07.12.2018 - 17:02 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Solidarität als Lebensinhalt

Wie schafft sie das nur? Vor 36 Jahren hat Geroldine Ondrusek die Aktion "Solidarität" gegründet. Seitdem ist sie unermüdlich für Benachteiligte engagiert. Und obwohl sie schon 87 Jahre alt ist, denkt sie noch lange nicht ans Aufhören.

Wenn Geroldine Ondrusek nicht in ihrem großen Lager Güter für einen Transport nach Ruanda zusmmenstellt, ist sie dennoch für ihre Hilfswerk unterwegs. Selbst im hohen Alter von 87 Jahren stellt sie sich noch mit einem Stand auf Basare und Weihnachtsmärkte, alles für den guten Zweck.
von Ulla Britta BaumerProfil

Helfen, teilweise sogar rund um die Uhr, ist der große Lebensinhalt der Tirschenreutherin, die im Sudetenland geboren worden ist. Geroldine Ondrusek zwickt zwar mittlerweile das eine oder andere Wehwehchen, das kann sie aber ebenso wenig stoppen wie Operationen, denen sie sich unterziehen musste. "Ich habe dem Chef oben gesagt, dass ich weitermachen muss, als ich nicht mehr laufen konnte. Und siehe da, Gott hat mir geholfen. Es geht wieder", strahlt die gläubige Frau. Erst im Herbst hat Geroldine Ondrusek wieder einen Hilfstransport nach Ruanda geschickt.

Gut, dass es noch freiwillige Helfer gibt, die beim Beladen der Hilfsgüter in die großen Lkws behilflich sind. Denn der Verein, den Geroldine Ondrusek gegründet hat für ihr Hilfswerk, "ist leider mit den Jahren arg geschrumpft, sagt sie. "Jetzt bin ich meist allein in meinem Warenlager." In einer alten Wohnung stapeln sich dort Hilfsgüter von A bis Z, die nach Afrika oder in ein anderes armes Land gehen sollen.

Früher hat Geroldine Ondrusek sogar schon armen Kindern in der ehemaligen Tschecheslowakei Spielsachen, Kleidung und anderes gebracht. Damals war sie mit ihrem Privatauto unterwegs. "Die Grenze war noch gar nicht offiziell geöffnet und ich musste alles heimlich transportieren", erinnert sie sich. Die 87-Jährige war damals ganz schön mutig. Und ist es immer noch.

Heute werden die Spenden, die sie nach Ruanda liefert, nicht mehr in einen Pkw verladen. Der ist viel zu klein. Denn die Tirschenreutherin verschickt nicht nur Kleidung und Kleinkram. Geroldine Ondrusek hat in Ruanda vielen Frauen zu einem Job verholfen mit einer alten, ausgedienten Nähmaschine, die bei uns ausgemustert worden war. Kriegt sie dann später ein Foto aus Ruanda, auf dem eine Näherin am Straßenrand mit einer Nähmaschinen aus Tirschenreuth zu sehen ist, freut sich Geroldine Ondrusek wie eine Schneekönigin.

"Nach dem Bericht im ,Neuen Tag' über den neuen Hilfstransport habe ich acht Nähmaschinen bekommen", strahlt sie über das ganze Gesicht. Denn derartige Reaktionen sind ihr wichtig, um weitermachen zu können. Daraus schöpft sie Kraft. Der schönste Lohn sei für sie das Lächeln eines Kindes, dem sie helfen konnte.

Zu tun gebe es noch eine Menge. Das Leid sei groß . Dafür sammelt sie nicht nur Sach- und Geldspenden. Die alte Dame stellt sich trotz ihres hohen Alters noch stundenlang selbst auf einen Weihnachtsbasar und verkauft Stricksachen, Dritte-Welt-Waren oder afrikanische Holzfiguren für den guten Zweck, um Geld für die Transporte zu bekommen. Was sie sehr traurig macht, ist die Not in Afrika, die in den vielen Jahrzehnten ihrer Hilfsaktion noch schlimmer geworden sei. Und dass sie nie wirklich helfen könne in diesen Staaten, wo korrupte Menschen alles an sich reißen würden.

Wenn sie sich was wünschen dürfte, dann wäre das, dass ihr noch viel Zeit bleibt für ihre Aktion "Solidarität". "Solange mich der Herrgott lässt, will ich weitermachen", sagt sie. Und ein zweiter Wunsch wären neue freiwillige Helfer für die Aktion. "Die brauche ich dringend."

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