20.11.2018 - 14:50 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Schneider bleibt bei seinen Messern

Stechbeitel und Holz aus dem Pfaffenhütchen sind Robert Schneiders beste Freunde. Aus dem harten Holz schnitzt er Krippenfiguren. Je kleiner sie sind, desto feiner sind sie ausgearbeitet. Auch mit 90 denkt der Schnitzer nicht ans Aufhören.

Diese orientalische Krippe ziert heuer an Weihnachten das Wohnzimmer der Schneiders.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Ich nahm einfach ein Stück Holz und begann mit dem Schnitzen.

Krippenschnitzer Robert Schneider

Im Oktober feierte Robert Schneider seinen 90. Geburtstag. Der rüstige Senior sieht aus wie 70 und ist immer noch aktiver und begeisterter Krippenschnitzer. Seine Figuren sind begehrt, ist er doch einer, der ihnen vor allem durch lebendige Gesichter Leben einhaucht. Dabei betreibt er dieses Hobby erst seit 18 Jahren. Vorher hat er gerne Aquarelle gemalt. Landschaften und Blumen waren seine Lieblingsmotive. Außerdem hat er einige Zeit großflächige Kupferbilder gefertigt. "Eine Zeitlang war diese Art von Gebrauchskunst sehr gefragt", erinnert sich Schneider, der damals Kunden bis aus Frankfurt am Main auf seiner Liste hatte. Bis einschließlich seines 69. Lebensjahres leitete er die eigene Blechwarenfirma in Tirschenreuth, die er als junger Mann vom Vater übernommen hatte. Mit 14 Jahren begann er dort zu arbeiten. Seine eigenen Kinder Ina und Martin gingen andere Wege, so dass die Firma nach dem Ausscheiden des Chefs in andere Hände ging und auch örtlich umgezogen ist.

Zum Krippenschnitzen kam Robert Schneider eher durch Zufall. Die Familie Schneider ist eine von denen, die eine traditionelle Tirschenreuther Landschaftskrippe zu Hause hat. Lange Zeit standen an Weihnachten nur die wichtigsten Figuren daraus unter dem heimischen Christbaum. Bis eines Tages Ehefrau Christl die Idee hatte: "Wir könnten doch eigentlich unsere Hauskrippe, die ,Finsterbeckkrippe' wieder aufstellen." Gesagt getan.

Beschädigte Figuren

Es stellte sich heraus, dass viele Figuren beschädigt waren. Schafe mit abgebrochenen Beinen, Musiker mit beschädigten Instrumenten, waren Figuren, die am ehesten betroffen waren. Kurzentschlossen sagte Robert Schneider, "die repariere ich selbst." Er besorgte sich Lindenholz und eine Grundausstattung an Schnitzerbedarf. Ich leimte an die defekten Stellen einfach ein Stück Holz an und schnitzte es solange zurecht, bis es passte." Mit Acrylfarben bemalte er die restaurierten Stellen so geschickt, dass man mehr als zwei Mal hinschauen muss, um die nachträglichen Arbeiten zu identifizieren. Schneider merkte schnell, dass er Talent hat und versuchte sich an ersten Figuren. "Ich nahm einfach ein Stück Holz und begann mit dem Schnitzen - und es funktionierte gleich recht gut." Robert Schneider wollte aber besser werden und wurde deshalb Mitglied bei den Tirschenreuther Schnitzern und im Krippenverein. "Da konnte ich Vieles lernen, da sind Leute, die richtig gut sind und die halfen mir weiter", lobt er seine Kollegen.

Große Krippenausstellung

Die "Finsterbeck-Krippe" ist heute im Besitz der Tirschenreuther Krippenfreunde bei denen Schneider ebenfalls Mitglied ist. Sie ist in der Krippenabteilung im Museumsquartier das ganze Jahr über ausgestellt. Zudem hat Schneider noch eine orientalische Krippe, die er komplett selbst gebaut hat, mit Häusern aus Styropor, die täuschend echt, wie aus Stein gefertigt, aussehen.

Diese Krippe ist bei der aktuellen Krippenausstellung, die vom 8. Dezember 2018 bis 20. Januar 2019 im Museumsquartier zu sehen ist, ausgestellt. Zu Hause bei den Schneiders ziert heuer eine kleinere, ebenfalls orientalische Krippe das Wohnzimmer. Die erste Krippe, die Robert Schneider selbst gebaut hat. Heute geht Robert Schneider aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zu den Schnitzabenden.

Auch zur Ausstellungseröffnung am 7. Dezember im Beisein von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer, wird er nicht dabei sein. "So lange kann ich nicht stehen", sagt er. Aber daheim in seiner eigenen Schnitzerstube ist Schneider weiterhin aktiv. Wie erwähnt, sind seine Arbeiten beliebt und es gibt einige Stammkundschaft, die Jahr für Jahr ihre Krippe mit den begehrten Figuren komplettieren.

Einer davon ist Bürgermeister Franz Stahl, der seit Jahren von seiner Ehefrau Cornelia ein oder zwei Stückln zu Weihnachten geschenkt bekommt. Die Stahl-Krippe ist ebenfalls bei der aktuellen Krippenausstellung zu sehen. Vor ein paar Jahren hat Robert Schneider damit begonnen, Miniaturfiguren zu schnitzen. Zehn Miniaturkrippen sind bereits entstanden.

500 Figuren geschnitzt

Große und Miniaturfiguren zusammengenommen, schätzt Schneider, dass er bisher etwa 500 Mannln geschnitzt hat. Die Mini-Figuren sind drei Zentimeter hoch, ein Schaf, das proportional dazu passt nur ein Zentimeter. Die normal großen Figuren sind zwischen 8 und 14 Zentimeter hoch. Die fertigt Schneider aus Lindenholz. Die Miniaturen entstehen aus dem extrem harten Holz des Pfaffenkäppchens und werden mit Zuhilfenahme einer stark vergrößernden Lupe gefertigt.

Der 90-jährige Robert Schneider ist von der Schnitzerei begeistert.
Der Wolf ist auf dem Vormarsch in Richtung Oberpfalz. Die Miniatur dazu hat Robert Schneider schon in seinem Portfolio.
Robert und Christl Schneider sind immer damit beschäftigt, ihre Krippen in Schuss zu halten.
BU
Auf den Bettler ist Robert Schneider besonders stolz.

 

 

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