24.10.2018 - 19:09 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Tagsicht während der Nachtschicht

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) rückt näher. In Tschechien ist das Virus nachgewiesen. Im Landkreis Tirschenreuth haben Jäger die Möglichkeit den Wildschweinen, die als Wirt dienen, mit Nachtsichttechnik auf die Schwarte zur rücken.

Moderne Technik macht's möglich. Mit dem Nacht-Zielgerät wird die Nacht schlagartig zum Tag.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Aus Ungarn, Polen, dem Baltikum, Moldawien, Rumänien, Bulgarien, Weißrussland, der Ukraine, Georgien, Armenien und Aserbaidschan sind Fälle bekannt wo die ASP bei Hausschweinen nachgewiesen wurde. Der Supergau für den jeweiligen Bauern, denn bei Auftreten, muss der komplette Bestand gekeult werden. Das tödliche Virus nutzt Wildschweine als Wirt auf seinem Weg in Richtung Westen. Wildschweine sind hierzulande außerdem aus dem Grund unbeliebt, weil sie große Schäden in der Landwirtschaft anrichten.

Bestimmungen gelockert

Beizukommen war den Schwarzkitteln bisher nur durch die Jagd in hellen Vollmondnächten. Da reicht das Licht einigermaßen aus, um einen tödlichen Schuss auf dem massigen Körper anzubringen. Um die Jagd effektiver zu machen, lockern immer mehr Landkreise die Bestimmungen und erlauben interessierten Jägern die umstrittene Methode mit Nachtsicht-Technik den Schwarzkitteln das Leben schwerer zu machen. Schwandorf, Hof, Wunsiedel und Tirschenreuth sind Landkreise in denen die Jagd mit der Nacht-Zielhilfe erlaubt ist. Wie Walter Brucker, Pressesprecher des Landratsamtes Tirschenreuth mitteilt, ermöglicht die Behörde bereits seit März 2018 jedem Revierinhaber auf Antrag ein Nachzsichtgerät in Verbindung mit der Jagdlangwaffe einzusetzen, wenn die rechtlichen Voraussetzungen vorliegen. Bis Mitte Oktober wurden 15 Anträge von Revierinhabern gestellt und genehmigt. Ein Sammelauftrag des Forstbetriebs Waldsassen für seine 26 Förster und Jagdgäste ist noch im Genehmigungsverfahren.

Landrat beauftragt

Die Genehmigungen beinhalten eine jagdrechtliche Erlaubnis und eine waffenrechtliche Beauftragung in Form eines öffentlich-rechtlichen Vertrages. Die jagdrechtliche Erlaubnis wird von der Unteren Naturschutzbehörde erteilt, die waffenrechtliche Beauftragung als öffentlich-rechtlichen Vertrag unterscheibt der Landrat.

Wolfgang Pröls und sein Sohn Michael sind beide Förster im Forstbetrieb Waldsassen und nutzen für ihr privat gepachtetes Jagdrevier zwischen Wiesau und Mitterteich die Nachtsichttechnik bei der Wildschweinjagd. Ausschließlich für diese Wildart darf die Technik, die die Nacht zum Tag macht, benutzt werden. Alles andere jagdbare Wild ist davon ausgenommen.

In das Equipment für die Saujagd bei tiefschwarzer Nacht haben die beiden passionierten Jäger rund 7500 Euro investiert. Es besteht aus der Nachtsicht-Zielhilfe, die mit Restlichtverstärkung und Infrarotzuschaltung arbeitet und auf das Zielfernrohr montiert wird, sowie aus einer handlichen Wärmebildkamera, die das Fernglas ersetzt und zum Ansprechen des Wildes dient. Mit letzerem lassen sich sogar Fotos und kurze Videoclips realisieren.

Wolfgang und Michael Pröls sind begeistert von der Technik. Vor allem deshalb, weil sie jetzt nicht mehr auf Vollmondnächte angewiesen sind, um Wildschweine zu schießen. Ob klare Sicht, bewölkter Himmel oder Nieselregen, spielt künftig keine Rolle mehr. Nur Nebel macht auch die Zielhilfe mit Restlichtverstärker blind. Wolfgang Pröls schätzt vor allem, dass er jetzt nicht mehr darauf angewiesen ist auf der Jagdkanzel auszuharren und zu warten, bis ein Wildschwein vorbeikommt. Denn mit der Nachtsichtausrüstung ist er mobil geworden, kann er sich nachts frei auf der Flur oder sogar im Wald bewegen. Eingehängt in den mitgeführten Zielstock ist das Jagdgewehr genauso fixiert als würde es der Schütze auf dem Hochsitz auflegen.

Ein sicherer Schuss auf ein Wildschwein bis zweihundert Meter Entfernung sei damit realisierbar, weiß der erfahrene Jäger, der seit gut 40 Jahren dem Waidwerk frönt. Die Sicht durch das Zielfernrohr ist sogar bis 500 Meter hervorragend. Das habe den Vorteil, dass der Jäger ganz genau sieht, was vor und hinter dem Ziel passiert. "Ein immenser Gewinn an Sicherheit", sagt Wolfgang Pröls. "Sauen sind sehr lernfähig", weiß der Jäger. "Sie haben schnell kapiert, dass es bei Vollmond auf Freiflächen wie Äckern und Wiesen gefährlich ist die Deckung zu verlassen und treiben sich dann lieber am Waldrand oder direkt im Wald herum." Neben Regionen in Deutschland werden außerdem in Tschechien und in der Schweiz Nachtsicht-Zielhilfen genutzt. Im Kanton Zürich schon seit fast 20 Jahren, weiß Pröls. Die Schäden in der Landwirtschaft seien dadurch deutlich zurückgegangen, weil sich die Sauen einfach mehr im Wald aufhielten.

Verhalten wandelt sich

Auch in Nittenau im Landkreis Schwandorf liefe seit einigen Jahren ein Feldversuch mit der Nachtsicht-Technik. Dort gäbe es die gleichen Erkenntnisse wie in der Schweiz. Ein Jägerfreund nutze die Technik seit geraumer Zeit in einem Revier bei Franzensbad in Tschechien. Dabei habe er zwei Erkenntnisse gewinnen können. Erstens wären weniger Frischlinge im Bestand, weil sie jetzt eben erlegbar sind. Zweitens stellte die Jagdgemeinschaft fest, dass die Wildschweine jetzt eher tagaktiv agieren. Offensichtlich hätten sie gelernt, dass sie in der Nacht nirgends mehr sicher sind und bevorzugten deshalb das Tageslicht, weil sie da Gefahren schneller erkennen könnten, so die Einschätzung des Jagdfreundes.

Seit drei Monaten teilen sich Wolfgang und Michael Pröls die Nachsichtausrüstung. Sie haben damit bisher acht Wildschweine geschossen. "Fünf davon hätten wir ohne das neue Equipment sicher nicht bekommen", sind sie sich einig.

Auf dem Zielstock liegt das Jagdgewehr wie angeschraubt.
Das Nachtsichgerät wird einfach auf das Zielfernrohr aufgesteckt und verriegelt.
Der Rehbock wurde mit zusätzlich mit IR- Illuminator fotografiert. Er und alle anderen jagdbaren Wildarten außer dem Wildschwein, dürfen nicht mit Nachtzieleinrichtung bejagt werden.
Der Einsatz der Nachtziel-Technik hat bewirkt, dass in einem bestimmten Revier in Tschechien die Wildschweine wieder tagaktiver geworden sind.
Eine Wiese nach nächtlichem Sauenbesuch.
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