Tirschenreuth
12.09.2023 - 17:01 Uhr
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Sechs Geburten an einem Tag im Tirschenreuther Krankenhaus

Da kam das Team der Geburtsstation im Tirschenreuther Krankenhaus ganz schön ins Schwitzen: Sechs Babys erblickten an einem Tag das Licht der Welt. Darunter war auch das 200. Baby dieses Jahres.

Jonas mit Mama Andrea (vordere Reihe, Dritte von links) ist das 200. Baby des Jahres im Krankenhaus Tirschenreuth. Am gleichen Tag kamen noch fünf weitere Kinder auf die Welt. Darüber freuten sich die Väter genauso wie das Team der Geburtshilfe am Krankenhaus 
Tirschenreuth, Zweiter Bürgermeister Peter Gold (Dritter von links), Landrat Roland Grillmeier (Vierter von links) und Krankenhausleiter Stephan Schumacher (Sechster von rechts). Bild: Kliniken Nordoberpfalz, Michael Reindl/exb
Jonas mit Mama Andrea (vordere Reihe, Dritte von links) ist das 200. Baby des Jahres im Krankenhaus Tirschenreuth. Am gleichen Tag kamen noch fünf weitere Kinder auf die Welt. Darüber freuten sich die Väter genauso wie das Team der Geburtshilfe am Krankenhaus Tirschenreuth, Zweiter Bürgermeister Peter Gold (Dritter von links), Landrat Roland Grillmeier (Vierter von links) und Krankenhausleiter Stephan Schumacher (Sechster von rechts).

Der erste Mittwoch im September des Jahres 2023 geht wohl in die Chronik des Tirschenreuther Krankenhauses ein. An diesem 6. September haben nacheinander sechs Babys das Licht der Welt erblickt: zwei Jungs und vier Mädchen. Darunter ist keine Mehrlingsgeburt. Sechs Paare freuten sich also über Nachwuchs.

Los ging es gegen 8.15 Uhr. Das sechste Baby war um 15 Uhr da. Der zweite Neugeborene, der kleine Jonas, war zudem eine Jubiläumsgeburt. Der Bub war das 200. Baby, das in diesem Jahr im Tirschenreuther Krankenhaus zur Welt gekommen ist. Schon in seinen ersten Lebenstagen hatte er deshalb zusammen mit Mama Andrea sowie den fünf anderen Babys und deren Müttern einen Pressetermin im Krankenhaus. Das Team der Geburtshilfe, die Hebammen, Klinikleiter Stephan Schumacher, Landrat Roland Grillmeier und Tirschenreuths Zweiter Bürgermeister Peter Gold kamen, um zu gratulieren und um sich mit Babys, Müttern und Vätern ablichten zu lassen.

Alle Babys mittlerweile daheim

Die Kleinen heißen Elia, Stella, Alea Sarah, Tilda, Leonie und eben Jonas. "Alle sechs Mütter konnten das Krankenhaus bereits verlassen und sind mit ihren Babys mittlerweile zu Hause", weiß Pressesprecher Michael Reindl von der Kliniken Nordoberpfalz AG. Das Zuhause ist für fünf Babys jeweils ein Ort im Landkreis Tirschenreuth und für ein Neugeborenes eine Gemeinde im Landkreis Neustadt/WN. Genauere Angaben dürfe er leider aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht machen, sagt Reindl.

Rund 300 Babys sind zuletzt immer jährlich im Tirschenreuther Krankenhaus auf die Welt gekommen. Früher waren es auch schon mal rund 400. Doch an so einen geburtenreichen Tag kann sich auf Anhieb keiner der Befragten auf der Station erinnern. Und selbst im viel größeren Weidener Klinikum, in dem man in diesem Jahr vor einigen Tagen schon die 1000. Geburt feiern konnte, kommen laut Michael Reindl sechs Neugeborene an einem Tag sehr selten vor.

Es sind übrigens nicht nur die kurzen Wege, mit denen das Krankenhaus Tirschenreuth im eigenen Landkreis punkten kann. "Viele kommen auch wegen der familiären Atmosphäre in dieses Krankenhaus", weiß Reindl. Zudem überzeugten viele Familien auch "die Behandlung und die Möglichkeiten vor Ort". Damit meint er unter anderem die Versorgung durch die Hebammen vor, während und nach der Geburt sowie "die enge Anbindung" der Station an einen Kinderarzt im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ). Auf der eigenen Homepage ist gar von "einer Gynäkologie und Geburtshilfe, die mit ihrem familiären Flair ein Geheimtipp der Region" ist, die Rede.

Hebammen aus Waldsassen

In Tirschenreuth werden die Schwangeren während und auch nach der Geburt laut Kliniken Nordoberpfalz eng von den fünf Hebammen Sona Stejskalova, Petra Saskova, Mazacova Miluse, Marika Dziacka und Renata Motykova aus der Hebammenpraxis in Waldsassen betreut, zusätzlich zu Margarete Ackermann, die seit vielen Jahren am Krankenhaus Tirschenreuth als Hebamme tätig ist. "Die Hebammen bieten dabei eine 1:1-Betreuung und helfen unter anderem bei der Stillberatung", weiß Reindl.

