14.11.2018 - 09:15 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Skelett nimmt Formen an

Die Geräusche von Akkuschraubern, Handkreissägen und Hämmern beherrschen das Museumsquartier (MQ). Im Alois-Hörmann-Saal und im Pädagogikraum wuseln fleißige Helfer umher. Bald ist das Grundgerüst fertig. Dann werden die Krippen eingebaut.

Hans Lindner (Mitte) lenkt als Vorsitzender die Geschicke der Tirschenreuther Krippenfreunde. Franz Krapf, Günter Stammwitz (von links) sowie Günter Kopf und Horst Haidl (von rechts) sind vier von etwa 10 Helfern, die den ganzen Tag mit dem Aufbau beschäftigt sind.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Die erste große Ausstellung mit Tirschenreuther Landschaftskrippen war in der Saison 1982/83 im Sitzungssaal des Landratsamtes zu bestaunen. Die achte Präsentation beginnt am 8. Dezember und dauert bis 20. Januar. Bereits zum dritten Mal findet die Schau nach 2008 und 2013 im Museumsquartier (MQ) statt.

Öffnungszeiten verlängert

Damit möglichst viele Fans die Möglichkeit haben, die Ausstellung zu besuchen, hat die Stadt während der Präsentation die Öffnungszeiten verlängert. Das Museum ist dann montags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Lediglich an Heiligabend und an Silvester ist das MQ geschlossen.

Zu sehen sind diesmal wieder 30 große Landschaftskrippen sowie in der Fensternische am Treppenaufgang zum ersten Obergeschoss die Kastenkrippe von Rainer Christoph und im ersten Stock die große Orient-Krippe von Robert Schneider. Selbstverständlich sind auch das Krippenzimmer mit der Hochzeit von Kana der Familie Heldmann, der Schricker- und der Hörmann-Krippe sowie der Papier- und der Stadtkrippe in die große Schau integriert. Genauso wie die Porzellankrippe der Stadt, die einst von Hutschenreuther gefertigt wurde, und die Egerländer-Krippe der Familie Löffler-Klemsche.

Neben diesen Klassikern ist diesmal auch eine bisher nie gezeigte Tirschenreuther Papierkrippe des Künstlers Maurus Fuchs ausgestellt. Der Besitzer heißt Peter Riolini, ist Krippenexperte und in Augsburg zu Hause. Das wertvolle Stück haben die Tirschenreuther Krippenfreunde in der Zeitschrift "Schöne Heimat" entdeckt und sofort mit dem Besitzer Kontakt aufgenommen. Der Sammler baut seine Krippe selbst als letzter Aussteller am 6. Dezember, einen Tag vor der Eröffnung mit Bischof Rudolf Voderholzer, auf.

Allerlei Neuheiten

Seit Anfang November sind etwa zehn Krippenfreunde mit dem Aufbau der Krippenstadt, dem Skelett für die großen Landschaftskrippen im Alois-Hörmann-Saal und im Pädagogikraum, beschäftigt. Das wird etwa bis Ende dieser Woche dauern. Danach beginnt der Einbau der Krippen in die vorgesehenen Boxen. Versierte Krippenschauer werden feststellen, dass auch diesmal wieder allerlei Neuheiten zu entdecken sind.

So zum Beispiel ein Dachbodenfund einer Mehler-Krippe oder eine vier Meter lange und 1,60 Meter breite Krippenlandschaft der Familie Günter Kopf. Diese Krippe befindet sich seit 40 Jahren im Aufbau. Kopf schnitzt nicht selbst. Stattdessen finden sich in der Krippe Figuren renommierter Tirschenreuther Künstler. Aufgebaut ist sie je zur Hälfte im orientalischen und im Oberpfälzer Stil. In einer Vitrine sind erstmals zahlreiche Einzelfiguren des Schnitzers "Weininger-Schuster" aus dem Besitz von Stefan Schirmer zu bewundern.

Feuerfester Stoff

Natürlich ist auch Bürgermeister Franz Stahl wieder mit seiner Krippe dabei. Der Plößberger Gerald Röckl, der Mitglied bei den Tirschenreuther Schnitzern ist, steuert eine 3,30 mal 1,50 Meter große Krippenlandschaft bei. Im Alois-Hörmann-Saal kommt das gleiche Gerüst wie vor fünf Jahren zum Einsatz. Die Einzelteile werden direkt vor Ort an die aktuellen Krippenmaße angepasst. Das ist ganz individuell und bei jeder Ausstellung anders. Die blauen "Krippenhäuser" und ein blauer Sternenhimmel aus Stoff schaffen heimelige Atmosphäre.

Der Stoff, den die Krippenfreunde vor fünf Jahren dafür benutzt haben, kommt nicht mehr zum Einsatz. Das ist dem Brandschutz geschuldet. "Der ist in der Zwischenzeit wesentlich strenger geworden", weiß Vorsitzender Hans Lindner. Deshalb greifen die Krippenfreunde auf feuerfeste Mehler-Stoffe zurück. Auch die Lämpchen, die Sterne simulieren, müssen jetzt LEDs, die keine Hitze entwickeln, weichen. Sogar für die Lagerfeuer und Lampen in den Krippenställen gilt diese Vorgabe. Damit elektrisch alles stimmt, hat der Verein mit Günter Kopf einen echten Profi im Boot. In die Elektroinstallation haben die Krippenfreunde 2000 Euro investiert.

Auch für die Holzarbeiten agiert mit Wolfgang Stangl aus Lengenfeld ein Meister seines Faches aus den eigenen Reihen. Der Schreinermeister hat für den Pädagogikraum die Teile für die Krippenkästen gefertigt. Diese Kastenelemente sehen genauso aus wie die im Hörmann-Saal, mit dem Unterschied, dass sie rot sind. Den Neuentwurf für den Aufbau hat in bewährter Weise Franz Krapf geplant.

Schreinermeister Wolfgang Stangl aus Lengenfeld hat die Einzelteile für die Krippenstadt im Pädagogikrau maßgenau gefertigt.
Aus Brandschutzgründen müssen alle Beleuchtungseinheiten mit LED-Lampen ausgestattet sein, weiß Günter Kopf.
Franz Krapf (rechts) hat die Pläne für die diesjährige Krippenschau konzipiert. Hinten links, Horst Haidl bei der Arbeit.
Günter Stammwitz beim Aufbau der Krippenstadt im Alois-Hörmann-Saal.

 

 

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