14.01.2020 - 13:03 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Süd-Ost-Link nimmt konkrete Form an

Seit Jahren bewegt das Thema Stromtrassen die Gemüter. Nun ist ein neuer Planungsstand erreicht: Der Korridor für den Süd-Ost-Link steht fest. Nahezu felsenfest, weiß Regierungsdirektorin Regina Kestel.

Regina Kestel schaut sich am Computer einen Ausschnitt des im Landkreis vorgesehenen Stromtrassen-Korridors an.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

"Es darf keinen Meter über diesen 1000 Meter breiten Streifen hinaus gebaut werden", interpretiert die am Landratsamt zuständige Abteilungsleiterin die am 18. Dezember 2019 von der Bundesnetzagentur beschlossene Trassenwahl. "Der Korridor ist jetzt zwingend festgelegt und verpflichtet Tennet, innerhalb dieser Grenzen die Höchstspannungsleitung in diesem Bereich zu verlegen." Dagegen geklagt werden könne in diesem Stadium des Verfahrens nicht, erklärt die Juristin: "Erst gegen den Planfeststellungsbeschluss." Und damit sei frühestens 2022 zu rechnen.

Dennoch haben die Bürger - vor allem die Anwohner und Grundstückseigentümer - in diesen Tagen reichlich Gelegenheit, sich mit dem Vorhaben auseinanderzusetzen. Ab kommendem Montag, 20. Januar, liegt die Entscheidung über den festgelegten Korridor mit umfangreichen Bewertungen und Begründungen öffentlich zur Einsichtnahme auf. 368 Seiten in Aktenordnern sind angekündigt. "Das Ganze ist im Internet genauso verfügbar", rät Kestel zur Ansicht am heimischen PC.

Der Trassenkorridor mit konkreten Verlaufsvarianten im Internet:

Wer keinen Computer hat oder sich die Karten lieber auf bedrucktem Papier anschauen möchte, ist natürlich im Landratsamt willkommen. Bis zum 2. März liegen die Unterlagen im Anbau des Amtsgebäudes I in der Abteilung Wasserrecht auf. "Besucher können sich einfach am Info-Point im Erdgeschoss melden." Für den barrierefreien Zugang wird gesorgt. Geöffnet ist Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr und Donnerstag von 14 bis 16 Uhr.

Die Auslegung ist gesetzlich vorgeschrieben und hat rein informativen Charakter. "Die Leute können kommen und auch gerne schimpfen. Aber Einwendungen gegen den Korridor sind nicht mehr möglich." Die aktuelle Diskussion, ob eine Verlegung der Erdkabel entlang der Autobahn A 93 möglich ist oder nicht, ist für die Regierungsdirektorin theoretischer Natur. "An der Verlegung innerhalb des 1000 Meter breiten Korridors führt kein Weg vorbei." Auch an der grundsätzlichen Notwendigkeit der Höchstspannungsleitung, die von Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt bis zum Kernkraftwerk Isar bei Landshut führen soll, habe die Bundesnetzagentur keinen Zweifel und den Bedarf festgestellt, erklärt Kestel.

Fast drei Jahre nach der ersten Antragskonferenz für den Abschnitt von Hof bis Schwandorf ist nun ein neuer Planungsstand erreicht. Wo genau die Erdkabel verlaufen sollen, hat Tennet auch schon vorgeschlagen. Die öffentlich einsehbaren Karten auf der Homepage des Netzbetreibers enthalten eine gepunktete Linie durch den Landkreis. Sie führt von Konnersreuth kommend über Mitterteich, östlich an Tirschenreuth vorbei, nähert sich der B 15 und zweigt hinter Schönficht Richtung Neustadt ab.

Für einige Bereiche sind noch Alternativen möglich. Kleine Varianten innerhalb des Korridors weist Tennet für den Verlauf bei Großbüchlberg, Themenreuth, zwischen Kleinkonreuth und Pilmersreuth, bei Haid, Leichau, Schönficht und Wurmsgefäll aus. Zur Information über den genauen Trassenverlauf lädt Tennet in den nächsten Tagen zu zahlreichen Veranstaltungen quer durch Oberfranken und die Oberpfalz ein.

