"Wir besprechen zum Schuljahresanfang, was wir spielen wollen", berichtet Lehrerin Marianne Stangl, die Regie führt. Nach dem Märchen "Frau Holle" hätten sich die Jugendlichen diesmal etwas Anspruchsvolleres gewünscht. Jetzt muss das 15-köpfige Theater-Team Goethes Reime und Prologe auswendig lernen, die manches Mal gar sinnlos erscheinen. Natürlich gibt es Schützenhilfe von der Regisseurin. "Wir haben den Text gemeinsam gelesen", so Stangl. Themen wie Jugend, Liebe, Macht und Wissen seien immer aktuell.
Und da sich für die Hauptrollen jeweils gleich drei Interessierte gemeldet haben, hat Stangl Faust, Mephisto und Gretchen kurzerhand doppelt besetzt. "So kann man Faust in seiner Gespaltenheit, Gretchen in seiner Verzweiflung zwischen Liebe und Moral und Mephisto in seiner diabolischen Vielfalt einfacher darstellen", erklärt die Theaterchefin. Auf Kulissen wird weitgehend verzichtet, alles spielt sich vor schwarzen Wänden in der Schulaula ab. Nicht aber auf Effekte, die eben müssen sein. Ein 17-köpfiges Technikteam unter den Schülern kümmert sich um Bühnenbau, Requisiten, Licht und Ton. Damit ist nahezu die gesamte Schule von der 5. bis zur 9. Klasse ins Theaterprojekt eingebunden.
Natürlich fehlt auch die AG Tanz nicht. Die "Hexen am Brocken" üben gerade ihren modernen Tanz, den sie mit Lehrerin Sandra Meier einstudiert haben. Die Mädels sind gut in Form, die Choreographie sitzt. Etwas mehr Gas geben muss die Technik. Marianne Stangl ermahnt ihr Team, aufmerksam zu bleiben. Die Spots müssten effektvoll eingesetzt werden, lautet die Regieanweisung. "Das gesamte Treppenhaus wird Theaterbühne", erklärt die AG-Leiterin. Das biete sich an, um dem Stück mehr Raum zu geben.
"Bitte lauter. Nicht flüstern", ruft sie dann sogleich dem Gretchen zu, das von Anja Gradl und Leni Richtmann gleichzeitig gemimt wird. Beide "Gretchen" könnten noch zulegen, rät die erfahrene Regisseurin, die auch privat gerne Theater spielt. Die Sprache muss sitzen. Es werden schließlich neben eigenen Texten auch Originalzitate hergenommen. "Am Schwierigsten ist es, die Dichtersprache zu verwenden. Man muss sich erst an die Melodie und den Rhythmus der Reime gewöhnen", sagt Stangl, die das ihren Schülern aber zutraut. Nach drei Wiederholungen der Gretchen-Dramaturgie ist Marianne Stangl erst einmal zufrieden. Das Gericht wird aufgebaut, die nächste Szene steht. Dennoch: Arbeit bleibt noch genug bis zum 4. Juli. Wenn alles gut klappt soll bis dahin "Goethes Faust I" nicht nur für die Schule, sondern auch für die Öffentlichkeit aufgeführt werden.













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