Tirschenreuth
20.02.2026 - 12:55 Uhr
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Tourismus im Landkreis Tirschenreuth: Aufwärtstrend dank steigender Übernachtungszahlen

Im Landkreis Tirschenreuth geht es wieder aufwärts im Tourismus. Trotz leichtem Rückgang der angebotenen Betten nimmt die Auslastung zu. Was den Kreis für Gäste attraktiv macht und welche Pläne für 2026 in der Schublade liegen.

Es geht wieder ein bisserl nach oben mit dem Tourismus im Landkreis Tirschenreuth – auch wenn das "Corona-Hoch" im Jahr 2021 mit knapp vier Aufenthaltstagen nicht gehalten werden konnte. "Das ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass die Menschen ihren Haupturlaub zunehmend wieder im Ausland verbringen", meint Sabrina Busch. Die Tourismus-Sachgebietsleiterin am Landratsamt hatte in der vergangenen Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Verkehr, Tourismus und Kultur über aktuelle Projekte und Planungen für 2026 informiert.

"Die Übernachtungen sind wieder ein bisschen gestiegen, die Ankünfte verzeichnen einen leichten Zuwachs", bilanzierte sie in der Sitzung. 368.609 Übernachtungen seien es 2025 gewesen, ein Plus von zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr; bei den Ankünften waren es 0,1 Prozent mehr als 2024, nämlich 114.024. Der Tourismus sei ein starker Wirtschaftsfaktor – der Bruttoumsatz im vergangenen Jahr lag bei 92,8 Millionen Euro –, die Zahl der Tagesgäste steige, der durchschnittliche Gast gebe im Landkreis 104 Euro pro Tag aus. "Dieser Wert ist eine Mischung aus Tages- und Übernachtungsgästen", erklärt Busch auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien.

Wie sie weiter mitteilt, sind die Bettenzahlen und Anzahl der geöffneten Betriebe in den vergangenen drei Jahren deutlich zurückgegangen: Waren es 2023 noch 91 geöffnete Betriebe mit 2602 angebotenen Betten, sank diese Zahl ein Jahr später auf 83 geöffnete Betriebe mit allerdings 2638 angebotenen Betten. 2025 waren es 79 geöffnete Betriebe mit 2503 angebotenen Betten. Deren Auslastung steigt allerdings: "Die geöffneten Betriebe fangen die Gäste größtenteils auf", erklärt Busch. Das sehe man auch an den steigenden Übernachtungszahlen: 2023 waren es 35,4 Prozent, ein Jahr später 32,9 Prozent und vergangenes Jahr sogar 40,4 Prozent. Gleich bleibe die durchschnittliche Aufenthaltsdauer im Landkreis Tirschenreuth mit 2,7 Tagen.

Sibyllenbad als Zugpferd

Aushängeschild für den Tourismus im Landkreis ist nach wie vor das Sibyllenbad. Daneben seien auch andere Gemeinden und Sehenswürdigkeiten Höhepunkte, "die eine Strahlkraft weit über die Landkreisgrenzen entwickelt haben", meint Busch und nennt unter anderem den Naturpark Steinwald und das Waldnaabtal, die barocke Klosterstadt Waldsassen und Friedenfels sowie die Zoigltradition in Mitterteich und Falkenberg. Besonders gut kämen auch die herzlichen Gastgeber an oder auch das "NaturResort Steinwald" am Thumsenreuther Weiher sowie Wellnessoasen wie der Heindlhof in Poxdorf.

Und wo kommen die Gäste her? Aus der Erhebung des Bayerischen Landesamtes für Statistik könne man nur herauslesen, dass etwa 90 Prozent der Gäste aus Deutschland und 10 Prozent aus dem Ausland in den Landkreis kommen. Erfahrungsgemäß reisen Letztere hauptsächlich aus Tschechien und den Niederlanden – hier besonders Camper – an. Familienurlaub sei außerdem ein starkes Zugpferd im Oberpfälzer Wald und auch im Landkreis Tirschenreuth. Zu bedenken gibt Busch, dass in den Statistiken des Landesamtes nur die Zahlen von gewerblichen Betrieben erfasst würden.

