08.04.2020 - 17:44 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Schöne Obstplantagen erfordern Entscheidungen

Die Arbeit ist bisweilen nervig, aber doch unerlässlich: das Zuschneiden der Bäume im eigenen Garten. Dabei kann man vieles falsch machen. Falsch ist es aber auch, gar nichts zu machen.

Harald Schlöger zeigte anhand von Bäumen im Garten des Landwirtschaftsamtes, wie mit einfachem Werkzeug vieles in dem Geäst eines Obstbaumes bewirkt werden kann.
von Ulla Britta BaumerProfil

Für Kreisgartenfachberater Harald Schlöger aus dem Landratsamt ist dies ein Dauerbrenner. Er zeigt immer wieder bei Kursen, wie Obstbäume im heimischen Garten das Jahr über gepflegt und richtig ausgeastet werden. Derzeit darf er das nicht - wegen Corona.

Wenn Schlöger bei seinen Kursen mit Fachausdrücken um sich wirft, spitzen die Teilnehmer aufmerksam die Ohren. Schlöger spricht von einer "Zugsäge", von "Fruchtästen", von "Wasserschösslingen", erzählt von "Frostrissen", einem "Erziehungsschnitt" und vielem mehr.

Fläche ein Eldorado

Was für ihn selbstverständlich klingt, ist für die Teilnehmer oft absolutes Neuland. Aber dieses Wissen ist wichtig, um daheim die Bäume richtig zu erziehen und zu pflegen. Auf einer Fläche hinter dem Amt für Landwirtschaft und Forsten wartet diesmal eine kleine Obstbaumplantage dringend auf einen Fachmann. Apfelbäume, ein neu gepflanzter Quittenbaum, eine alte Kirsche und anderes wollen gepflegt werden. Für Harald Schlöger ein wahres Eldorado. Denn hier wurde, wie er sagt, in der Vergangenheit bei der Baumpflege vieles falsch oder gar nicht gemacht.

"Die Leute wollen in ihren Gärten niedrige Bäume und kriegen nach dem Schnitt besonders hohe", spricht der Fachmann einen der größten Fehler an. Die passieren, wenn man einfach drauflos schneidet. Ein Baumschnitt, so Schlöger, brauche Entscheidungen. Schlöger lässt den Worten sogleich Taten folgen. Forsch und kein bisschen zimperlich geht er ans Werk.

Zugsäge hilfreich

Beim Werkzeug rät er zu einfachen Mitteln wie zur Zugsäge. Diese sei leicht bedienbar und könne für wenig Geld in jedem Baumarkt gekauft werden. Um den Baum nicht allzu sehr zu verletzen, sollte immer direkt am Stamm ein glatter Schnitt gemacht werden. "Bei zu dicken Ästen kann's dann zu Baumhöhlen kommen", erklärt Schlöger an einem Beispiel. Das gefalle den Vögeln, die das Loch als Nisthöhle toll fänden und den Naturschützern. "Dem Baumbesitzer gefällt's weniger." Schlöger zeigt auch, wie ein normaler Ast zum Leitast wird, indem man sich einen aussuche und kontinuierlich über Jahre hinweg aufbaue.

"Mein Baum schaut aus wie ein Besen", hat ein Teilnehmer einmal bei einem Kurs gesagt und die Aussage mit einem ein Handyfoto untermauert. Der Fachmann konnte den Laien trösten. Dieses Problem hätten viele. Derartige "Hirschgeweihe" aufgrund von Schnittfehlern könne man mit einem Schnitt an einem Trieb unterhalb entfernen. Jeder Baum solle drei Leitäste haben.

Doch man könne einen alten Baum auch umerziehen mit dem Aufbau eines neuen Leitastes. Zur Symmetrie eines Baumes biete sich die Form eines Kegels an. "Äste, die flach nach oben wachsen, sollten stehenbleiben", so Schlöger. Was sich kreuze oder nach innen und unten wachse, könne weg. "Da kriegt man ein Auge dafür. Immer am besten ein paar Meter weggehen und schauen, wie das Ergebnis des Schnitts wirkt", sagt er. Um Astgabeln zu vermeiden, müsse man konsequent einen "Chef" wählen, der zum Erscheinungsbild passe. Der andere Ast könne weg.

Das sind Fruchtäste. Wer diese kürzen möchte, muss knapp oberhalt einer Fruchtknospe ansetzen.

Richtige Zeitpunkt wichtig

Der richtige Zeitpunkt der Pflege sei wichtig, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten. Die beste Zeit sei für Obstbäume der Frühling, weiß Schlöger. "Nussbäume oder Ahorn werden im Sommer geschnitten", betont Schlöger. Selbst senkrecht nach oben ragende Wasserschösslinge könnten sich zu schönen Ästen entwickeln. Wegreißen könne man sie am besten vor dem Verholzen im Sommer. Als eine der wichtigsten Regeln nennt Schlöger das regelmäßiges Auslichten zur Förderung des Ernteertrags. Schlöger spricht auch Verletzungen am Baum und Rinde sowie deren Behandlung an. Gerissene Baumrinden, oft auch aufgrund von intensiver Sonneneinstrahlung, könne man mit Löschkalk bestreichen oder sich Pflegematerial im Fachhandel besorgen. Auch Umwickeln sei hilfreich. "Sonst wird der Baum anfällig für Schädlinge oder Pilze und geht kaputt." Flechten an der Rinde würden ihm hingegen nicht schaden. Um Sonnenschäden zu vermeiden, helfe ein weißer Anstrich. "Das sieht man immer bei Straßenbäumen", so Schlöger.

Solche Baumhöhlen entstehen, wenn zu dicke Äste entfernt werden müssen.

Den Bäumen Beachtung schenken

Zur regelmäßigen Pflege meinte der Gartenfachberater am Tirschenreuther Landratsamt, dass ein aufwendiger Schnitt nicht jedes Jahr erforderlich sei, jedoch erfordere jeder Baum regelmäßige Beachtung. Schlöger: "Dann wird er bis zu 100 Jahre und kann uns überleben."

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