19.07.2019 - 16:02 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

St. Anna Wallfahrt für Frieden und Versöhnung

Rudolf Voderholzer und Tomàs Holub aus Pilsen pilgern mit zur Kirche St. Anna. Der Regensburger Bischof hat sich vorgenommen, sogar schon ab der Grenze bei Mähring in aller Frühe 15 Kilometer mitzugehen.

Das Vorbereitungsteam für die 30. grenzüberschreitende Wallfahrt mit (von links) Stadtpfarrer Georg Flierl, Förderverein-Vorsitzendem Herbert Konrad, Wallfahrtsleiter Max Schön und Mitorganisator Reinhard Legat, der auch die Wallfahrtstafel zum Jubiläum gestaltet hat.
von Autor KODProfil

Mit der Wallfahrt zur Heiligen Mutter Anna bei Plan/CZ wurde eine Brücke zwischen zwei Staaten gebaut, die für Frieden und Versöhnung steht. Was Bischöflich Geistlicher Rat Georg Maria Witt nach dem Wegfall des Eisernen Vorhanges am 27. Juli 1990 begonnen hat, kann nun schon zum 30. Mal gefeiert werden, die grenzüberschreitende St.-Anna-Wallfahrt.

Zu diesem Jubiläum haben die Bischöfe Rudolf Voderholzer aus Regensburg und Tomàs Holub aus Pilsen ihr Kommen zugesagt. Gemeinsam werden die Bischöfe der benachbarten Diözesen am Freitag, 26. Juli, um 10 Uhr den Pontifikalgottesdienst zelebrieren. Regensburgs Bischof Voderholzer wird bereits ab Mähring die 15 Kilometer lange Wegstrecke zu Fuß mitpilgern, die um 5.45 Uhr an der Grenze beginnt. Eine weitere Gruppe beginnt die Prozession um 9.15 Uhr am Marktplatz in Plan. Auf dem Annaberg treffen beide Pilgergruppen zusammen und ziehen gemeinsam in die Kirche ein. Für die musikalische Gestaltung sorgen der Männergesangverein Tirschenreuth und Sophie Legat an der barocken Alt-Blockflöte. Nach dem Festgottesdienst wird in den Parkanlagen Verköstigung und gute Unterhaltung angeboten. Mitfahrgelegenheiten werden angeboten.

Anfänge im 13. Jahrhundert

Die Wallfahrtsstätte bei Plan kann bereits im 13. Jahrhundert nachgewiesen werden. Später wurde sie zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte im westböhmischen Raum mit prächtigen Trachtenwallfahrten insbesondere für Bergleute aus der Umgebung. 1721 zerstörte ein Brand die Vorgängerkirche. Das große, barocke Gotteshaus, wie es Besucher heute vorfinden, wurde 1726 eingeweiht. Der am Fuße des Annaberges gelegene St.-Anna-Brunnen hat der Überlieferung nach seh- und gehbehinderten Menschen Heilung gebracht; diese Fälle sind in der Planer Chronik aufgezeichnet.

Mit der Vertreibung der Sudentendeutschen wurde das Gotteshaus oft als letzte Stätte der Zuflucht, des Gebetes und der Hoffnung aufgesucht. Im Jahr 1949 wurde zum letzten Mal die Heilige Messe gefeiert. Den Heimatvertriebenen wurde ihre vertraute Wallfahrtsstätte genommen. Und so entschloss sich der Heimatkreis Plan-Weseritz 1953, auf dem Pfaffenbühl in Mähring die St.-Anna-Gedächtniskapelle zu bauen. Seitdem treffen sich die Heimatvertriebenen alljährlich dort zum Sankt-Anna-Fest.

Die sanfte Revolution im Nachbarland brachte 1989 die Wende. Die Grenze war an den früheren Übergängen wieder passierbar. Daraufhin ergriff Tirschenreuths Stadtpfarrer Georg Maria Witt die Initiative, die Wallfahrt wieder vom Ursprungsort ausgehen zu lassen. Dies gelang in überwältigender Weise am 27. Juli 1990. Zahlreiche Pilger kamen in vielen Bussen nach Plan, ein langer Pilgerzug marschierte von Mähring nach St. Anna. Im übervollen Gotteshaus zelebrierte Abt Johannes Zeschik mit zahlreichen Priestern die erste Messe nach 41 Jahren. Vielen Teilnehmern standen die Tränen der Freude und Dankbarkeit in den Augen.

Aufwendiger Erhalt

Der Zahn der Zeit hatte an dem Gotteshaus genagt, dringende Restaurierungen waren notwendig. Dies organisierte völlig ehrenamtlich der Tirschenreuther Architekt Klaus-Peter Brückner. Tirschenreuths Stadtpfarrer Georg Maria Witt trommelte Spendengelder und Zuschüsse zusammen. So konnten Zug um Zug die Fenster und Türen instandgesetzt, die Grundmauern trockengelegt und das Dach saniert werden.

Im Jahr 2000 wurde die Außenfassade erneuert, 2010 die barocke Orgel restauriert. Seitdem sind dafür rund 450 000 Euro aufgewendet worden. Großzügige Spenden von Menschen beiderseits der Grenze und Zuschüsse von Vereinen, Verbänden und Organisationen machten es möglich, dass die beliebte Wallfahrtsstätte erhalten werden konnte und mit viel Leben erfüllt wird. Davon zeugen Konzertveranstaltungen, Trauungen und Gottesdienste.

Spenden erbeten

In nächster Zeit ist eine schrittweise Renovierung des Innenraumes vorgesehen. Die letzte Sanierung fand 1897 statt, also vor 122 Jahren. Für diese kostenintensive Maßnahme, die in Teilabschnitten erfolgen könnte, wird schon jetzt um finanzielle Unterstützung gebeten (unter "Renovierung St. Anna" bei der Sparkasse Oberpfalz Nord, DE73 7535 0000 0008 8413 63). Spendenbescheinigungen werden auf Wunsch ausgestellt.

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