20.09.2019 - 12:06 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Zur "Winterreise" nach Lohnsitz

Die Chemie stimmt zwischen dem bekannten Tenor Volker Bengl und den Ton- und Filmexperten der Firma Spectrum. Der „gute Draht“ hat zu einer neuen außergewöhnlichen Klassik-CD des Stimmkünstlers geführt.

Der Tenor Volker Bengl (Mitte) hat seine neue CD mit der "Winterreise" von Franz Schubert im Tonstudio der Firma Spectrum erstellen lassen. Firmenchef Dietmar Kiermaier (links) und Arnold Völkl, Leiter der Postproduktion, stimmen mit dem Künstler die Feinheiten ab.
von Werner Schirmer Kontakt Profil

Ganz entspannt, und in "lockerem" Ton, geht der bekannte Tenor beim Besuch in Lohnsitz auf seine Zusammenarbeit mit den Medienexperten der Firma Spectrum ein. Weit reicht die gegenseitige Wertschätzung zurück, weiß auch Spectrum-Chef Dietmar Kiermaier, und erinnert sich, schon zu seinen Zeiten als Künstler bei Emi-Electrola auf die Laufbahn des Tenors aufmerksam geworden zu sein. Bei späteren Kontakten habe man schnell erkannt, "dass die Chemie stimmt". In den Jahren hat die Zusammenarbeit dann auch Früchte getragen.

Viel Emotion

In dem kleinen Ort Lohnsitz bei Tirschenreuth hat der Musiker in den vergangenen Wochen eine Klassik-CD mit außergewöhnlichem Inhalt erstellt. Aufgenommen wurden die Stücke im Februar in der Fichtelgebirgshalle in Wunsiedel. Mit der neuen CD widmet sich Volker Bengl der "Winterreise" von Franz Schubert, und damit erneut einer anspruchsvollen Materie. Denn dem Tenor ist es ein besonderes Anliegen, die klassischen Vorlagen neben der gesanglichen Perfektion noch mit dem emotionalen Gehalt der Stücke auszustatten. Ein makelloser Vortrag ist dem 59-Jährigen ein Grundanliegen, dazu kommt der Anspruch, dem Zuhörer auch sinnliche Seiten des Liedgutes zu übermitteln. Im Fall der "Winterreise", für die sich Schubert an den Gedichten Wilhelm Müllers orientierte, wäre es das Beste, "wenn der Zuhörer an Ende zu frieren beginnt", übertreibt Bengl scherzhaft seine Absicht, auch die Stimmung in den Liedern zu vermitteln. In den Köpfen sollten die Töne eine Art Film erzeugen. Mit dem Bestreben, die Emotiion der Lieder auf den Tönen zu transportieren, wandert Bengl auf den Spuren seines großen Vorbildes und Freundes Rudolf Schock. "Der konnte auf Knopfdruck die Stimmung treffen", erinnert sich der 59-Jährige an den bekannten deutschen Opern-, Lied- und Operettensänger. Die Begeisterung für die Arbeit des lyrischen Tenors Schock ist ein tragendes Element im Leben von Volker Bengl.

Stunden bei Rudolf Schock

In den früheren Tagen seiner Musikerkarriere konnte Bengl den Opernsänger so beeindrucken, dass der ihn sogar zum Kaffeetrinken und einem Vorsingen einlud. Und Schock, der sonst keine Zeit für einen Schüler fand, machte bei Bengl eine Ausnahme. Ein großes Kompliment kam dabei von der Frau des Star-Tenors, die beim Meister und Schüler die gleichen Grundansätze erkannte, nämlich die Auffassung, wie die Musik interpretiert werden sollte. "Wir hatten die gleichen Schnittmengen", erinnert sich Bengl an seine Zeit mit dem "Rudi". Auch Rudolf Schock habe sein Publikum auf eine emotionale Reise durch die Musik mitnehmen wollen. Volker Bengl, heute ein bekannter Interpret des Werks von Rudolf Schock, wirkt mit, dass der deutsche Opern-, Lied- und Operettensänger unvergessen bleibt.

Von "Resl" fasziniert

Von Jugend an ist Bengl mit der Geschichte der Theres Neumann vertraut. Bei einem Besuch in Nordbayern ist er überrascht, sich so nahe am Geburtsort der Mystikerin zu befinden. Ein spontaner Abstecher nach Konnersreuth hat ihn in seiner Überzeugung bestärkt. "Ich habe nie gezweifelt", betont der 59-jährige. Ein "Dilemma" für den Künstler: Beim spontanen Besuch hat er kein Bares für eine Spende dabei. Als Idee entstand so die Unterstützung durch ein Benefizkonzert (eigener Bericht). "Dann helfe ich mit Singen", beschreibt Bengl seine Absicht. Dazu bringt er am Sonntag seinen langjährigen musikalischen Begleiter, den Pianisten Frank Oidtmann, mit.

