23.12.2018 - 14:08 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Stützen für "Stiftland-Sternenkinder"

Wer ein krankes Kind hat, hat Sorgen. Wenn die Erkrankung chronisch oder lebensverkürzend ist, um so mehr. Diese Familien unterstützt ein Verein mit viel Herz und Hand. Denn die Helferinnen sind vom Fach.

Beatrix Kempf und ihre Kolleginnen betreuen Eva schon seit drei Jahren. Das Mädchen leidet an Krämpfen und freut sich immer, wenn die Schwestern kommen.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Beatrix Kempf ist die Vorsitzende der "Stiftland-Sternenkinder", seit zwei Jahren ein eingetragener Verein. Die Mitterteicherin ist 40 Jahre alt, Krankenschwester mit palliativer Zusatzausbildung für Kinder und Jugendliche. Die vierfache Mutter - ein Sohn ist behindert - legt wie ihre momentan fünf Berufskolleginnen im Verein erstaunliche Kräfte für andere Familien frei. Denn die Zeit, die das Pflegepersonal für derzeit sieben Familien im Landkreis Tirschenreuth und darüber hinaus einsetzt, ist absolut ehrenamtlich. Lediglich die Sachausgaben und die gefahrenen Kilometer werden abgerechnet, finanziert durch Spenden. "Es kann doch nicht sein, dass die betroffenen Familien einfach auf der Strecke bleiben", beschreibt Beatrix Kempf ihre Eindrücke aus jahrelangem Pflegedienst und aus eigener Erfahrung.

Die Krankenschwestern der "Sternenkinder" helfen Familien bei organisatorischen Dingen, bei Problemen mit Behörden und Kostenträgern, vor allem auch in seelischen Anliegen. Oft kommen die Eltern von betreuungsintensiven Kindern nicht dazu, mal in Ruhe Einkäufe zu erledigen oder die Steuererklärung zu machen - geschweige denn, sich ein wenig Zeit für sich selbst zu nehmen. "Wir kommen in die Familien nach Hause", beschreibt Beatrix Kempf. "Was wir ausgeweitet haben, ist die Versorgung von Geschwisterkindern und per Satzung von chronisch kranken Kindern. Dieser Bedarf fiel bei unseren Betreuungen auf."

Der Helferkreis tritt ganz individuell in Erscheinung: Hier ist ein Kind mit Diabetes Typ 1, dessen Eltern dringend Beratung brauchen. Dort fällt eine Pflegekraft aus und die "Sternenkinder"-Schwestern überbrücken die Zeit. Ein Kind hat schwere Krampfanfälle und kann nicht alleingelassen werden. Eine Familie liegt im Clinch mit der Krankenkasse wegen dringend benötigter Hilfsmittel. Bei einem anderen Kind wäre ein Badewannenlifter schon eine große Hilfe. Die Nerven der dauerbelasteten Angehörigen liegen oft blank. Da kann ein persönliches Gespräch, ein freundschaftlicher Rat Gold wert sein.

"Die Idee wurde aus der Not heraus geboren", erinnert sich Beatrix Kempf an die Anfänge des "Sternenkinder"-Netzwerkes. "Der Grundgedanke war, eine Lücke in der Palliativversorgung von Kindern zu schließen." Damals galt es, der Familie eines krebskranken Kindes in den letzten Tagen und Stunden zur Seite zu stehen. Im Wortsinn erfüllte dies eine Krankenschwester freiwillig, sonst wären die Eltern alleine geblieben. Die Hilfe weitete sich schnell auf chronisch kranke Kinder aus. Durch ihre Berufserfahrung wissen die Helferinnen, was fachlich zu tun ist und sind darüber hinaus emotionelle Stützen. "Wir stärken die häuslichen Systeme, weil diese Familien nicht mobil sind", fasst die Vereinsvorsitzende das Ziel zusammen: "Mehr Lebensqualität für Familien mit besonderen Kindern."

Beatrix Kempf hat im Verein Unterstützung durch Pflegekräfte wie die zweite Vorsitzende Silke Rosner und andere Mitglieder, oft selbst Eltern schwer kranker Kinder. Die Vorsitzende wagt gerne auch den Blick in andere Länder und Kulturen. So war sie 2017 in einem Hospiz in Jerusalem und schaute sich heuer die Pflege in einer 4000-Betten-Klinik in Peking an. Doch da ist ihr die Situation bei ihrem Arbeitgeber, dem Klinikum Fichtelgebirge mit 400 Betten, schon lieber.

Kempf unterrichtet an der Berufsfachschule für Pflegeberufe in Marktredwitz und ist als angehende Pflegepädagogin kurz vor der Bachelor-Arbeit. Wie schafft man dieses berufliche und ehrenamtliche Pensum? Das schaue von außen sehr anstrengend aus, vor allem, wenn das Berufsbild der Krankenschwester noch als Akt der Nächstenliebe gesehen werde, sagt Beatrix Kempf. "Doch wenn man eine fundierte Ausbildung in der Familienpflege und in der palliativen Versorgung hat, sitzt man fest im Sattel."

Die Gewissheit, sich im Team absprechen zu können, sei wichtig. Und: "Ob jemand mit dem Herzen bei seiner Arbeit ist, da unterscheidet sich der Arzt weder vom Bäcker noch von der Pflegekraft. Die Familien merken es, dass die Betreuung einfach eine andere ist. Ihnen wird durch unsere Ziele oftmals wieder Vertrauen in sich selbst gegeben, und nicht nur durch Zahlen und Werte."

Beim Verein "Stiftland-Sternenkinder" stehen (von rechts) Beatrix Kempf und Silke Rosner an der Spitze. Links im Bild Birgit Bleistein, wie die beiden Krankenschwester.
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