Tirschenreuth
17.12.2021 - 16:22 Uhr
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So hat sich der Pflegeberuf in den vergangenen Jahrzehnten verändert

Pflegekräfte in Seniorenheimen haben beruflich viele Herausforderungen zu bewältigen. Brigitte Pfab aus Bärnau spricht über 45 Jahre im Pflegeberuf und warum sie trotz Ruhestand weitermacht.

Die Anforderungen an Pflegekräfte in Seniorenheimen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Symbolbild: Jens Kalaene/dpa
Die Anforderungen an Pflegekräfte in Seniorenheimen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert.

45 Jahre hat Brigitte Pfab aus Bärnau im BRK-Seniorenzentrum Tirschenreuth Haus Ziegelanger gearbeitet. "Als ich angefangen habe, hat es den Beruf Altenpflege noch gar nicht gegeben", erinnert sich die 64-Jährige. Im Oktober wurde die gelernte Pflegefachkraft in den Ruhestand verabschiedet. Während ihrer beruflichen Laufbahn änderte sich der Blick auf die Pflege, das Seniorenheim wurde größer und der Beruf komplexer sowie herausfordernder. In einem Gespräch mit Oberpfalz-Medien berichtet sie von dem Wandel in der Altenpflege.

Thomas Schrems ist stellvertretender Pflegedienstleiter. Er weiß, dass bundesweit im Schnitt Pflegekräfte nach sieben Jahren aus dem Beruf wieder aussteigen. Auch Brigitte Pfab weiß: "Viele können den Job so lange nicht machen, weil sie oft körperlich kaputt sind." Sie selbst habe als Ausgleich Fitness gemacht. "Ich war körperlich nie so angeschlagen." Als Nachteil bezeichnet sie: "Man arbeitet auch am Wochenende. Das ist schlimm, gerade wenn man Familie hat." Sie arrangierte sich mit den Berufsbedingungen. "Ich bin ein Optimist. Mir hat der Umgang mit den Heimbewohnern immer Spaß gemacht", erklärt Pfab. Zudem sei nicht jeder Tag gleich. Alles sei abwechslungsreich. Auch das Arbeiten im Team habe für sie stets gut funktioniert.

Pflegebedarf ist gestiegen

Für Nicole Rischer-Bäumler, Einrichtungsleiterin im BRK-Seniorenzentrum Haus Mühlbühl und stellvertretende Einrichtungsleiterin im Haus Ziegelanger, ist der zunehmende Mangel an Pflegekräften auch eine Generationenfrage. "Heute will man auch mal einen beruflichen Perspektivwechsel. Es gibt nicht mehr das Durchhaltevermögen wie früher." Zudem sei die berufliche Auswahl vielfältiger geworden. "Der Beruf gilt auch in der Bevölkerung als unattraktiv. Viele wollen geregelte Arbeitszeiten, keine Schichtdienste oder Wochenenddienste." Für Brigitte Pfab ist klar: "Man muss das mit Lust und gern machen." Aus diesem Grund arbeitet sie auch auf Minijob-Basis weiter für das Seniorenheim.

Pfab machte ursprünglich eine Ausbildung als Schwesternhelferin an der Klosterschule Waldsassen. Dort fragte das BRK damals nach, ob jemand in dieser Stellung in Tirschenreuth arbeiten würde. "Das Rote Kreuz galt damals schon als federführend und krisensicher." Als Pfab in das Seniorenheim kam, hatte sie noch keine Vorstellung davon, was die Tätigkeit mit sich bringen würde. "Es gab drei Stationen mit rüstigen Personen und eine kleine Station mit dem Namen 'Pflege'." Sie wurde angelernt. "Meine Hauptaufgaben waren Putzen, Wäsche machen, Essen richten und aufteilen." Gearbeitet wurde mit einer Früh- und Spätschicht. Man sei nicht nur auf Station gewesen, sondern habe auch Bereiche gewechselt. "Desinfektionsmittel gab es nicht."

Anfangs hat sie rund 1,5 Jahre in dem Heim gewohnt. "Es gab Personalzimmer, die man sich zu zweit geteilt hat." Als sie den Führerschein hatte, kam sie jedoch mit dem Auto zur Arbeit. Die meisten Bewohner hatten sich damals im Heim eingemietet, um ein Zimmer zu haben und versorgt zu sein. "Es gab noch keine Hilfsmittel für Inkontinenzversorgung, keine Rollatoren oder Rollstühle", erinnert sich Pfab. Sie selbst machte zwei große Umbauten im Haus Ziegelanger bei vollem Betrieb und Belegung mit. Immer wieder wurde renoviert, Zimmer bekamen Nasszellen, Doppelzimmer wurden Einzelzimmer. "Man musste oft improvisieren, Leute unterzubringen." Mit der Zeit sei der Pflegebedarf gestiegen, Bewohner wurden älter. Senioren, die vorher noch in den Familien versorgt wurden, brauchten professionelle Unterstützung.

Viel Dokumentation

1978 kam das Berufsbild des Altenpflegers auf. Etwa zehn Jahre später machte Pfab die zweijährige Ausbildung zur Altenpflegerin. Mit den Jahren wurde vor allem die Dokumentation mehr. "Erst wurde viel handschriftlich gemacht. 2008 wurde auf Computer umgestellt", erinnert sich Pfab. Das sei für das Personal eine große Umstellung gewesen. Stellvertretende Einrichtungsleiterin Nicole Rischer-Bäumler ergänzt: "Früher gab es weniger Dokumentationsflut und es war mehr Zeit für die Bewohner." Aus diesem Grund gebe es heute in Seniorenheimen vermehrt Betreuungskräfte. "Das Pflegepersonal könnte diese Arbeit jetzt nicht mehr leisten", sagt Pfab. Gerade die vergangenen zehn Jahre hätten viel Veränderung gebracht.

