07.08.2020 - 14:58 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Scanner tastet Fendt für Landwirtschafts-Simulator ab

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Wie kommt eigentlich ein Fendt "820 Vario TMS" in das Computerspiel Landwirtschafts-Simulator? In Hohenwald bei Tirschenreuth findet sich die Lösung.

Am Montag dreht sich auf dem Hof von Johann Schmid in Hohenwald alles um ihn: Jan-Hendrik Pfitzner (rechts) und Niklas Schumacher von "Giants Software" scannen und fotografieren Schmids Fendt Vario 820 TMS. Der Bulldog soll später einmal möglichst detailgetreu durch das Computerspiel Landwirtschafts-Simulator rollen.
von Werner Schirmer Kontakt Profil

In der Maschinenhalle auf dem Hof von Johann Schmid drehte sich Anfang der Woche alles um den mächtigen Ackerschlepper aus dem Hause Fendt. Der neun Jahre alte "820 Vario TMS" ist nicht der neueste Hit des Herstellers, doch steht er in der Gunst der Mitarbeiter der Firma "Giants Software" aus Erlangen immer noch hoch im Kurs. Das gute Stück soll nämlich einmal das Maschinensortiment in dem Computerspiel Landwirtschafts-Simulator ergänzen. Und da will der Entwickler der Software keine halbe Sachen machen.

Möglichst detailgetreu soll der Traktor einmal über den Bildschirm ackern. Bis in die kleinste Ecke soll das virtuelle Arbeitsgerät seinem echten Vorbild gleichen. Die Fans des Spiels kennen da kein Pardon, achten auf jede Kleinigkeit, wenn sie am Steuer hinter den Maschinen sitzen und ihren imaginären Bauernhof bewirtschaften. Stimmt ein Detail nicht, bricht ein Sturm der Entrüstung los.

Oft fehlen Originaldaten

Damit das mit dem "Fendt 820 Vario TMS" nicht passiert, sind Jan-Hendrik Pfitzner und Niklas Schumacher von "Giants Software" am Montag nach Hohenwald gereist. Dort nämlich steht ihr Objekt der Begierde. Und zwar in "live". Denn nicht immer können die Computerspezialisten ihre Spiele-Gerätschaften aus den Angaben der Hersteller "basteln". Pfitzner, der im Maschinenbaustudium schon Fan des Landwirtschafts-Simulators geworden ist, weiß um die Kurzlebigkeit der Daten der Hersteller. Schon nach wenigen Jahren würden die "Blaupausen" der nicht mehr hergestellten Geräte nicht mehr verfügbar sein. Und CAD-Daten der älteren Modelle sind ebenfalls nicht vorhanden. Dabei seien die Hersteller durchaus kooperativ, damit ihre Fahrzeuge durch den virtuellen Bauernhof rollen.

Fehlen Pläne und Daten, geht "Giants Software" dann selbst ans Werk. Im Falle "Fendt Vario" wurden die Spielespezialisten auf das Fahrzeug auf dem Hof von Johann Schmid durch eine Kleinanzeige aufmerksam. Durch das Inserat sollte der Traktor, den Schmid erst vor kurzem erworben hat, wieder veräußert werden. Dem Wunsch der Spezialisten, den Schlepper quasi auf die Computerbühne zu stellen, wollte Schmid durchaus entsprechen. Um die Aktion zu ermöglichen, wurde von Schmid zunächst die Verkaufsanzeige gestoppt.

Und damit bekamen die Software-Leute aus Erlangen einen gehörigen Schrecken. Hatten sie doch befürchtet, dass der Vario zwischenzeitlich verkauft war, und sie erneut auf die Suche gehen mussten. Doch der Besitzer wollte nur sicherstellen, dass das Fahrzeug für das "Foto-Shooting" noch auf dem Hof steht.

Jochen Schmid hat den Fendt in die Maschinenhalle gefahren, damit die Experten von "Giants Software" die Maße des Traktors aufnehmen können.

Kugeln als Referenzpunkte

Der Termin freilich geht ohne das quirlige Drumherum über die Bühne. Jan-Hendrik Pfitzner und Niklas Schumacher gehen eher mit großer Sorgfalt zu Werke. Der 360-Grad-Scanner soll, an mehreren Positionen aufgestellt, schließlich keinen Quadratzentimeter der Bulldog-Oberfläche auslassen. Auf dem Fahrzeug verteilt sind weiße Kugeln angebracht, die als Referenzpunkte garantieren, dass beim späteren Computer-Bulldog auch die Dimensionen stimmen. Schließlich sollen die Fahrzeugteile im richtigen Verhältnis zueinander stehen. Was die Scanner nicht abtasten, etwa den Innenraum des Fahrzeuges, wird mit der Kameraoptik festgehalten, denn auch hier muss der Computer-Landwirt einmal den echten Vario wiedererkennen. Gut einen Tag durchleuchten die Computer-Fachleute den Fendt aus allen Perspektiven. Dann ist ihre Aufgabe erledigt.

Material für Programmierer

Bis der Vario über die Bildschirme der Gamer rollt, wird aber noch Zeit vergehen. Die umfassenden Daten sind zunächst Arbeitsmaterial für die "Artists", die daraus den Spiele-Fendt bauen werden. Danach werden die Programmierer dafür sorgen, dass das Fahrzeug mit entsprechendem Sound auch in Bewegung zu versetzen ist. Einige Monate werden bestimmt noch vergehen, bis der "Vario" von Johann Schmid auch den vielen Tausenden Fans des Landwirtschafts-Simulators Spaß machen wird.

Ob er dann noch auf dem Hof in Hohenwald steht, ist ungewiss. Denn eigentlich will Johann Schmid den Traktor verkaufen, doch bei all der Aufmerksamkeit hat er den grünen Traktor schon etwas ins Herz geschlossen. Überhaupt hat Schmid ein Faible für die landwirtschaftlichen Fahrzeuge. Alle zwei Jahre ist Hohenwald der Schauplatz eines großen Treffens der Traktor-Oldies. Im Juli kommenden Jahres soll es wieder soweit sein. Mit seinen neun Jahren ist der Vario freilich kein echter Kandidat für die Oldtimer-Schau. Dafür ist ihm der Auftritt auf einer weltweiten Bühne sicher.

Bericht vom Traktortreffen im vergangenen Jahr

Hohenwald bei Tirschenreuth
Hintergrund:

Was ist der Landwirtschafts-Simulator?

Beim Landwirtschafts-Simulator können die Spieler die Farm ihrer Träume bauen, Pflanzenbau betreiben oder Kühe und Schafe züchten. Der "Farming Simulator" bietet dabei die Kontrolle über Fahrzeuge und Maschinen führender Hersteller, für die das originalgetreu nachgebaut wurden. Über 300 Fahrzeuge und Werkzeuge kann der Spieler nutzen, um aus drei Ausgangssituationen die Farm seiner Träume zu entwickeln. Rund 30 000 Spieler greifen täglich auf den Landwirtschafts-Simulator zu.

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