11.11.2018 - 08:42 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

"Das war fantastisch"

Minutenlang spendet das Publikum nach der Premiere des Stücks "Sein oder Nichtsein" im Kettelerhaus stürmischen Applaus. Dazu gibt es bei der anschließenden Feier ein großes Lob von einem besonderen Gast.

Viele Gäste haben nach dem Theaterstück noch der Premierenfeier beigewohnt.
von Ulla Britta BaumerProfil

"Wollen oder nicht wollen? Das war die Frage, die wir uns vor der Entscheidung für eine Premierenfeier gestellt haben", sagte MTT-Vorsitzender Florian Winklmüller zu den Ehrengästen. Zu diesem Zeitpunkt lagen drei Stunden Theater, jede Menge Lampenfieber und stehende Ovationen hinter dem Ensemble des Modernen Theaters Tirschenreuth. Die Frage sei aber schnell beantwortet worden.

Einige Kraftakte

Winklmüller und Regisseur Manfred Grüssner wollten sich mit dieser kleinen Feier bei allen Beteiligten vor und hinter den Kulissen für ihren Einsatz bedanken. Dieser sei diesmal enorm hoch gewesen. Die Umsetzung des Theaterstücks von Nick Whitby allein sei technisch schwierig genug. Den Darstellern habe dies einige Kraftakte abverlangt. Dazu sei der Anspruch gekommen, mittels einer Komödie dem Nazi-Regime mit Satire und schwarzem Humor zu begegnen. "Keine leichte Aufgabe", so die Verantwortlichen.

Gegen 23 Uhr waren die Anstrengungen und Zweifel aber längst Vergangenheit. Ein vor Glück über den Erfolg strahlendes Ensemble wurde von den Gästen ein weiteres Mal begeistert beklatscht. Außer dem durchwegs positiven "Premierenurteil" der Zuschauer gab es an diesem Abend erstmals eine Bewertung aus Fachkreisen. Auf Einladung von Florian Winklmüller befand sich im Publikum Guido Rind, Bezirksvorsitzender des Verbandes Bayerischer Amateurtheater und stellvertretender Landesspielleiter. Guido Rind beteuerte zwar, an diesem Abend nicht werten zu wollen. Dennoch ließ er sich beim Gratulieren zu einem deutlichen Ausspruch hinreißen: "Das war fantastisch!" Er sei sehr überrascht, dass in einem Amateurtheater derart schwierige Stücke gespielt würden, so Rind. "Und der Applaus hat ja gezeigt, dass das Ensemble damit richtig liegt." Freudestrahlend zeigte sich daraufhin Manfred Grüssner. Dem Regisseur aus Konnersreuth dürften zentnerweise Steine vom Herzen gefallen sein. Er hatte damit rechnen müssen, dass bei einem Nazi-Stück mit Bildern von Hitler und dem Hakenkreuz auf der Bühne Kritik schon während der Probenzeit nicht ausbleibt. Vieles habe seine Truppe auf der Bühne gelernt, bemerkte Grüssner und schmunzelte. "Zum Beispiel, sich in wenigen Sekunden umzukleiden."

Wie einst Charlie Chaplin

Grüssner betonte er, dass dieses Stück bewusst gegen die Nazis und die rechte Szene gerichtet sei. Schon Charlie Chaplin sei dem braunen Sumpf einst mit Satire und Humor begegnet. Wie auch Ernst Lubitsch, dessen Film die Vorlage für die Bühnenfassung sei. Bei der Stückauswahl habe man sich auch selbst die Frage gestellt, ob man über Nazis lachen dürfe. "Und Sie sehen: Man darf!", sagte Grüssner.

"Back to the roots" wünschte sich Florian Winklmüller, der mit "Sein oder Nichtsein" wieder an die Spielzeit des Vereins mit Kammerstücken im Luitpoldtheater andocken möchte. Und dies habe an diesem Abend funktioniert.

Weitere Aufführungen folgen am 16., 17. und 18. November, jeweils um 19.30 Uhr im Kettelerhaus. Tickets gibt es bei den bekannten Vorverkaufsdiensten.

MTT-Vorsitzender Florian Winklmüller und Regisseur Manfred Grüssner (von links) schenkten jedem Mitglied der Truppe, ob vor oder hinter den Kulissen, als Dankeschön eine Rose.
Theaterfachmann Guido Rind bescheinigte dem MTT-Vorsitzenden Florian Winklmüller und dem Regisseur Manfred Grüssner (von links) eine hervorragende Leistung bei der Umsetzung des Stücks.
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