05.06.2019 - 12:03 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Tierheim Tirschenreuth: "Zustand nicht tragbar"

Mit einem Ortstermin am Tierheim Tirschenreuth startete der Gemeindetag in seine Sitzung. Tierheim-Leiterin Daniela Riedl schildert die prekäre Lage der Einrichtung. Nicht für alle Probleme wissen die Bürgermeister eine schnelle Lösung.

Die Bürgermeister des Landkreises Tirschenreuth besichtigen das Tierheim in Tirschenreuth. Leiterin Daniela Riedl weist auf viele Missstände hin.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Ein Schreiben der Tierheim-Verantwortlichen war der Auslöser. Darin informierte der Kreistierschutzverein die Kommunen, dass die Fundtierpauschale von 50 auf 80 Cent erhöht werden müsse. In der vergangenen Sitzung des Gemeindetags hatte Waldsassens Bürgermeister Bernd Sommer eine Besichtigung des Tierheims angeregt, um sich vor Ort einen Überblick zu verschaffen.

Dort erläuterte nun Daniela Riedl, Tierheim-Leiterin und Vorsitzende des Kreistierschutzvereins, die Umlagenerhöhung und die aktuelle Situation der Einrichtung. Seit 2004 ist die Weidenerin Leiterin des Tierheims. Aktuell betreuen 5 Personen 95 Katzen und 24 Hunde. Riedl beklagt nicht nur den schlechten baulichen Zustand und den Platzmangel, sondern auch die Überlastung der Mitarbeiter - immer wieder müssten krankheitsbedingte Ausfälle kompensiert werden. Für eine weitere Anstellung sei kein Geld da. "Auch mit der Unterstützung durch Ehrenamtliche stoßen wir an unsere Grenzen", sagte die Leiterin. Man brauche ein gewisses Stammpersonal. "Der Betrieb nur mit Ehrenamtlichen funktioniert nicht", erklärte Riedl. Die Einführung des Mindestlohns fresse die Rücklagen des Vereins.

50 000 Euro Defizit

Dringend benötigt werden ein zusätzlicher Lagerraum oder Container für Futterspenden und Decken sowie Transportboxen. Von den Wänden platzen die Fließen ab, einige Räume sind von Schimmel befallen und das Dach der Hundezwinger sei marode. "Die Zustände sind nicht mehr tragbar. Wir können das alleine nicht mehr schaffen", sagte die Vorsitzende des Kreistierschutzvereins.

Der Betrieb koste jährlich zwischen 220 000 und 250 000 Euro. Darin enthalten seien Personal- und Tierarztkosten sowie Ausgaben für Wasser und Strom. "Das ist nicht viel", fand Riedl. Das Defizit von rund 50 000 Euro werde aus den Rücklagen finanziert. Doch mit den 200 000 Euro aus einer Erbschaft hätte eigentlich das dringend benötigte, neue Hundehaus gebaut werden sollen, das schon seit Jahren auf der Wunschliste steht. Der Rest komme über Spenden, Tiervermittlungen, die Herbstsammlung, das Tierheim-Lädchen oder Erbschaften herein.

"Moderate Erhöhung"

Eine Erhöhung der Beiträge um 30 Cent pro Einwohner sei moderat, findet Riedl. "Wir schmeißen das Geld nicht zum Fenster raus", betonte sie. Die Hundehütten, wie auch die Umzäunung im Außenbereich seien in Eigenleistung errichtet worden.

Die Bürgermeister dröselten die Probleme in zwei Anliegen auf. Zum einen, dass die laufenden Kosten nicht gedeckt werden können und so das Ersparte schmilzt. Um die finanzielle Lage nachvollziehen zu können und die Erhöhung auch vor den Stadt- und Gemeinderäten vertreten zu können, forderten sie eine Ein- und Ausgaben-Aufstellung. Der zweite Punkt sei der Neubau eines Hundehauses: Zunächst sollten das Haus geplant und Möglichkeiten einer Förderung gesucht werden, schlugen die Bürgermeister vor. Wenn man etwas auf dem Papier habe - ein konkretes Projekt - könnten sich die Rathauschefs vorstellen, das Tierheim mit einem einmaligen Zuschuss finanziell zu unterstützen.

Zudem kam aus den Reihen der Bürgermeister der Vorschlag, als Hilfskraft einen Bundesfreiwilligendienstler einzustellen. Auch für das Lager-Problem hatten sie eine Idee: Regionale Firmen würden immer wieder alte Baucontainer ausrangieren und günstig weiterverkaufen. Dies könnte eine schnelle und einfache Lösung für das Platz-Problem des Tierheims sein.

Hintergrund:

Vergleich mit Wunsiedel

Der Kreistierschutzverein Tirschenreuth übernimmt für 22 der 26 Landkreis-Kommunen deren gesetzliche Verpflichtung, sich um ausgesetzte und verloren gegangene Tiere zu kümmern. Die Gemeinden Konnersreuth, Pechbrunn, Fuchsmühl und Neualbenreuth sind vor sieben Jahren bereits abgewandert – sie haben einen Vertrag mit dem Wunsiedeler Tierheim, das im jeweiligen Gemeindegebiet aufgefundene Tiere aufnimmt. Dort zahlt die Gemeinde eine Fundpauschale von 20 Cent pro Einwohner. Der niedrige Beitrag sei dort laut Daniela Riedl nur durch Sponsoren und höheren Erbschaften zu halten. Das Tierheim Tirschenreuth erhöhte die Umlage zuletzt 2016 – von 20 auf 50 Cent pro Einwohner für die Versorgung von Fundtieren.

Die Bürgermeister des Landkreises Tirschenreuth besichtigen mit Landrat Wolfgang Lippert vor der Gemeindetag-Sitzung das Tierheim in Tirschenreuth. Leiterin Daniela Riedl (Mitte) weist auf viele Missstände hin.
Tierheim-Leiterin Daniela Riedl erläutert den Bürgermeistern, warum eine Erhöhung der Fundpauschale nötig war.

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