04.06.2020 - 17:31 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Tirschenreuther Stewardess hilft 1,2 Millionen Schutzmasken von Shanghai für Deutschland zu holen

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Sabine Pfleger hat als Stewardess reichlich Erfahrung. 30 Jahre übt sie diesen Beruf schon aus. Aber ein Flug nach Shanghai in der Coronakrise wird ihr ewig in Erinnerung bleiben.

Sabine Pfleger hielt diesen besonderen Moment mit Handyfotos fest. Die Stewardess aus Tirschenreuth holte 1,2 Millionen Masken aus Shanghai.
von Vanessa Lutz Kontakt Profil

Zusammen mit ihrer Crew hat sie aus Shanghai 1,2 Millionen Schutzmasken abgeholt. "Es war der emotionalste Flug, den ich in 30 Dienstjahren gemacht habe", sagt die Tirschenreuther Stewardess.

Flugbegleiterin zu sein, ist kein normaler Job, sagt Sabine Pfleger. "Es ist eine Berufung." Schon immer habe sie großes Fernweh geplagt. "Ich hatte Brieffreunde in der ganzen Welt", erzählt Pfleger, die aus einer ländlichen Gegend in Nordhessen stammt. In der elften Klasse sah sie eine Fernsehreportage über die Lufthansa. Pfleger bewarb sich nach einem Aufenthalt in Frankreich und einer Hotelfachlehre, wurde genommen - und blieb seitdem.

Ab Mitte März hatte Pfleger coronabedingt lange keinen Einsatz mehr, Lockdown, die Flugzeuge blieben am Boden. Melancholisch sei sie gewesen in der Zeit, "denn wenn man fliegt, macht man das mit Leib und Seele". Nun saß Pfleger zuhause und las "schreckliche Meldungen in der Zeitung". Besonders hier im Landkreis Tirschenreuth seien viele von Corona betroffen gewesen, die Krankheit und ihre Folgen seien "nah zu spüren" gewesen. Als Pfleger die Möglichkeit bekam, mit dem Airbus A 350 der Lufthansa dringend benötigte Masken aus Shanghai abzuholen, zögerte sie nicht lange. "Ich habe mich freiwillig gemeldet."

Im April, zur Hochzeit der Coronakrise in der Region, durfte Pfleger wieder in die Luft. "Ich war ganz aufgeregt", sagt Pfleger. Kein Auge habe sie zubekommen vor dem Flug. Und das, obwohl sie morgens um kurz nach 4 Uhr zum Briefing in München antreten musste. Also stieg sie kurzerhand ins Auto, fuhr in die Landeshauptstadt - und schlief in der Tiefgarage.

Heute muss sie darüber lachen. Die ganze Crew sei nervös gewesen, drei Stewardessen, vier Piloten und ein Belademeister. "Der Kapitän hat sich wunderbar um uns gekümmert, hat vor dem Flug mit uns gesprochen, wie es uns geht." Das Briefing wurde genutzt, um sich emotional auf diese besondere Reise vorzubereiten.

Und dann ging es in die Luft - unter völlig anderen Bedingungen: Wo sonst Passagiere im Airbus A 350 sitzen, sollten die großen Maskenpakete verteilt werden. Die Crew hielt sich an die Hygienevorschriften, trug während des Fluges Masken und hielt Abstand. Dennoch: Das Zusammengehörigkeitsgefühl sei sofort wieder dagewesen.

Sabine Pfleger während des Fluges nach Shanghai.

Erster Zwischenstopp: Seoul in Südkorea. Der riesige Flughafen, sonst von Menschen überfüllt war, sei gespenstisch leer gewesen. "Da hat mich eine Welle überrollt", sagt Sabine Pfleger. "Man hat gespürt, dass weltweit alle betroffen sind." Die Crew übernachtete dort im Flughafenhotel. Am nächsten Tag ging es weiter nach Shanghai.

"In Shanghai durften wir die Türen nicht öffnen", erzählt die Tirschenreutherin. Die Crew wurde am Rollfeld von zahlreichen chinesischen Mitarbeitern in Schutzanzügen empfangen, die zuerst bei Pfleger und ihren Kollegen Fieber maßen. "Danach hat jemand das komplette Flugzeug desinfiziert." Drei Stunden dauerte danach die Beladung der A 350 mit den 1,2 Millionen Schutzmasken. "Alles war voll, Kisten über Kisten", sagt Pfleger. Sie wurden auf den Sitzplätzen und in den Gepäckfächern verstaut. Direkt danach ging es sofort wieder zurück in Richtung München. Die Aufgabe der Crew war es nun, Kontrollgänge zu machen. "Es war sehr emotional", sagt sie. "Man wusste, die Masken werden dringend gebraucht." Ab und an habe sie mit ihrer Hand über einzelne Kisten gestreichelt.

Nach dem Flug fuhr Pfleger wieder zu ihrer Familie nach Tirschenreuth zurück - und ging schlafen. "Ich war total müde", sagt sie. Die folgenden Tage sei jeder in ihrem Umfeld neugierig gewesen, Pfleger erzählte von dem besonderen Flug. "Und da habe ich dann zum ersten Mal wirklich realisiert, was eigentlich genau passiert ist und dass ich ein Teil davon war."

Die chinesischen Mitarbeiter beluden das komplette Flugzeug mit den Schutzmasken.

Bedenken vor dem Flug wegen einer Ansteckungsgefahr hatte die Stewardess "überhaupt nicht", wie sie sagt. "Die Luft im Flieger ist so rein wie im OP-Saal." Die Luft werde von oben nach unten verteilt und abgesaugt. "Weltweit gibt es keinen Fall, dass eine Ansteckung im Flugzeug erfolgt ist."

Darum, und auch wegen der Liebe zum Beruf, habe sich Pfleger wieder für ihren nächsten Flug gemeldet, bei dem nur Gäste mit amerikanischem Pass oder einer Green-Card an Bord sein werden: Nächste Woche Mittwoch geht es nach Los Angeles.

Die Crew wurde von chinesischen Mitarbeiterin in Schutzanzügen empfangen. Zuerst wurde jedem Fieber gemessen und anschließend das Flugzeug desinfiziert.
Drei Stunden dauerte das Beladen der A350. Die Kisten mit den 1,2 Millionen Masken wurden auf den Sitzplätzen und in den Gepäckfächern verstaut.
Flugverkehr:

Fliegen in Corona-Zeiten

Der Flugverkehr läuft allmählich wieder an, am Mittwoch startete eine Lufthansa-Maschine zum ersten Interkontinentalflug nach Los Angeles, sagt Pressesprecherin Sandra Kraft. "Wir freuen uns wahnsinnig, dass es weitergeht." Doch es herrschen verschärfte Hygieneregeln: Das Einchecken läuft kontaktlos ab, beim Boarding werden die Gäste nach Zonen aufgerufen. Auf den Flughäfen sind Abstandsmarkierungen angebracht, damit kein Gedränge entsteht. Während des Fluges besteht Maskenpflicht, Zeitschriften in Papierform werden nicht mehr angeboten und die Verpflegung wird reduziert. Der Ausstieg nach dem Flug wird durch die Crew geordnet, die auch den Innenraum reinigt und desinfiziert.

Erste USA-Flüge starteten bei Lufthansa am Mittwoch

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