10.06.2020 - 12:43 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Volkshochschule Tirschenreuth nimmt Betrieb wieder auf

Die Volkshochschule Tirschenreuth startet zögerlich. Sie jongliert zwischen der Freude über den Neustart bei gleichzeitig streng einzuhaltenden Hygiene- und Abstandsregeln während der Kurse.

Für VHS-Leiterin Angelika Schraml hat die Gesundheit der Kursteilnehmer und Dozenten höchste Priorität.
von Ulla Britta BaumerProfil

Yogakurse auf Abstand in zu kleinen Gymnastikräumen, Deutschunterricht mit Mundschutz und Kochkurse mit Kontaktverbot: Wie soll das gehen? Nur drei Beispiele, womit sich seit einer Woche die Mitarbeiterinnen der Volkshochschule (VHS) Tirschenreuth herumschlagen.

Mit solchen und anderen Schwierigkeiten muss sich die VHS auseinandersetzen. Erwachsenenbildung in der Coronakrise ist kein Zuckerschlecken. "Der Teufel steckt im Detail", sagt VHS-Leiterin Angelika Schraml. Einerseits freut sie sich über die Lockerungen, andererseits stellt sie die Gesundheit von Teilnehmern und Dozenten in den Vordergrund. "Darum werden wir zunächst nur wenige, risikoarme Veranstaltungen durchführen, unser Hygienekonzept konsequent umsetzen und die Einhaltung streng einfordern."

Gleichzeitig arbeitet die Volkshochschule am neuen Herbstprogramm, bei dem es wegen der Pandemie auch noch viele offene Fragen gibt. Die gute Nachricht: Die VHS nimmt ab Montag, 15. Juni, den Betrieb wieder auf. Allerdings sei bis zu den Sommerferien in sechs Wochen nicht alles machbar, sagt Schraml. Dazu zählen Kochkurse. Als Grund nennt die Leiterin die Abstände, die beim Kochen nicht einhaltbar seien. Hobbyköche müssen sich bis zum Herbstprogramm gedulden.

Größere Abstandsregeln

Leichter umsetzbar sind Bewegungskurse, die teils ins Freie verlegt werden. Ein Yogakurs hätte sowieso im Geschichtspark Bärnau stattgefunden und startet jetzt auch. Trotz der großzügigen Freiluftkulisse werden der Yoga- und ein Outdoor-Kurs auf 15 Teilnehmer reduziert in zwei Gruppen starten müssen. "Und wir werden die Abstandsregelung auf zwei Meter ausweiten", betont Schraml. Sie bittet um Verständnis, wenn nicht alle Interessierte Zusagen bekommen können wegen der reduzierten Teilnehmerzahlen.

Im Einvernehmen mit der Öko-Modellregion Steinwald wird eine geplante Radtour auf 2021 verschoben. Gänzlich verzichtet die VHS vorerst auf Busausflüge und Tagesfahrten. "Eine Fahrt in geschlossenen Bussen können wir zum jetzigen Zeitpunkt niemandem zumuten", verweist Schraml auf damit verbundene Gefahren, zumal der Großteil der Teilnehmer sowie viele Reiseleiter "als ältere Semester" zur Risikogruppe zählen.

Studienreisen hat die VHS bereits auf 2021 umgebucht oder abgesagt. Ein großes Fragezeichen schreibt Schraml hinter den traditionellen Ausflug zum Salzburger Adventsingen. Zwar seien Karten reserviert, "aber wir haben die Fahrt bisher nicht ausgeschrieben und werden wohl damit bis September warten". Nur ein Beispiel, das der VHS wohl oder übel manche Planung "ins Blaue" abverlangen wird. Schraml rechnet nicht mit Anstürmen auf die Busreisen.

Online-Sprachkurse laufen weiter

Worüber sie sich wegen der Migranten freut, sind die Deutsch-Sprachkurse, die ungehindert starten. "Wir können die Tische weiter auseinander stellen. Und wir verlangen natürlich einen Mundschutz beim Betreten und Hinausgehen des Raums." Zeitgleich werden die seit März angebotenen Online-Sprachkurse teilweise weiterlaufen. Romantische Perspektiven verspricht der Neubetrieb der Sternwarte. Leiter Peter Postler wird Sternenkunde mit mobilen Teleskopen im malerischen Garten der Anlage anbieten. Nur so könne man die Abstandsregelung einhalten, sagt Schraml. Neu ist die Anmeldepflicht über die VHS für das Sternegucken.

Alle weiteren Kurse könnten auch in geschlossenen Räumen mit bis zu 20 Teilnehmern stattfinden. "Aber dafür müssen die Räume natürlich auch groß genug sein." Die VHS wird deshalb bis zu den Sommerferien nur mit den oben genannten Angeboten beginnen. Erst im Herbst könne im größeren Stil wieder gestartet werden. Die Pandemie habe auch die Arbeit der VHS maßgeblich verändert, sagt Angelika Schraml. "Und das wird in Teilbereichen auch weiterhin so bleiben."

Eckhard Stiegler gibt auch Yogakurse an der VHS:

Hintergrund:

Keine Gebührenerhöhung

Während die ersten Kurse anlaufen, bemüht sich die VHS um eine neue Nutzung der Schulungsräume, was bei den strengen Vorschriften viel Gesprächsbedarf mit den Sachaufwandsträgern erforderlich macht. VHS-Leiterin Angelika Schraml hat für die Neubelegung zum jetzigen Zeitpunkt und für das neue Herbstprogramm mit dem Landratsamt ausgiebige Gespräche geführt. Ob und welche Räume, beispielsweise in Kindergärten und Schulen, trotz der Vorschriften wieder genutzt werden dürfen, liege im Entscheidungsbereich der jeweiligen Sachaufwandsträger. Immerhin belegt die VHS in den 26 Gemeinden des Landkreises etwa 300 Räume in 150 öffentlichen Gebäuden.

Schraml rechnet für Herbst auch mit dem teilweisen Pausieren einiger Kursleiter. "Wir haben viele ältere Dozenten", hat sie Verständnis. Um die Gesundheit von Teilnehmern und Dozenten nicht zu gefährden, hat für Angelika Schraml die strikte Einhaltung des Hygienekonzepts höchste Priorität. Dies fordere auch von den Dozenten mehr Verantwortung.

Eine Erhöhung der Gebühren werde es nicht geben – und wenn, dann höchstens im normal üblichen Bereich. „Wir haben Gott sei Dank ein finanzielles Polster und sind in der Lage, den sozialen Auftrag in den Vordergrund zu stellen,“ betont Angelika Schraml. Zur Sonderzahlung der Regierung an die Volkshochschulen wünscht sie sich, dass ein Teil des Geldes auch bei den Dozenten ankommt, die jetzt nichts verdienen.

Auf den großzügigen Flächen des Geschichtsparks Bärnau können der Yoga- und der Outdoor-Kurs mit ausreichend Abstand abgehalten werden.
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