Öffentliche "Info-Märkte" im Landkreis sind am Montag, 20. Januar, im Hotel "Seenario" in Tirschenreuth und am Dienstag, 21. Januar, in der "Petersklause" in Großbüchlberg geplant. Tennet-Mitarbeiter stehen jeweils von 15 bis 19 Uhr für Gespräche - unter anderem über das weitere Verfahren und Entschädigungsmöglichkeiten - zur Verfügung. Allein in der Oberpfalz sind über 1000 Grundstückseigentümer vom geplanten Erdkabel betroffen.

Um die eigenen Interessen im Verfahren zu wahren, ist der Landkreis Tirschenreuth dem "Bündnis Hamelner Erklärung" beigetreten. Mit den Landkreisen Hof, Neustadt/WN, Schwandorf und der Stadt Weiden teilt man sich Rechtsanwalt und Fachplaner. Das empfindet die zuständige Abteilungsleiterin des Landratsamtes als große Entlastung im Verfahren mit zahlreichen langwierigen Anhörungsterminen. "Für Otto Normalverbraucher ist das Ganze nicht ganz einfach", weiß sie um viele Missverständnisse in der Bevölkerung. Dazu trägt die gleichzeitige Planung des Ersatzbaus für den Ostbayernring bei. Für die Unterscheidung hat Kestel einen griffigen Vergleich: "Der Süd-Ost-Link ist mit einem ICE vergleichbar, der ohne Haltestelle durchrauscht." Die Fertigstellung dieser Stromtransport-Möglichkeit mit Erdkabeln für Spannungen bis 525 Kilovolt ist bis 2025 vorgesehen.

Bereits 2023 soll der neue Ostbayernring in Betrieb gehen. Diese Stromleitung vergleicht Regina Kestel mit einem Regionalexpress, der die Versorgung vor Ort sicherstellt und vor allem auch in der Region erzeugten Strom weitertransportieren kann. "Hier befinden wir uns schon im Planfeststellungsverfahren", informiert die Regierungsdirektorin. Anfang 2020 sollen die Erörterungstermine folgen, zu denen die Einwendungsführer eingeladen werden.

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Maria Estl

Einige Aussagen der Oberregierungsrätin Kestel, Juristin beim Landratsamt Tirschenreuth, zeugen von deutlichen Informationslücken. So meint sie, dass der Beitritt des Landkreises Tirschenreuth zum Verein „Bündnis Hamelner Erklärung“ die eigenen Interessen wahrt. Mit den Landkreisen Hof, Neustadt/Waldnaab und der Stadt Weiden teile man sich Rechtsanwälte und Fachplaner, die sie als große Entlastung im Verfahren sehe. Folgende Fakten scheinen hier nicht bekannt zu sein: Das Hamelner Bündnis ist nur scheinbar eine eigenständige Vertretung der Kommunen, denn es arbeitet eng mit der OECOS GmbH zusammen, deren Rechtsanwälte auch für EON und den Netzbetreiber 50Hertz tätig waren. 50Hertz „betreut“ den nördlichen Abschnitt des Süd Ost Links. Die Oecos GmbH tritt auch laut ihrer Imagebroschüre für Wirtschaftsunternehmen auf. Und Dr. Karsten Runge, Geschäftsführer der OECOS betätigte sich auch schon als Berater für die „Risikokommunikation“ zum Netzausbau aus Sicht betroffener Bürger auf und zeigte damit, dass er Strategien entwickelt, wie aufmüpfige Bürger befriedet werden können. Bei den Kommunen und Landkreisen ist seine Rechnung schon aufgegangen, wie die Äußerungen Regina Kestels beweisen. Schade, statt sich für die Belange der Bürger einzusetzen, geht man den Rattenfängern des Hamelner Bündnisses auf den Leim.
Fundierte Informationen zu Einspruch und Widerstand gegen diese Stromleitungen werden aber auch angeboten, und zwar am 22.01.2020 , 19.30 Uhr in der Stadthalle Neustadt/Waldnaab. Diese Veranstaltung sollte Regina Kestel vielleicht auch einmal besuchen.

15.01.2020