10.10.2019 - 18:05 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Volkshochschule Tirschenreuth hat Totentanz im Programm

Von der Gesellschaftskritik bis zur Selbstinszenierung: Eine neue VHS-Reihe vergleicht Totentanz-Darstellungen in Bayern und der Schweiz.

Die Wondreber Totentanzkapelle
von Externer BeitragProfil
Ergiebige Vergleiche: Während die Grisaille-Darstellungen in Wondreb eher karg und kalt wirken, strotzen die Farbbilder in Luzern vor praller Lebensfreude und der Inszenierungslust reicher Familien.

Das Thema hat europäische Dimensionen: Tote tanzen in Skandinavien, in Spanien, Slowenien und Frankreich, sie tanzen mit Lebenden im Reigen oder paarweise in Italien, Österreich, Deutschland und den Niederlanden. Eine neue Reihe der Volkshochschule widmet sich nun diesem Thema.

"Seit dem 13. Jahrhundert gehören die Darstellungen zur gesamteuropäischen Kulturgeschichte. Der Totentanz erklärt sich aber nicht nur aus Religionsgeschichte und Volksglauben. Nicht selten geriet er zum sozialkritischen Statement oder zum Instrument der Selbstinszenierung", so die Volkshochschule.

In drei jeweils rund zweistündigen Vorträgen geht Studiendirektor a. D. Friedrich Wölfl von den Darstellungen in Wondreb aus und erläutert gesellschafts-, religions- und kulturgeschichtliche Hintergründe. Unerwartet unterhaltsam sind Filmausschnitte, Cartoons und "Dance Macabre"-Abbildungen aus den letzten Jahrzehnten. Abwechslung versprechen Beispiele aus Literatur, Ballett, Musik und den bildenden Künsten, aus der politischen Propaganda und der Werbebranche. Wie das Thema zeitgenössische Künstler inspiriert, lässt sich an ausgewählten originellen, mitunter satirisch-bissigen Beispielen aus der Gegenwart diskutieren. Der Kursleiter greift dabei auf seine eigene umfangreiche Sammlung zurück und zieht Veröffentlichungen der Europäischen Totentanz-Vereinigung heran.

Bei der kleinen kulturgeschichtlichen Reihe der Volkshochschule werden auch die bekannten Erklärungen zum Totentanzmotiv, wie sie viele Stiftländer von der Wondreber Friedhofskapelle her kennen, aufgegriffen. Wer sich in das Thema einlesen will, findet auf der Internetseite der Europäischen Totentanz-Vereinigung grundlegende Informationen sowie Anregungen zur Vertiefung unter www.totentanz-online.de.

Die Veranstaltungstermine sind Freitag, 8. November, Freitag, 17. Januar, und Freitag, 3. April, jeweils um 18.30 Uhr im Mehrzweckraum des Landratsamtes (Amtsgebäude I - Anbau, 1. Stock). Anmeldung ist nicht erforderlich, Eintritt jeweils drei Euro (Abendkasse).

Falls sich aus dem Kreis der Teilnehmer genügend Interessenten für eine Tagesfahrt zu Totentanz-Darstellungen in Ostbayern finden, ist für den Frühsommer 2020 eine Besichtigungsreise geplant. Die gewonnenen Erkenntnisse lassen sich - von Wondreb ausgehend - an weiteren Darstellungen im Stiftland, in Roding, Haselbach, Viechtach und Straubing vertiefen.

Friedrich Wölfl, rechts beim Motivvergleich auf der Luzerner Spreuerbrücke, möchte an drei Abenden Facetten und Hintergründen nachgehen.
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