Anforderungen gestiegen

"Was nicht dokumentiert ist, ist nicht gemacht", sagt Pfab und erklärt diesen Satz anhand eines Sturzes von einem Klienten. "Stürzt jemand und das ist nicht dokumentiert, kann es zu rechtlichen Problemen kommen." Hier seien die Anforderungen von Prüfstellen wie dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) oder der Angehörigen gestiegen. "Es muss nachvollziehbar sein und es geht darum, wer verantwortlich ist und am Ende zahlt." Das schlimmste, was Brigitte Pfab in ihrer beruflichen Laufbahn erlebt hat, war zuletzt die Coronakrise. Sie könne nicht verstehen, wenn jemand das Coronavirus leugnet. "Jeder, der in einem Altenheim die Auswirkungen von Corona gesehen hat, würde es nicht mehr leugnen", sagt sie.

Sie selbst wurde auch positiv auf das Virus getestet. "Ich hatte aber keine Symptome." Bei Bewohnern sah sie jedoch den Krankheitsverlauf. Als Pflegekraft arbeitete sie stets mit Ganzkörperanzügen, Mund-Nase-Schutz und Desinfektionsmittel. "Bei jedem Zimmer muss man sich umziehen." Selbst in Zeiten, wo großer Mangel an Schutzmaterialien herrschte: "Wir hatten die Dinge nicht im Überfluss, aber es war immer etwas da", sagt Pfab.

An vielen Tagen ging sie nach Hause und hatte Kopfschmerzen. "Man bekommt weniger Luft. Das ist schon belastend." Zur Unterstützung war die Bundeswehr im Haus. "Das war eine große Hilfe", erinnert sich Pfab. Ein großes Problem waren auch die Kontaktbeschränkungen. Pfab erlebte die Folgen der Vereinsamung der Bewohner. "Als die Ansprache weg war, hatten einige Bewohner Wesensveränderungen und man merkte, dass sie schneller abgebaut hatten."

Sie ist jedoch stolz darauf, dass in dieser Zeit die Pflege immer aufrechterhalten wurde. "Wir waren froh, als es die Impfungen gegeben hat. Die Impfung hat uns gerettet", betont Pfab.

Täglich neue Regelungen

Täglich wird das Pflegeheim mit neuen Regelungen überrollt. Wer aktuell in das Haus Ziegelanger möchte, braucht einen negativen Corona-Schnelltest. Spontan kommen und gehen, ist nicht mehr möglich. Wer kommt, muss klingeln. "Es gab schon mehrere Krisen, aber noch nie hat eine Krise so lange gedauert wie Corona", erklärt Stellvertretende Einrichtungsleiterin Nicole Rischer-Bäumler.

Was hält sie von einer Impfpflicht für Pflegepersonal und weiteren Berufsgruppen, die Kontakt zu vulnerablen Gruppen haben? "Das Problem ist: Wo beginnt man und wo hört man auf?", erklärt sie. Für sie ist es Quatsch, eine Impfpflicht nur auf Pflegepersonal zu beschränken. "Es gibt auch Bewohner, die sich nicht impfen lassen", berichtet Thomas Schrems. Und auch nicht jeder Besucher sei geimpft. Brigitte Pfab ist einer allgemeinen Impfpflicht nicht abgeneigt. "Es gab schon immer Impfpflichten. Sind wir froh, dass es deshalb keine Krankheiten wie die Pocken mehr gibt."

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Oberpfalz16.11.2021
45 Jahre arbeitete Brigitte Pfab (Mitte) für das BRK-Seniorenheim Haus Ziegelanger als Pflegefachkraft. Sie berichtet zusammen mit Thomas Schrems (links), stellvertretender Pflegedienstleiter, und Nicole Rischer-Bäumler, stellvertretender Einrichtungsleiterin im Haus Ziegelanger, über den Wandel des Pflegeberufs. Bild: lue
45 Jahre arbeitete Brigitte Pfab (Mitte) für das BRK-Seniorenheim Haus Ziegelanger als Pflegefachkraft. Sie berichtet zusammen mit Thomas Schrems (links), stellvertretender Pflegedienstleiter, und Nicole Rischer-Bäumler, stellvertretender Einrichtungsleiterin im Haus Ziegelanger, über den Wandel des Pflegeberufs.
Hintergrund:

Pflegenotstand in Deutschland

  • Schätzungen der Universität Bremen zur Folge fehlen bereits 120.000 Altenpflegekräfte, um alle Patienten in Deutschland zu betreuen.
  • Das Institut der Deutschen Wirtschaft rechnet mit einem Mehrbedarf von 493.000 Pflegekräften in den nächsten 15 Jahren.
  • Ein Problem ist der demografische Wandel: Viele Pflegekräfte stehen kurz vor der Rente, es fehlt an Nachwuchs.
  • Schon bei der Ausbildung gibt es eine hohe Abbruchquote.
  • Die körperliche Belastung in Pflegeberufen ist nach einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin überdurchschnittlich hoch. Über 80 Prozent klagen über Muskel-Skelett-Beschwerden. (Quelle: www.pflegenot-deutschland.de)
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