15.02.2019 - 15:31 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Weil das Leben nicht ewig ist

Einmal im Leben den Himalaya besteigen und den Gipfel des Mont Everest sehen: Davon träumen alle Bergsteiger. Frank Wisniewski ist kein Profi, dennoch hat er sich diesen Traum erfüllt.

Den Mount Everest, den Frank Wisniewski auf der Leinwand zeigt, kann kaum einer bezwingen. Aber allein in seiner Nähe zu sein und seinen Gipfel zu sehen, sei eine Expedition ins Himalaya-Gebirge wert, so der Referent.
von Ulla Britta BaumerProfil

Frank Wisniewski ist 43 Jahre alt. 2008 hat er mit dem Bergwandern begonnen, zehn Jahre stieg er im Himalaya 6500 Meter in die Höhe. Das war sein Traum. Wie er ihn Realität werden ließ, erzählte der gebürtige Bremer, Wahl-Amberger und Mitarbeiter der IGZ am Donnerstag einem etwa 30-köpfigen Publikum. Eingeladen ins „Seenario“ zu diesem spannenden Vortrag hatte Michael Schornbaum, Jugendbeauftragter und Ausbilder vom Deutschen Alpenverein Karlsbad/Sektion Tirschenreuth. Wisniewski entpuppte sich als brillanter Erzähler, der mit Fachwissen ebenso fesselte wie mit Abenteuer. Wisniewski betonte, er sei kein Profi oder talentierter Kletterer. In den Himalaya wollte er schon jetzt, „weil das Leben nicht ewig ist“. Mit Bergwandern und auf Klettersteigen hat Wisniewskis „Karriere“ als Himalaya-Besteiger begonnen. Bald sei er jedes Wochenende in die Berge gefahren, auch 4000 Meter in die Höhe. „Mit etwas Kondition und Willen kann das jeder“, behauptete Wisniewski.

Akribische Planung

Leichtsinnig ist der Perfektionist im Vorplanen nicht. Akribisch hat das Paar eineinhalb Jahre lang jedes Detail vorbereitet. Die Expedition sollte zum Everest Base Camp führen und weiter zu den Sechstausendern, Island Peak und Mera Peak. Um die Strapazen bei dieser 20-tägigen Tour im September 2018 zu verdeutlichen, hat Wisniewski die drei durchlebten Zonen in grün (harmlos, touristisch erschlossen, Temperatur 5 bis 10 Grad), gelb (deutlich einsamer, bedingter Handyempfang, durchgehend -5 bis -10 Grad) und rot (keine Lounge, kein Wasser, kein Essen, kein Handyempfang, Temperatur -10 bis -15 Grad) eingeteilt. Zur Höhenkrankheit erklärte er, in 2500 Metern Höhe habe man noch 75 Prozent seiner Leistungsfähigkeit (Watzmann), bei 3000 Meter sinke dies auf 70 Prozent (Zugspitze), bei 4800 Metern auf 52 Prozent (Mont Blanc) und ab 6500 Metern auf 35 Prozent. „Ab 8000 Meter stirbt man. Das hält niemand länger als drei Tage aus.“ Man müsse sich langsam an die dünne Luft gewöhnen und dürfe eigentlich höchstens 250 Meter Höhenunterschied täglich überwinden. Er bewunderte die einheimischen Sherpas, die mit 60 Kilogramm Gepäck auf dem Rücken problemlos aufwärts marschieren würden. Diese Begleitung sei notwendig, wenn auch die Tour nicht wirklich gefährlich sei. Aber bei Schneefall seien die Wege weg und man müsse Gletscherspalten fürchten. Um bei Notfällen mobil zu bleiben, kaufte sich Wisniewski ein Satellitentelefon. „Als unsere Lebensversicherung.“ Nicht alle bereiten sich auf eine Himalaya-Besteigung derart gut vor wie das Paar, das seinen Wohnsitz in Amberg hat. Das erlebte Wisniewski in 4500 Metern. Seine Medikamente gegen Höhenkrankheit retteten einem Mann aus Israel das Leben, der unvorbereitet unterwegs war und nur durch Zufall leblos auf der Strecke gefunden wurde. Auf die Amberger lauerten andere Gefahren: Beide entgingen knapp einer Kohlenmonoxid-Vergiftung in einer defekten Lounge-Dusche. Und Frank Wisniewski handelte sich auf der 200 Kilometer langen Expedition, wo das Paar insgesamt 12 000 Höhenkilometer bezwang, einen fiesen Magen- und Darmvirus ein.

Zehn Kilo abgenommen

„Ich habe zehn Kilogramm abgenommen und war ziemlich schlecht drauf“, gab er zu. Warum nimmt man solche Strapazen auf sich? Warum hat Wisniewski hier nicht abgebrochen? „Weil ich das schaffen wollte. Wegen dem großartigen Panorama. Wegen den netten Leuten aus aller Welt, die man trifft. Wegen dem Besonderen“, nannte der Bergsteiger nur einige Gründe.

Aber es geht noch extremer: Die nächste Expedition, erzählte er, gehe in die Atacamawüste in Chile. „Da will meine Freundin hin“, sagte Wisniewski und beteuerte im gleichen Atemzug, er sei wirklich absolut risikoscheu auf seinen Reisen.

Frank Wisniewski hatte ins "Seenario" einen Teil seines Equipments mitgebracht, was auf großes Interesse bei den anwesenden Bergsteigern stieß.
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