Ohne ihn, so viel ist sicher, gäbe es keine immerwährende Anbetung und keine Wiederbelebung der Tirschenreuther Wallfahrt. Pfarrer Georg Maria Witt hätte im Juli 2025 seinen 95. Geburtstag feiern können – natürlich an einem Monatsdreizehnten. Das Datum spielte eine Schlüsselrolle in seinem Leben und wurde für viele Gläubige ebenfalls zu einem festen Termin. So findet die nächste Monatswallfahrt am Sonntag, 13. Juli, auch im Gedenken an den 2009 verstorbenen Geistlichen statt. Er hat Tirschenreuth geprägt wie kaum ein anderer Seelsorger.
"Der 13. Juli ist für die Pfarrgemeinde Tirschenreuth ein denkwürdiger Tag", schreibt Karl Scheidler in einem Beitrag, mit dem er auf dieses besondere Datum aufmerksam macht. Der 85-Jährige, der jahrzehntelang im Pfarrgemeinderat der Kreisstadt engagiert war, hat noch zwei weitere Jahreszahlen entdeckt, die zu diesem Tag passen: Am 13. Juli 1863 wurde die Tirschenreuther Klosterkirche, jetzt Fatimakirche, eingeweiht – vom damaligen Regensburger Bischof Ignatius von Senestrey. Der wiederum wurde 1818 in Bärnau geboren, und zwar am 13. Juli.
Imbiss beim Marienbrunnen
Bei der nächsten Wallfahrt für die Kirche – es ist schon die 459. seit der Einführung durch Georg Maria Witt – gilt ein besonderes Gedenken dem Geistlichen, der vor 95 Jahren das Licht der Welt erblickt hat. "Zu Lebzeiten von Witt traf man sich nach diesem Wallfahrtsgottesdienst zu einem Imbiss beim Marienbrunnen, um mit dem Pfarrer seinen Geburtstag zu feiern", erinnert sich Karl Scheidler.
Witts Nachfolger, Pfarrer Georg Flierl, hielt an diesem Treffen fest in Erinnerung an den Mann, der die Monatswallfahrten am 13. Mai 1987 begründet hat. Flierl war zu Beginn der Wallfahrten Kaplan in Tirschenreuth, trug auch das Wagnis der ewigen Anbetung mit und suchte nach genügend Mitstreitern. Als Witt in Ruhestand ging, kehrte Flierl 2000 als Stadtpfarrer nach Tirschenreuth zurück und führte die Traditionen weiter.
Pfarrer statt Spengler
30 Jahre lang leitete Georg Maria Witt, der seinen Zweitnamen aus Gründen der Marienverehrung trug, die Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Tirschenreuth. Geboren 1930 in Luhe, hatte er bereits mit drei Jahren seine Mutter verloren. Seine Schulzeit am Gymnasium in Regensburg wurde kriegsbedingt für ein Jahr unterbrochen. Der 15-Jährige arbeitete damals in der väterlichen Spenglerei mit, doch übernehmen wollte er sie nicht.
Im Jesuitenkolleg St. Blasien im Schwarzwald reifte sein Wunsch, Priester zu werden. 1957 folgte die Weihe. Nach sechs Jahren als Kaplan in Waldthurn wurde er Kolpingpräses in Regensburg. Seit 1971 wirkte er als Stadtpfarrer in Tirschenreuth. Schwere Krankheiten festigten seine Marienverehrung, berichten Chronisten.
Am 16. April 2009 ist Witt nach schwerer Krankheit im Alter von 78 Jahren gestorben. "In seiner langen Amtszeit hat er tiefe Spuren im seelsorglichen Bereich und auf dem Bausektor hinterlassen", resümiert Karl Scheidler. So hat er nicht nur die über die Landkreisgrenzen hinaus bekannten Monatswallfahrten eingeführt, sondern auch die immerwährende Anbetung: Seit dem 21. März 1986 ist in der Gnadenkapelle der Tirschenreuther Pfarrkirche zu jeder Tages- und Nachtzeit mindestens ein Betender anzutreffen.
Ehrenbürger in Tirschenreuth
Auch die Fußwallfahrten zum Fahrenberg und nach Plan gehen auf Witts Initiative zurück. In seine Amtszeit fiel nach Recherchen des langjährigen Pfarrgemeinderats die Renovierung von vier Kirchen in der Stadt und des Pfarrhofs, der Neubau des Klosters „Unsere Liebe Frau“, des Mesnerhauses, des katholischen Kindergartens. Auch das Glockenspiel an der Fatimakirche, die Rosenkranzstationen und der Marienbrunnen sind eng mit Witt verbunden.
Die Stadt Tirschenreuth hat als höchste Auszeichnung 1986 Pfarrer Witt zusammen mit Altbürgermeister Erich Oberndorfer zum Ehrenbürger ernannt. Seit seinem Tod 2009 hat die Stadt keinen lebenden Ehrenbürger mehr. Die Pfarrgemeinde hat an der Friedhofkirche neben dem Priestergrab 2019 eine Gedenktafel angebracht und Witt mit der Inschrift „Ein Baumeister und Restaurator der toten und der lebenden Steine der Kirche“ gewürdigt.
Wallfahrt am Sonntag, 13. Juli 2025
- Gottesdienst: 19 Uhr in der Stadtpfarrkirche Tirschenreuth mit Regens Daniel Stark aus Regensburg als Hauptzelebrant und Prediger
- Prozession: Nach dem Gottesdienst Prozession um den Marktplatz, nach dem Segen in der Kirche Begegnung und Verköstigung am Kirchplatz im Gedenken an den 95. Geburtstag des früheren Stadtpfarrers Georg Maria Witt
- Priesterjubiläum: Beim Gottesdienst auch Feier des 60. Priesterjubiläum des Ruhestandspfarrers Konrad Gruber, Mitgestaltung der Messe durch den Männergesangverein Tirschenreuth
























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