelle zeichnet verantwortlich für Buchhaltung, Personalverwaltung, Ausbildung, Servicestelle Ehrenamt, Hausnotruf, Essen auf Rädern, Betreuungsverein und den Fahrdienst. Zwei Servicestellen "Leben Plus" in Kemnath und Tirschenreuth machen vor allem Senioren das Leben leichter. Weitere ehrenamtlich getragene Strukturen sind drei Standorte der Wasserrettung in Kemnath, Tirschenreuth und Waldsassen, zwei Bergrettungswachen, 17 Helfer vor Ort Standorte, drei Unterstützungsgruppen Rettungsdienst, fünf Fahrzeuge für den Sonderbedarf, zahlreiche Katastrophenschutzeinheiten, 14 Bereitschaften, zwei Bergwachtbereitschaften, elf Jugendgruppen, zwölf Wasserwachts-Ortsgruppen und diverse Angebote der Wohlfahrts und Sozialarbeit.

DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt.
Bundeswehr-Generalarzt Dr. Bruno Most
BRK-Präsident Theo Zellner.
BRK-Kreisgeschäftsführer Holger Schedl.
Landrat Roland Grillmeier.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.