Für eine Geburt im Tirschenreuther Krankenhaus spricht laut Reindl auch, dass die Untersuchung U 2 direkt im Krankenhaus gemacht werden kann. Hier kommt der Name Dr. Robert Zant ins Spiel, der im angrenzenden MVZ Sprechstunden anbietet und auch die Geburtsstation besucht. Viele Mütter empfänden dies als echte Erleichterung, weil sie keinen Termin bei einem Kinderarzt, bei dem sie vorher vielleicht noch nie gewesen seien, vereinbaren müssten, weiß Michael Reindl.

Emotionale Bindung

Für ein Krankenhaus in dieser Größe sei das mittlerweile sehr außergewöhnlich. "Viele Kliniken in der nördlichen und mittleren Oberpfalz oder auch in Oberfranken bieten diesen Service nicht mehr an", sagt Dr. Robert Zant. Die U 2 sei die wichtigste Vorsorgeuntersuchung, weil hier viele Risiken auffallen könnten, die teilweise zeitkritisch behandelt werden müssten.

Das Krankenhaus hebt als weiteren Vorteil hervor, dass Schwangere schon vor der Geburt im MVZ behandelt werden könnten, unter anderem mit der üblichen Schwangerenvorsorge oder Pränataldiagnostik. "Der behandelnde Arzt kann dann auch sagen, ob eine Entbindung in Tirschenreuth möglich oder am Klinikum Weiden notwendig ist", sagt Chefarzt Dr. Bernd Hornbacher.

Manchmal sind es aber einfach emotionale Faktoren, die bei der Wahl der Entbindungsstation entscheidend sind. Verena Franz aus Tirschenreuth, die bereits vor ein paar Monaten in ihrer Heimatstadt entbunden hat, wollte zum Beispiel laut einer Pressemitteilung der Kliniken Nordoberpfalz AG unbedingt, dass ihr Leopold ein gebürtiger Tirschenreuther ist, zumal sie ganz in der Nähe des Krankenhauses wohnt.

Bei der medizinischen Versorgung der Gynäkologie und Geburtshilfe ist das Tirschenreuther Haus mittlerweile eng mit dem Klinikum in Weiden verbandelt. Es gibt eine standortübergreifende Frauenklinik unter Leitung von Chefarzt Dr. Bernd Hornbacher, bei dem die Assistenz- und Oberärzte zwischen den Standorten Weiden und Tirschenreuth hin- und herwechseln. "Dadurch können wir die medizinische Qualität eines Schwerpunktversorgers auch in der Grund- und Regelversorgung anbieten", erläutert Dr. Hornbacher. Dieses "rotierende Modell" wird laut Kliniken Nordoberpfalz AG auch von Politikern befürwortet: "In der Summe bedeutet der Zusammenschluss der Frauenkliniken für unsere Bevölkerung grundsätzlich ein noch höheres medizinisches Versorgungsniveau", werden Landrat Roland Grillmeier und Bürgermeister Franz Stahl in einer Pressemitteilung zu den Vorzügen des Tirschenreuther Hauses zitiert. Ohne Zahlen zu nennen, ist dort auch zu lesen, dass "Stadt und Landkreis die Entbindungsstation so gut wie möglich unterstützen, auch weil sie einen emotionalen Faktor" darstelle.

Spekulationen reißen nicht ab

Was die Politiker nur zu genau wissen: Trotz aller Argumente für eine Entbindung im Tirschenreuther Krankenhaus gibt es immer wieder Diskussionen und Spekulationen um den Fortbestand der letzten Geburtsabteilung im Landkreis Tirschenreuth. Es ist kein Geheimnis, dass die Geburtshilfen kleinerer Krankenhäuser in der Regel rote Zahlen schreiben. Deshalb fördert der Freistaat mittlerweile die Abteilungen in kleineren Häusern - vorausgesetzt, es gibt jährlich eine Mindestzahl von Geburten.

Zuletzt habe das Tirschenreuther Krankenhaus diese Zahl mit rund 300 Geburten immer wieder geschafft, sagt Reindl. Aktuell - rund dreieinhalb Monate vor dem Ende des Jahres - liegt man noch rund 100 Geburten von dieser Marke entfernt, was die Freude über die Jubiläumsgeburt trübt. Reindl spricht in diesem Zusammenhang von einem deutschlandweiten Rückgang der Geburtenzahlen. "Der macht sich auch am Krankenhaus Tirschenreuth bemerkbar."

Hintergrund:

Gynäkologie und Geburtshilfe im Haus Tirschenreuth

  • Krankenhaus Tirschenreuth und die Frauenklinik Weiden bilden eine Einheit
  • Sie werden unter der Leitung von Dr. Bernd Hornbacher gemeinsam mit dem ärztlichen Team ambulant und stationär betreut.
  • Am Krankenhaus Tirschenreuth wird das gesamte Spektrum der Gynäkologie und Geburtshilfe abgebildet.
  • Die Behandlung bösartiger Erkrankungen der Brust oder äußeren Genitale erfolgt in den Tumorzentren am Klinikum Weiden.
  • Entbindungen sind bei gesunden Schwangerschaften ab der 37. Schwangerschaftswoche möglich.
  • Quelle: Kliniken Nordoberpfalz AG
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