18.04.2019 - 12:57 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Volksbegehren auch für Feldhasen eine Chance

Zu Ostern sind Hasen als Motiv allgegenwärtig. Die Population der Feldhasen als Bewohner der freien Natur nimmt jedoch in Deutschland schon seit mehreren Jahrzehnten stetig ab. Wie sieht die Lage im Landkreis Tirschenreuth aus?

Hasen brauchen Hecken, Böschungen und Graswege, um Rückzugsorte vor Fressfeinden wie Füchse oder Habichte zu finden.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Im Kindergarten, in der Schule oder durch ihre Eltern lernen Kinder, dass der Osterhase die bunten Eier in die Nester legt und diese dann versteckt. Der Hase ist zu einem wichtigen Symbol für die Osterzeit geworden und auch dieses Jahr wieder zahlreich zu sehen: Ob als Leckerei in den Geschäften, als Bild oder Dekoration. Wesentlich seltener begegnen ihm die Menschen jedoch in der freien Natur. "In den letzten 30 Jahren hat die Hasenpopulation in Deutschland stark abgenommen", klagt Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg.

Laut der aktuellen Pressemitteilung des Bayerischen Jagdverbands (BJV) konnte sich der Bestand der Tiere 2018 etwas erholen. So besiedeln momentan rund 27 Feldhasen pro Quadratkilometer die Felder und Wiesen in Bayern, etwa ebenso viele sind es im Kreis Tirschenreuth. Deutschlandweit sind es im Durchschnitt nur noch elf Hasen. Die Zahlen stammen aus den Frühjahrs- und Herbstzählungen des BJV und spiegeln einen Zuwachs um elf Prozent wider.

Klima etwas zu rau

Der Baron von Friedenfels weiß als Kreisvorsitzender des Jagdverbands, wo die Mümmelmänner in der Region zu finden sind. "Wir sind aber keine typische Region für Feldhasen", betont er. Meistens sei in der nördlichen Oberpfalz das Klima nämlich zu rau. Nasskaltes Wetter sei für den Hasennachwuchs oft tödlich. Gut für die Hasen war das vergangene Jahr: Durch das warme Wetter, vor allem im Frühling, hätten viele Jungen überlebt.

"Die Entwicklung der Hasenpopulation lässt sich auch anhand der Jagdstatistik festmachen. Jäger schießen weniger, wenn es weniger Tiere gibt", sagt Freiherr von Gemmingen-Hornberg. Die aktuelle Feldhasenstrecke lässt sich auf der Webseite des BJV einsehen und zeigt, dass der Abschuss der Jäger seit 1990 stetig abnimmt. Die Gründe sind vielfältig. Der Baron: "Eine Ursache ist die zunehmende Versiegelung der Flächen, also der Verlust von Lebensraum für die Tiere." Eine wichtige Rolle spiele auch die Landwirtschaft. Auf monoton bebauten Feldern fänden die Nager keine Verstecke oder Kräuter zum Fressen. Hasen bräuchten Hecken, Böschungen und Graswege. Denn nur dort finden sie Kräuter, wie Kamille, Salbei oder Kümmel, um sich gegen Krankheiten zu schützen.

Weitere Einflussfaktoren seien die Folgen des Energieeinsparungsgesetzes und die Umstellung auf erneuerbare Energien. Als Beispiel hierfür nennt Freiherr von Gemmingen-Hornberg Biogasanlagen, die wiederum häufig durch den Anbau von Monokulturen Energie erzeugen. Seiner Ansicht nach ist der Hase ein Verlierer der Artenvielfalt. "Bedroht ist er aber nicht", stellt er klar.

Hier finden Sie mehr Informationen zum Feldhasenbestand in Bayern

"Es gibt Hoffnung für den Feldhasen in der Region. Um ihn zu schützen, können seine Fressfeinde bejagt werden." Darunter zählen unter anderem Füchse, Habicht, Wiesel oder Mader. Eine wichtige Hilfestellung biete auch das Volksbegehren für die Artenvielfalt. "Wenn Felder artenreicher bepflanzt werden, hilft das vielen Tieren." Am besten lebe der Hase, wo es eine abwechslungsreiche und strukturierte Landwirtschaft gebe. "Wir haben bereits versucht, das in Friedenfels umzusetzen", erzählt von Gemmingen-Hornberg. Auf den Feldern des Barons wurde auf Biolandwirtschaft umgestellt. Mitten auf den Feldern gibt es Inseln, die mit verschiedenen Sträuchern bepflanzt wurden. "Darunter sind Haselnuss, Rosensträucher oder verschiedene heimische Beeren." Dort fänden Hasen Verstecke und seien vor Fressfeinden aus der Luft geschützt. "Ein Raubvogel kommt bei den Dornen nicht durch", bemerkt der Baron von Friedenfels. Insgesamt ein Hektar Fläche werden von den Friedenfelser Betrieben derzeit für den Artenschutz verwendet.

"An den Rändern wachsen rund 50 verschiedene Pflanzenarten. Im Sommer gibt es hier viele Insekten, die man sonst nicht mehr auf den Feldern zu sehen bekommt", meint Christof Angetter, Betriebsleiter und Gutsverwalter des Friedenfelser Landhandels. "Durch die Umstellung unserer Landwirtschaft haben wir festgestellt, dass es auf den Feldern und in den Wäldern hier wieder mehr Hasen gibt", sagt Freiherr von Gemmingen-Hornberg. Hier finden Sie mehr Informationen zum Feldhasenbestand in Bayern: www.jagd-bayern.de/ feldhase.html

Sträucher bieten Verstecke

Hasen nicht mit Kaninchen verwechseln :

Feldhase und Kaninchen werden oft verwechselt. Dabei ist ein Feldhase viel größer als ein Kaninchen. Kennzeichnend für ihn ist die braune Farben und die langen Löffel. Und noch ein Unterschied: Während der Hase auf dem Feld, im Acker, auf der Wiese oder im Wald lebt, wohnt das Kaninchen unterirdisch in einem Bau.

Überbringer des Ostereies:

Der Hase als Ostermotiv breitete sich erst in neuerer Zeit auch durch die wachsende kommerzielle Verwendung aus. Dadurch hat er frühere Überbringer des Ostereies verdrängt. So überbrachte in Teilen von Westfalen der Osterfuchs, in Thüringen der Storch und in Böhmen der Hahn die Ostereier. In einigen Teilen der Schweiz, etwa im Emmental war noch im 19. Jahrhundert der Kuckuck der Eierlieferant. Zudem gab es die Vorstellung, dass die Kirchenglocken, die am Gründonnerstag nach Rom fliegen, die Ostereier bei ihrer Rückkehr von dort mitbringen.

In Friedenfels stellte Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg seine Felder auf Biolandwirtschaft um. Im Zuge dessen wurden dort Inseln aus Sträuchern angelegt, um Rückzugsorte für Feldhasen und andere Tiere zu schaffen.
Kräuterreiche Wiesen sind die Apotheke für Hasen. Gerade Jungtiere profitieren davon und können sich durch Pflanzen wie Kamille, Kümmel oder Salbei versorgen.

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