22.01.2020 - 14:58 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

VHS-Reihe nimmt „Totentanz“ unter die Lupe

Ängste mit Lebenslust bewältigen: Das ist ein Ansatzpunkt für die Interpretation der Totentänze. Einer der bekanntesten der Region ist in Wondreb zu sehen.

Friedrich Wölfl erinnerte u. a. auch an ein Theaterstück von Werner Fritsch, der in der Hendlmühle nahe Wondreb aufwuchs. Er setzte den Wondreber Totentanz in andere Zusammenhänge und gestalte ein Stimmkonzert von Ermordeten und Mördern auf dem Hintergrund des Konzentrationslagers Flossenbürg.
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Es waren eigentümliche Gegensätze, die im 14. Jahrhundert zusammenfanden: Während der Tanz für Lebenslust und Vitalität steht, verbinden sich mit dem Tod Trauer und Stillstand. Wie und warum sie in Totentanz-Darstellungen in ganz Europa sich miteinander verbanden? Antworten suchte eine Veranstaltung im Rahmen der Volkshochschul-Reihe "Der Wondreber Totentanz im europäischen Kontext". Eine davon: Die Menschen versuchten ihre angstbesetzten Jenseitserwartungen mit Lebensfreude zu bewältigen.

Der zweite Abend stand unter dem Motto aus dem Füssener St.-Mang-Kloster: "Sagt ja, sagt nein - getanzt muss sein." Es signalisiert, wie der Tod mit dem Begriff Tanz spielt und seine Bedeutung verschiebt. Referent Friedrich Wölfl zeigte an Beispielen, wie die Dynamik des Tanzes in bayerischen und schweizerischen Totentänzen umgesetzt wurde. Er stellte Bezüge zu gesellschaftlichen Hintergründen und zum Volksglauben her, so zur Heiligenverehrung, zu Arme-Seelen-Ritualen und zu Jenseitsvorstellungen. Die von Pest, Hunger und Verwüstungen beherrschten "Vanitas"-Gedanken bestimmten den Zeitgeist.

Europaweit bekannte Symbole dazu finden sich auch in Wondreb in Verbindung mit dem Memento- mori-Appell. Sie signalisieren stets Vergänglichkeit, etwa der verwehende Glockenklang, die Seifenblasen, das leicht zerbrechende Geschirr oder das Würfelspiel. Ist es in Wondreb der eitle Pfau mit seinem Rad, so ist es in Bern die Kaiserin mit Schmuck und Putz. Sind es in Wondreb die Tierkreiszeichen, mit deren Hilfe man das Schicksal zu berechnen sucht, so ist es in anderen Darstellungen der Astronom mit Zirkel und Sextant, mit denen er den Lauf der Gestirne ausrechnen will. Gemeinsames Motiv ist der Spott über alle wissenschaftlichen Versuche, diese Welt berechenbarer zu machen. Lapidar heißt es dazu in Wondreb: "Wann du stirbst, das bleibt verborgen".

Das Thema ausweitend zeigte der Referent die Vielseitigkeit der künstlerischen Gestaltung auf, von Grafiken bis Skulpturen, von Fresken bis zur Musik, vom Animationsfilm bis zur Lyrik, von Cartoons bis zum Drama. So habe der Stiftländer Werner Fritsch den Wondreber Totentanz in einem Theaterstück auf seine eigene Art aufgegriffen. Das Motiv "Tod und Mädchen", schon in frühen Darstellungen in Basel oder Bern verwendet, habe es sogar in Werbekampagnen der Modebranche geschafft, erläuterte Wölfl.

Schließlich ließ sich anhand von Bräuchen und Begräbnisritualen auch die Frage klären, was denn das alles mit "ara schöina Leich" zu tun habe. Mehrere Teilnehmer bereicherten den Abend dazu mit kundigen Beiträgen zur Begräbniskultur, unter anderem auch im Stiftland.

Der dritte und letzte Vortrag der Totentanz-Reihe findet am Freitag, 3. April, statt. Unter dem Motto "Den Würmern wirst du Wildbret sein" stehen dann religionspädagogische und sozialpsychologische Aspekte im Mittelpunkt.

Am Samstag, 16. Mai, ist zudem eine Tagesfahrt zu Totentanz-Darstellungen in Wondreb, Roding, Haselbach und Straubing geplant: Informationen und Anmeldungen bei der Volkshochschule, Tel. 0 96 31 88-205, E-Mail: vhs[at]tirschenreuth[dot]de, Internet: www.vhs-tirschenreuth.de.

"Tod und Mädchen". Das Motiv griffen viele künstlerische Richtungen und Formen auf. Hier geht eine Zeitschrift der Frage nach, warum es sogar für die Werbebranche attraktiv ist.
Selbst bekannte Modefirmen bedienten sich in ihrer Werbung des Motivs "Tod und Mädchen". Die Urspünge liegen in spätmittelalterlichen Darstellungen z. B. in Bern und Basel.
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