29.05.2019 - 15:20 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Nun auch Silberhütte im Fokus

Das Pilotprojekt "Heimatunternehmen" soll auf die Silberhütte ausgedehnt werden. Angedacht ist, sie im Sommer zum Zentrum für Mountainbiker zu machen.

Das Pilotprojekt "Heimatunternehmen" soll auf das Schutzhaus Silberhütte ausgedehnt werden. Angedacht ist, sie im Sommer zum Zentrum für Mountainbiker zu machen.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Alfred Wolf spricht gern vom „Club der pfiffigen Köpfe“ oder dem „Netzwerk der Macher“. Für Thomas Gollwitzer vom Amt für Ländliche Entwicklung ist es schlicht das Projekt „Heimatunternehmen“. Doch egal, wie man es bezeichnet: Es setzt nicht nur Ideen, sondern auch Millionen in Bewegung. Davon soll nun die Silberhütte profitieren. Mit Unterstützung des Pilotprojekts soll das Skilanglaufzentrum im Sommer zu einer ersten Adresse für Mountainbiker werden.

Firma Ghost interessiert

Mit ins Boot holen wollen die Macher hier die Firma Ghost aus Waldsassen. "Das Unternehmen hat großes Interesse signalisiert", verrät Wolf. Weitere Schlagworte, mit denen die Silberhütte im Sommer punkten will, sind ein ökologisches Klassenzimmer, das Grüne Band, das die Oberpfalz mit Tschechien verbindet, die Grenznähe und ein Multifunktionsareal, in das die Biathlonanlage eingebunden werden soll. Die Männer vom Förderverein Skilanglaufzentrum sollen in die Rolle der Heimatunternehmer schlüpfen.

Auch auf kulturellem Sektor - für Unternehmen ein wichtiger weicher Standortfaktor - werde sich im Landkreis einiges tun, verspricht Wolf. Es sei ein Prozess eingeleitet worden, um die kulturellen Angebote in der Region besser zu vernetzen und Neues zu entwickeln. Ein pfiffiger Name ist bereits gefunden: "Kurti" als Abkürzung für Kulturregion Tirschenreuth. Als "komplexes Heimatunternehmen" wollen die Projektbegleiter zudem die vielen Angebote in den Bereichen "Bio" und "Kräuter" bündeln. Das Kultur- und Begegnungszentrum Waldsassen soll sich hier ebenso einbringen wie der Essbare Wildpflanzenpark und die Hollerhöfe in Waldeck sowie die Grenzmühle im Steinwald. Auch das Kräuterdorf Nagel in Oberfranken ist laut Wolf an einer Beteiligung interessiert.

Netzwerk knüpfen

"Wir sind eine Aufsteigerregion auf der Überholspur", strahlt Projektleiter Wolf. Vor ihm liegt, als er dies bei einer Pressekonferenz im Amt für Ländliche Entwicklung sagt, eine Landkreiskarte, auf der die Heimatunternehmer eingearbeitet sind. 33 Köpfe sind zu sehen. "Das ist Stand vom Oktober, mittlerweile sind es wieder ein paar mehr geworden", erzählt der Bärnauer. Als er sich 2016 überreden ließ, hier einzusteigen, habe er nicht mit diesem Erfolg gerechnet, sagt Wolf. Das Projekt sei eine Riesensache. Angesichts der zahlreicher werdenden Mitstreiter spricht Wolf gar von einer Bewegung, die immer mehr Leute erfasse.

Vom Zauberkünstler bis zur Architektin, vom Wirt bis zur Mühlenbesitzerin, vom Bauern bis zum pensionierten Forstbeamten hat sich ein illustrer Kreis gebildet. "Unsere Heimatunternehmer sind lauter Macher-Typen, echte Charaktere, die in der Lage sind, Projekte auch gegen Widerstände und Bedenken durchzusetzen und Rückschläge wegzustecken. Manche würden sie auch als Verrückte bezeichnen", schmunzelt Wolf. Der für das Projekt freigestellte Polizeibeamte und seine Mitstreiter unterstützen deren Initiativen, weil die Leute mit dem "Ding, das sie durchziehen", auch die Region voranbringen, so wie ein Stein, der ins Wasser fällt, Kreise zieht.

Wolf zitiert angesichts der vielen Projekte gerne Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der einmal gesagt hat: "Landwirtschaft und Lasertechnologie, Marktplatz und Weltmarkt sind eben keine Widersprüche." Das Pilotprojekt "Heimatunternehmen" ziele genau in diese Richtung. Der neue bayerische Weg sei ein komplementärer Ansatz zu herkömmlichen Konzepten und könne viel bewegen. Es werde bei diesem Pilotprojekt ein Netzwerk im Landkreis geschaffen, von dem die ganze Region dauerhaft profitieren werde. Ziel sei es, eine positive Botschaft auszusenden, Rückkehrer und Dableiber zu gewinnen.

Zuschüsse wichtig

Das Konzept geht auf. Da ist sich Thomas Gollwitzer, der Chef des Amtes für Ländliche Entwicklung, ganz sicher. "Die Erfolge sind nicht von heute auf morgen zu sehen, aber das Projekt wird die Region voranbringen. Wir stehen erst ganz am Anfang und wir haben einen langen Atem", sagt er.

Mit am Tisch sitzen auch Willi Perzl, der für das Amt für Ländliche Entwicklung die Projekte begleitet, und Volker Höcht, der neue Wirtschaftsförderer des Landkreises, sowie Regionalmanager Florian Rüth, die wieder Fördermittel locker machen. Und denen es durchaus gefällt, wie ihre Arbeit auch in anderen Regionen interessiert verfolgt wird. "Wir sind im bayernweiten Netzwerk der Heimatunternehmen sehr präsent", erzählt Wolf. Es habe durchaus gute Gründe, dass die Tirschenreuther ihr Modell beim Zukunftsforum der "Grünen Woche" in Berlin vorstellen durften, und dass mittlerweile auch viele andere Regionen eingestiegen seien. Das Projekt "Heimatunternehmen" gibt es mittlerweile auch in Mittelschwaben, im Allgäu, im Bayerischen Wald und in Rhön-Grabfeld. www.heimatunternehmen.bayern

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.