20.01.2019 - 10:07 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Verzahnung ambulant und stationär alternativlos

Was als Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) in Waldsassen begann, ist längst ein vollwertiges Gesundheitszentrum der Region. Konnten beim Start zwei Vertragsarztsitze darin vereint werden, sind es heute sechs.

Die Ärzte des MVZ Stiftland gGMBH, stehend von links: Dr. Michael Rüth, Professor Rudolf Ascherl, Dr. Elmar Baumer, Dr. Jens Uwe Tauchert und Dr. Svend Hofmann sowie sitzend von links: Dr. Torsten Friese, Dr. Kai Wolfram, Dr. Alexandra Barthmann und Dr. Peter Höhn.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

"Weder Fach- noch Hausärzte sind derzeit aufs flache Land zu bekommen", stellte der Finanzchef und Prokurist der Kliniken Nordoberpfalz AG, Manfred Tretter, jetzt bei einer Gesprächsrunde mit der MVZ Stiftland gGmbH-Leitung und den praktizierenden Ärzten fest. Um bei der ärztlichen Versorgung nicht völlig auf der Strecke zu bleiben, habe die Kliniken AG bereits 2012 die Weichen richtig gestellt.

Acht Fachärzte

Im Oktober 2012 hat die AG das damalige MVZ Stiftland in Waldsassen übernommen und die Tochtergesellschaft MVZ Stiftland gGmbH gegründet. Zwei Ärzte und zwei medizinische Fachangestellte bildeten damals das Team. Sechs Jahre später gehören sechs Vertragsärzte zusammen mit Kollegen aus dem Krankenhaus, 20 Fachangestellte, eine Auszubildende und vier Reinigungskräfte zur Mannschaft. Bis Ende 2018 habe man die MVZ Stiftland gGmbH, bestehend aus MVZ Stiftland und MVZ Tirschenreuth, kontinuierlich ausgebaut. Es konnten weitere Facharztsitze, in Tirschenreuth (Chirurgie, Orthopädie sowie Gynäkologie und Geburtshilfe) und in Mitterteich (Orthopädie), dazugewonnen werden. Manfred Tretter, der bis Ende 2018 Geschäftsführer des Konstrukts war, freute sich, dass - inklusive der Teilzeitbeschäftigten - jetzt acht Fachärzte, 20 Sprechstundenhilfen, ein Verwaltungsmitarbeiter, eine Auszubildende und vier Reinigungskräfte in der gGmbH beschäftigt seien.

Im MVZ Tirschenreuth im Ärztehaus beim Krankenhaus ist Dr. Peter Höhnärztlicher Leiter. Er ist seit knapp 30 Jahren in der Kreisstadt und praktizierte, bevor er ins MVZ wechselte, 23 Jahre in seiner eigenen Praxis an der Mitterteicher Straße. Seine zwei Standbeine sind die Chirurgie und das Durchgangsarzt-Verfahren. Mit dem Schritt ins MVZ habe sich für die Patienten praktisch nichts geändert. "Die Leute merken kaum einen Unterschied, außer dass mehr Räume vorhanden und weitere Kollegen hier tätig sind."

Orthopäde Dr. Svend Hofmannerledigt in Tirschenreuth, wie sein Kollege Höhn, ebenfalls ambulante Eingriffe. Seine Karriere begann an einer Poliklinik in der DDR. "In dieser Art von Kliniken ist es selbstverständlich gewesen, dass der Arzt den Patienten vor, bei und nach der Behandlung gesehen hat." Dieses Vorgehen sei für den Arzt die beste Qualitätskontrolle. Diese Chance biete sich mit der MVZ-Lösung ebenfalls.Dr. Kai Wolframist auch Orthopäde, gehört seit Oktober 2018 zum MVZ Tirschenreuth und ist außerdem im Krankenhaus tätig. Auch er sieht es als großen Vorteil, dass er den Patienten vor der Operation im MVZ kennenlernen, danach seinen Genesungsprozess im Krankenhaus verfolgen und ihn anschließend wieder im MVZ nachbehandeln kann.

Der Orthopäde Dr. Elmar Baumerist neu im MVZ Tirschenreuth, wo er zwei Tage die Woche aushilft. Seine Karriere begann er als Angestellter im Städtischen Krankenhaus Weiden. Der Facharzt für Chirurgie und Unfallchirurgie war viele Jahre im Weidener Klinikum beschäftigt und hatte elf Jahre lang die Durchgangsarzt-Zulassung. Im MVZ führt er ambulante Eingriffe durch und steht als Vertreter bei Verfahren über die Berufsgenossenschaften zur Verfügung.

Zeitgemäße Struktur

Ab 1. April verstärkt Privat-Dozentin und Chefärztin der Klinik für Traumatologie, Spezielle Chirurgie und Endoprothetik im Krankenhaus Tirschenreuth, Dr. Alexandra Barthmann, das Team im MVZ. Medizinische Versorgungszentren seien eine zeitgemäße Struktur in der medizinischen Versorgung, erklärte sie. Die Verzahnung von Klinik und ambulant sei unter den aktuellen Rahmenbedingungen alternativlos.

Im Oktober 2017 hat der Gynäkologe Dr. Helmut Rüthseine langjährige Praxis in der Ringstraße ins MVZ Tirschenreuth eingebracht. Sein Sohn, Dr. Michael Rüth, stieg ebenfalls mit ein. Medizinische Versorgungszentren bezeichnet er als ein "anstrengendes wie zukunftsträchtiges Konzept", die Kombination stationär und ambulant sei äußerst interessant. "Fachärzte werden wir nur hierherbringen, wenn wir sie selbst ausbilden", stellte er fest. Das werde wohl noch zwei oder drei Jahre dauern, aber es gebe potenzielle Kandidaten.Professor Rudolf Ascherlist im MVZ Tirschenreuth und in der Filialpraxis des MVZ Stiftland in Mitterteich auf dem orthopädischen Sektor tätig. Die Filialpraxis wertet er als wichtigen Standort des Gesundheitswesens in der nördlichen Oberpfalz, "weil er zentral im Stiftland liegt." Derzeit sind neben ihm und Dr. Jens-Uwe Tauchert dort drei Sprechstundenhilfen tätig. Ascherl will die Sprechzeiten erweitern und schließt nicht aus, dass künftig teilweise auch zwei Fachärzte vor Ort sind.

Das MVZ Stiftland unterhält neben der Hauptpraxis in Waldsassen und der täglich geöffneten Filialpraxis in Mitterteich auch eine Filialpraxis in Selb. Ärztlicher Leiter ist Dr. Torsten Friese. Robert Drechselhat das MVZ Stiftland Ende 2018 verlassen, als Nachfolger konnte Dr. Jens-Uwe Tauchert gewonnen werden. Der Orthopäde hatte 2005 eine inzwischen geschlossene Einzelpraxis in Tirschenreuth eröffnet. Seine neue Tätigkeit im MVZ übt er etwa je zur Hälfte in Waldsassen und in Mitterteich aus.

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.