05.04.2021 - 15:36 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Seatrekking mit Brüdern aus Schwarzenbach: Tagelang ohne Boot durchs Wasser

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Julian und Luca Mühlmeier sind die Gründer von "The Sea Nomads". Die Basis ihres Unternehmens ist Seatrekking, eine Abenteuer-Sportart, bei der Küsten über Tage hinweg ohne Boot erkundet werden.

Julian und Luca Mühlmeier (von links) beim Kochen auf einer Tour an der Küste Kroatiens.
von Ulla Britta BaumerProfil

Wenn Julian Mühlmeier im azurblauen Wasser liegt und die Sonne über ihm strahlt, ist er mit sich im Reinen. Der 27-Jährige, der in Schwarzenbach im elterlichen Betrieb Mühlmeier Bodyshaping arbeitet, ist passionierter Naturschützer. Daher legt er großen Wert auf nachhaltiges Reisen. Mit seinem 23-jährigen Bruder Luca, der als Erlebnispädagoge in München tätig ist, bietet er seit 2019 Seatrekking-Touren an.

Dahinter steckt mehr als nur ein Sport. Es geht darum, die elementare Natur zu erleben und Teil von ihr zu werden. 2016 lernte Julian Seatrekking kennen und es wurde zu seiner Passion - genau so ging es auch Luca. Als Seatrekking-Pionier Bernhard Wache seine Firma aufgab, wollten Julian und Luca sicher gehen, dass dieser Sport für andere weiterhin erlebbar bleibt und sie gründeten "The Sea Nomads".

Vom Wasser fasziniert

Das Meer schenke ihm eine besondere Nähe zur Natur, wie Julian betont. Das Wasser fasziniere den Freitaucher, Surfer und Schnorchler schon seit seiner Jugend. Drei bis vier Kilometer weit über offenes Wasser zu einer einsamen Insel schnorcheln oder eine Nacht auf einer Isomatte am Meer verbringen: Das sind die absoluten Extreme die beim Seatrekking möglich sind, das seien "quasi die höchsten Berggipfel dieses Sports".

"Jeder kann Seatrekking machen. Voraussetzung ist, dass er keine Angst vor dem Wasser hat, gut schwimmen kann und Durchhaltevermögen zeigt", sagt Julian. Wichtig sei auch, nachhaltig zu denken und keine umweltschädlichen Spuren zu hinterlassen.

"Jeder kann Seatrekking machen. Voraussetzung ist, dass er keine Angst vor dem Wasser hat, gut schwimmen kann und Durchhaltevermögen zeigt."

Julian Mühlmeier

Fünf Tage sind Seatrekker in der Regel unterwegs, etwa an Küsten in Kroatien, Italien und Schweden. Gestartet wird normalerweise auf einem Campingplatz mit einem Einführungstag. "Wir lernen uns kennen, erklären das Equipment, üben Freitauchen und Schnorcheln", erklärt Julian. Die Teilnehmer erfahren dabei auch, wie ein Camp aufgebaut und wie über einem Feuer gekocht wird.

Wasserdichter Rucksack

Zur Philosophie der Seatrekker gehört, minimalistisch zu leben. "Die Teilnehmer bringen nur Essen für vier Tage und trockene Kleidung mit." Zur Ausrüstung gehört ein aufblasbarer und wasserdichter Rucksack ("Streampack"). "Wir ziehen diese Säcke beim Schwimmen mit einem elastischen Seil am Fuß hinter uns her", schildert Julian dessen Einsatz. In den Rucksack kommen trockene Kleidung, Wanderschuhe, Schlafsack, Kocher, Handy und kleinere andere Dinge.

Zwar sollte das Mobiltelefon an den Tour-Tagen möglichst ungenutzt bleiben, doch für die Sicherheit der Gruppe sei es äußerst wichtig, Kontakt mit der Außenwelt aufnehmen zu können. Im Notfall würden sich er und sein Bruder sofort bei Küstenrettungstrupps melden. Alle Touren seien erprobt, für die Nachtlager an den Ufern werde stets vorab eine Erlaubnis eingeholt.

Im Einklang mit der Natur

Julian versichert, dass Seatrekking kein Leistungssport sei. Ziel der Touren sei ein Ankommen auf einem ruhigen Level im Einklang mit der Natur. Er verweist etwa auf das langsame Dahingleiten beim Schwimmen und Tauchen. Begegnungen mit verschiedensten Fischen, Delfinen oder Oktopoden sind nicht ausgeschlossen. "Und es ist natürlich warm. Wir reisen im Sommer", sagt Julian. "Am Abend dann tauschen wir unser mitgebrachtes Essen aus, erholen uns vom Schwimmen und schlafen im Freien unter dem Sternenzelt."

Je nach Tourenplan wird zum Start zurückgewandert oder im Meer zurückgeschwommen. "Wir sind extrem lange im Wasser. Das erzeugt eine enge Verbundenheit mit den Elementen", sinniert Julian darüber, was Seatrekking mit dem macht, der sich darauf einlässt. Man könne eine Auszeit vom stressigen Alltag nehmen und sich auf das Wesentliches zurückbesinnen. "Wir leben den Moment", ergänzt Julian. Was nicht mehr selbstverständlich sei in einer schnelllebigen Zeit, in der die Gedankenwelt der Menschen stets dem "Hier und Jetzt" vorauseilen müsse.

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