Gravierende Unterschiede

Beim Blick in die Zahlen des Landesamts für Statistik zum Thema Tourismus und Gastgewerbe fallen gerade bei den Ankünften von Gästen Veränderungen zum Vorjahr auf: In Tirschenreuth etwa sind die Zahlen um 26,3 Prozent, in Friedenfels um 9,9 Prozent gestiegen; gesunken sind sie deutlich in Wiesau (-21,2 Prozent), in Pullenreuth (-14,4 Prozent) oder in Bad Neualbenreuth (-5,9 Prozent).

Woran liegen diese Unterschiede zu 2024? Busch schätzt, dass in Friedenfels etwa die Auszeichnung zum ersten Naturerlebnisdorf Bayerns sowie die gesteigerte Präsenz auf Messen, Außenwirkung durch Presseberichte und gesteigertes Angebot Gründe sein könnten. In Tirschenreuth vermutet sie hinter den gestiegenen Zahlen etwa die Neueröffnung des „8Rooms Altstadthotels“. In Bad Neualbenreuth scheint die Sanierung des Orientalischen Badetempels im Sibyllenbad und dem damit zusammenhängenden Besucherrückgang Grund für das Minus zu sein.

Aufklärung aus Gäste-Info

Eine Nachfrage bei der dortigen Gäste-Information ergibt ein anderes Zahlen-Bild: "Wir haben ein Plus von 0,1 Prozent", sagt Ursula Stingl. Grund für den Unterschied zum Landesamt für Statistik: Das erhebt nur die Unterkünfte ab zehn Betten. "Wir zählen alles", erklärt die Leiterin der Gäste-Information. Das Sibyllenbad sei zwar das Aushängeschild, jedoch kämen auch Gäste, die nicht ins Bad gehen. Sie zählt als "großes Plus" die Natur, Wanderungen und Waldgesundheit auf. "Locker über 20 Prozent" der Tagesbesucher kämen aus Tschechien, auch die Übernachtungsgäste aus dem Nachbarland würden immer mehr.

Für das Minus in Wiesau könnte das "Holzfellas", "das immer gut belegt war", Grund sein, wie Birgit Sailer von der Gemeinde einen Erklärungsversuch wagt. Weiter seien ein paar Vermieter weggefallen. Mit der Öffnung des "Holzfellas" vor Kurzem "müsste sich das wieder normalisieren", meint sie, beunruhigend seien die Zahlen nicht. Hubert Kraus kann sich die Zahlen nicht erklären. Der Pullenreuther Bürgermeister vermutet, dass diese "konjunkturbedingt sein könnten": In der einzigen großen Übernachtungsmöglichkeit seien meist Handwerker untergebracht, "vielleicht sind vergangenes Jahr nicht so viele gekommen". Kraus weiß, dass in seiner Gemeinde viele Gäste Urlaub auf dem Bauernhof machen und privat untergebracht sind.

Projekte und Kampagnen

2026 hat der Landkreis viel vor: Da wäre etwa eine "Niederlande-Kampagne", für die ein Film gedreht werden soll, um noch mehr Touristen aus dem Nachbarland herzulocken. Fest steht jeweils das Datum für den Tourismustag Oberpfälzer Wald in Kemnath am Dienstag, 24. März, sowie für den Radlersonntag am 26. April. Auf der Agenda steht außerdem das Leader-Projekt "Natürlich Ostbayern – Nachhaltigkeit im Tourismus im Fokus" mit dem Oberpfälzer Wald.

Auf Anregung von Bad Neualbenreuths Bürgermeister Klaus Meyer solle die Werbung für den Urlaub im Landkreis in Tschechien intensiviert werden. Dort würden Kuren und Massagen in den Heilbädern nicht zentral angeboten – im Sibyllenbad hingegen schon. Auch regte er an, die Kooperation mit dem Nachbarland auszubauen. "Da ist tatsächlich was am Laufen", verkündete Busch. Auf Nachfrage informiert sie, dass die neue Bärnauer Touristikerin und Museumsleiterin Marketa Monsportova derzeit mit dem Oberpfälzer Wald ein „Grenzüberschreitendes Tourismustreffen“ plant. "Außerdem profitieren wir von unserer ‚Aller.Land‘-Projektleitung Ivana Danisch, die selbst tschechische Wurzeln hat und aus ihren vergangenen Tätigkeiten schon viele Kontakte mitbringt, die wir auch für unsere touristische Arbeit nutzen können", erzählt Busch weiter.

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