Tirschenreuth
21.04.2026 - 10:49 Uhr

Tirschenreuther Insolvenzberater warnt vor Folgen der hohen Spritpreise

Die hohen Spritpreise an Tankstellen erhitzen die Gemüter – und machen sich vor allem in den Geldbeuteln bemerkbar. Was, wenn man sich das nicht mehr leisten kann? Ein Insolvenzberater aus Tirschenreuth macht sich Sorgen.

Von Thorsten Schreiber

Die Caritas Tirschenreuth-Wunsiedel bietet seit vergangenem Jahr Beratung nicht nur bei Schulden, sondern auch bei Insolvenz an. In einer Pressemitteilung warnen die Verantwortlichen nun vor den Nachwehen der hohen Spritpreise. Kein Thema erhitze zurzeit die Gemüter mehr: die hohen Spritpreise an Tankstellen wegen der weltpolitischen Lage. Was auch finanziell stabile Menschen beschäftige, könne allerdings für hoch Verschuldete der letzte Dolchstoß sein, warnt Stefan Zwerenz von der Insolvenzberatung der Caritas Tirschenreuth-Wunsiedel. Besonders betroffen seien diejenigen, die versuchten, sich aus eigener Kraft aus dem Schuldenberg zu befreien und vielleicht zu einem oder mehreren Jobs pendeln müssen.

Es sei zwar klar, dass niemand, der vorher in stabilen finanziellen Verhältnissen gelebt habe, wegen der Spritpreise in die Schuldenfalle geraten werde. Aber wer dauerhaft mehr für Benzin und andere Fixkosten ausgeben müsse, gerate leichter in Zahlungsrückstände bei Krediten, Miete oder anderen Verpflichtungen. Langfristig könne das zu einer Zunahme von Überschuldung und damit zu mehr Beratungs‑ beziehungsweise Insolvenzfällen führen. Für Ende des Jahres rechne der Sozialpädagoge Zwerenz mit einem deutlichen Anstieg der Fälle.

Verschuldete verängstigt

Aus seinem Arbeitsalltag berichtet Zwerenz in der Mitteilung, dass viele Verschuldete sehr verängstigt seien, wenn sie bei der Beratungsstelle anrufen und beim ersten Kontakt gleich einen Insolvenzantrag vereinbaren möchten. Zu Beginn werde jeder Fall in der Schuldnerberatung behandelt, denn nur circa zehn Prozent entwickelten sich zu einem Insolvenzantrag. Zunächst werde geklärt, welche Einkünfte und Ausgaben eine Person habe "und ganz altmodisch ein Haushaltsplan erstellt", erklärt der Experte. Bei gutem Einkommen gebe es die Möglichkeit der Lohnpfändung. Bei Beschäftigten im Niedriglohnsektor oder Bürgergeldbeziehern könne jedoch nur wenig oder überhaupt nicht getilgt werden. Dann könnten horrende Benzinpreise der Dolchstoß sein. Denn steigende Ausgaben für Mobilität reduzierten das verfügbare Einkommen privater Haushalte. Wer mehr Geld für Alltagskosten wie Sprit, Lebensmittel oder Miete ausgeben müsse, habe weniger Budget für andere Rechnungen übrig.

2025 hätten 136 Klienten das Beratungsangebot der Schuldnerberatung in Anspruch genommen, heißt es in der Mitteilung weiter. Davon seien in 15 Fällen Insolvenzberatungen nötig gewesen. Heuer (Stand Ende März) seien es bereits 72 Personen, die wegen einer Verschuldung Kontakt zur Beratungsstelle gesucht hätten. Davon werden 16 Klienten in Sachen Insolvenz beraten.

Enormer Kraftakt

Die Beweggründe, die Schuldner- und Insolvenzberatung aufzusuchen, sind vielfältig: "Viele meiner Klienten leben nicht verschwenderisch, aber wenn man vorher gerade so über die Runden kam, wird es zum Beispiel aufgrund erhöhter Kraftstoff- und im Nachhall auch Heizkosten ein enormer Kraftakt, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten", wird Zwerenz in der Mitteilung zitiert. Die Hauptgründe sieht Zwerenz in zwei Punkten: in der Altersarmut, denn 40 Prozent der Altersrentner in Deutschland beziehen unter 1000 Euro im Monat, sowie im Niedrigeinkommen.

Was die Caritas nicht leiste: "Wir können keine Schulden übernehmen. Das ist ein weit verbreiteter Irrglaube in der Bevölkerung. Auch Selbstständige werden nicht im Rahmen einer Insolvenzberatung begleitet und auch keine Immobilienfinanzierungen erstellt", erklärt Zwerenz.

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