20.02.2020 - 10:52 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Überleben im turbulenten Mutteralltag

Das Frauenfrühstück macht auch den jungen Gästen Spaß. Während die Mütter dem interessanten Vortrag lauschen, werden den Kindern Spiele geboten.

Ein großer Andrang herrschte wieder beim Frauenfrühstück im Stiftland-Gymnasium.
von Externer BeitragProfil

Zum ersten Frauenfrühstück in diesem Jahr hatten sich 156 Gäste angemeldet, dazu wurden 40 Kinder zur Betreuung mitgebracht. Vom Thema „Mama kann auch anders – vom Mama sein und Frau bleiben“ waren viele junge Mütter angesprochen, aber auch Omas und Tanten warteten gespannt auf den Vortrag von Katrin Karban-Völkl, Religionspädagogin aus Kemnath.

An liebevoll gedeckten Tischen, bestückt mit Willkommens-Karten mit Stift sowie Tellern mit duftenden Krapfen, durften sich alle auf einen entspannten Vormittag bei leckerem Frühstück und interessanten Gesprächen freuen.

Die Moderation bei dem Treffen am vergangenen Samstag im Stiftland-Gymnasium lag bei Marlene Schmieder, die die Singklasse der Kreismusikschule unter Leitung von Klaudia Kormann begrüßte. Die munteren Lieder der Kinder, darunter „Obstsalat“, wirkten wie ein Vitaminstoß für das Gemüt der Frauen.

Danach führte Andrea Männer anhand eines Diagramms eindrücklich vor Augen, wie stark die Geburtenrate von 1955 bis heute weltweit und in Deutschland abgenommen hat. An jedem Tisch wurde ganz praktisch ermittelt, wie viele Kinder, Nichten und Neffen da zusammenkommen. Ein Tisch konnte mit 48 Neffen bzw. Nichten punkten. Katrin Karban-Völkl stellte an den Anfang ihres Vortrags eine mutige Behauptung: „Wir werden jetzt die Welt verändern! Von Frau zu Frau kann ich hier offen reden. Ich möchte Ihnen etwas erzählen, aus dem Leben eines Oktopus.“ Dazu setzte sie einen gehäkelten Oktopus vor sich auf das Rednerpult.“ Das Weibchen kümmere sich aufopfernd um ihr Gelege und verzichte in dieser Zeit sogar auf die Nahrungssuche. „Es schützt und verteidigt den Nachwuchs vor Feinden und verlässt die Bruthöhle erst, wenn die Jungen selbst zurechtkommen. Erst dann schleicht das Weibchen sich weg, um vor Erschöpfung zu sterben.“ Forscher hätten herausgefunden, dass einmal ein Weibchen ihre Höhle sogar viereinhalb Jahre lang bewacht hat.

Katrin Karban-Völkl hielt beim Frauenfrühstück einen Spiegel hoch, der jeder Frau sagen soll: „Ich bin toll, so wie ich bin."

Größte Veränderung im Leben

Keinesfalls wollte die Referentin die Anwesenden im Saal mit so einem Oktopus-Weibchen vergleichen. „Wir sehen ihm nicht ähnlich!“ Es sei aber schön, dass sich die Frauen heute aus ihrer Höhle gewagt hätten, stellte die Referentin fest. Als Mutter von vier Kindern sei sie keine perfekte Mutter. „Mutter sein ist die größte Veränderung im Leben einer Frau! Alles sortiert sich neu, wenn man Mutter wird: die Zeitplanung, die Tageseinteilung, die Nächte, beruflich gerät man unter Druck, auch die Gefühle, alles verändert sich. Jedes Mal musste ich mich neu finden, nach jeder Geburt“, wusste die Referentin. Ein Kind zu bekommen, gleiche einem Terrorangriff auf die Beziehung.

„Körperlich war ich nach jeder Geburt am Ende“, berichtete Katrin Karban-Völkl. Ein Mann sagte einmal, ab der ersten Geburt sei jede Frau ein „Unfallauto“. Der Mann könne nicht verstehen, was in einem vorgeht. „Wir wünschen uns das, aber es geht einfach nicht.“ Die gute Botschaft sei, das es nicht auf den Lack ankomme, sondern auf die Grundierung.

Mit Blaulicht unterwegs

Eine Mutter sei eine einigermaßen glückliche Frau, wenn sie ihr Glück nicht von ihren Kindern abhängig mache. Oft sei eine Mutter wie eine Rotkreuzschwester, ständig mit Blaulicht unterwegs. Die Referentin hielt allen einen Spiegel hin, um zu sehen, wer diese Dauereinsatzperson sei. Jeder solle sich aber auch sagen: Das bin ich, ich bin toll, so wie ich bin. Die Frage „Was mache ich außerhalb der Familie gut?“ wurde miteinander in der Tischrunde besprochen. Ein Denkzettel mit Platz für gute Gedanken soll im Alltagstrubel dazu ermuntern, gute Ideen nicht zu vergessen, den Humor nicht zu verlieren.

Auszeiten nehmen

Mit einem Kaleidoskop an persönlich Erlebtem und praktischen Beispielen zog die Referentin die jungen und älteren Mütter und Tanten in ihren Bann und gab manch guten Ratschlag zum Überleben im turbulenten Mutteralltag. Sie ermunterte dazu, sich selbst nicht zu vergessen, sich schön zu machen, Auszeiten zu nehmen, auch wenn es nur ein kurzer Moment vor der Haustüre ist. Wenn die Kinder älter werden, sei auch ein ganzer Abend oder mehr möglich. Sich selbst eine Freizeitbetätigung (etwa Karten spielen) außerhalb der Familie zu suchen, die einem Spaß macht, sei ganz wichtig.

Abgewandelt könne das Wort Jesu im Umkehrschluss auch heißen: „Liebe deine Kinder wie Dich selbst, also liebe Dich selbst wie deine Kinder.“ Eine Mutter dürfe auch einmal stachelig sein wie ein Kaktus. „Mit allem darf ich zu Gott gehen. Gott will, dass wir sind, wie wir sind. Hätte er uns anders gewollt, hätte er uns anders gemacht“, so Katrin Karban-Völkl.

Zum Schluss warnte die Referentin vor Mama- und Oma-Fallen: 1. Vergleichen mit anderen; 2. Das muss noch schnell erledigt werden; 3. Das kann nur ich machen. Als Mutter könne man sich schnell verlieren auf diese Weise. Es sei wichtig, sich nicht nur „gebraucht“ als richtig und wichtig zu fühlen. Vor allem sei es wichtig, Mensch zu bleiben. Jeden Morgen an der Bettkante sollte man sich fragen: Was kann ich heute für mich tun?“

Mit einem selbst formuliertem Lied schloss Katrin Karban-Völkl ab: „Hab Mut und lebe jetzt.“

Ein Besuch beim Frauenfrühstück gefällt auch den Kindern.
Ein Besuch beim Frauenfrühstück gefällt auch den Kindern.
Auftritt der Singklasse der Kreismusikschule beim Frauenfrühstück.
Viel Abwechslung wurde den Kindern beim Frauenfrühstück geboten.
Viel Abwechslung wurden den Kindern beim Frauenfrühstück geboten.

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