Beim Besuch in Lohnsitz nimmt Bengl noch letzte Abstimmungen an der neuen CD vor - und stellt der Spectrum-Mannschaft ein sehr gutes Zeugnis aus. "Hier trifft ein hochtalentierter Künstler auf ein fachlich versiertes Team", weiß Kiermaier, der sich als Brückenglied in der Zusammenarbeit beschreibt.

Am Sonntag Benefizkonzert zum Erhalt des Resl-Hauses:

Der Besuch in Konnersreuth hat den bekannten Tenor Volker Bengltief berührt. Um den Erhalt des Resl-Hauses zu unterstützen, wirkt der Künstler am Sonntag, 22. September, ab 18 Uhr bei einem Benefizkonzert in der St-Laurentiuskirche in Konnersreuth mit.

An der Orgel wird dabei Frank Oidtmannsitzen. Der vielseitige Musiker begleitet Bengl seit Jahren auf seinen Konzerten in der ganzen Welt. Von 2002 bis 2015 war Oidtmann Bezirkskantor in Plochingen,danach hat er das Amt des Musikdirektors am evangelischen Stift in Tübingen übernommen. Dort führt er in einer Klavierkonzertreihe sämtliche Werke J.S.Bachs auf und dirigierte 2017 unter anderem Mozarts erste Oper "Die Schuldigkeit des ersten Gebots".

Mitwirken beim Benefizkonzert wird auch der Kirchenchor Konnersreuther, Leitung Matthias Schraml. Der Eintritt ist frei, es wird um eine Spende gebeten.

Das Programm: "Sanctus" aus der Deutschen Messe von Franz Schubert (1797-1828), Kirchenchor; "Ich bete an die Macht der Liebe" von Dmitri Stepanowitsch Bortnjanski (1751-1825); Panis angelicus von Cesar Franck (1822-1890); "Heil'ge Nacht, o gieße du" von Ludwig van Beethoven (1770-1827); "Gloria" aus der Deutschen Messe, Kirchenchor; "0 Täler weit, o Höhen" von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847); Im schönsten Wiesengrunde" von Friedrich Silcher (1789-1860); "Wie's daheim war", Volkslied; "Herr, deine Güte" von Eduard Grell (1800-1886), Kirchenchor, Orgelsolo, Frank Oidtmann; "Allmächt'ger Vater" von Richard Wagner (1813-1883); Waldandacht, Volkslied; "Still wie die Nacht" von Carl Bohm (1844-1920); "Caro mio ben" von Giuseppe Giordani (1751-1798); "Ave Maria" von Franz Schubert; "Wohl mir, dass ich Jesum habe" von Johann Sebastian Bach (1685-1750), Kirchenchor; "Selig sind, die Verfolgung leiden" von Wilhelm Kienzl (1857-1941); "Abendsegen" von Engelbert Humperdinck (1865-1921), Duett; "Dank sei Dir, Herr" von Georg Friedrich Händel (1685-1759) , Chor; "Ach, ich hab' in meinem Herzen" von Norbert Schultze (1911-2002), Duett.

Volker Bengl (rechts) und Frank Oidtmann wirken beim Benefizkonzert am Sonntag in Konnersreuth mit. Ebenso der Kirchenchor. Der Eintritt ist frei.
Zur Person:

Der Tenor Volker Bengl wurde 1960 in Ludwigshafen in der Pfalz geboren. Nach dem Studium an der Musikhochschule Mannheim-Heidelberg, trat er sein erstes festes Engagement am Staatstheater Saarbrücken an. Danach war er für 16 Jahre ständiges Ensemblemitglied am Staatstheater am Gärtnerplatz in München. Zudem sang er an zahlreichen Theatern als Gast, darunter die Wiener Volksoper oder der Semperoper Dresden. Sein Repertoire umfasst 80 Opern- und Operettenrollen, darunter als "Glanzpartien" Hoffmann in "Hoffmanns Erzählungen" oder Don José in ,,Carmen". Volker Bengl trat bei nahezu 1000 Konzerten weltweit auf, war bei zahlreichen TV-Shows, etwa der Carreras-Gala. Bisher erschienen sechs CD's. (ws)

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