26.07.2021 - 13:44 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Wörterbuch und Wassermanagement: Viele grenzüberschreitende Ansätze im Landkreis Tirschenreuth

Corona hat die persönlichen Begegnungen über die Grenze hinweg abrupt gestoppt. Nun läuft es wieder einigermaßen normal. Doch es gibt noch viel zu tun bei der Pflege guter Nachbarschaft, wie Vertreter der Euregio Egrensis betonen.

Harald Ehm, Geschäftsführer der Euregio Egrensis.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Im Kreisausschuss sprachen zwei Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Bayern über die weiteren Ziele der Euregio Egrensis. Geschäftsführer Harald Ehm und Mitarbeiterin Magdalena Becher stellten die Kernthemen der neuen Interreg-Förderperiode vor, die von 2021 bis 2027 dauert. "Nutzen Sie die Euregio, kommen Sie auf uns zu", lud Ehm die Kommunalpolitiker ein. Es gebe viele Anknüpfungspunkte für konkrete Projekte vor Ort. Dem Landkreis Tirschenreuth komme eine zentrale Rolle innerhalb der Euregio zu.

"Es ist wichtig, wie wir uns neu aufstellen in Europa", sagte Landrat Roland Grillmeier, der auch stellvertretender Präsident der bayerischen Arbeitsgemeinschaft ist. Gerade nach den Einschränkungen durch die Pandemie müsse man sich mehr über die Grenze hinweg orientieren. Bei einem kürzlichen Treffen habe auch der Bezirkshauptmann von Karlsbad Entwicklungsbedarf gesehen.

Wassermanagement im Blick

Harald Ehm stellte die Euregio als Plattform vor, die seit fast 30 Jahren der grenzüberschreitenden Arbeit diene. Das Corona-Jahr habe man für eine Studie zur Neuausrichtung genutzt, die auf 70 Seiten in zwei Sprachen vorliege. Jetzt beginne die Umsetzungsphase.

Magdalena Becher beleuchtete einige Kernthemen wie Tourismus und regionale Wirtschaftsentwicklung. Große Bedeutung komme dem Bereich Umwelt und Klimaschutz zu. Dazu zähle das Wassermanagement: "Auf tschechischer Seite ist das Problem noch drängender." Auch bei der Koordination des Schienen- und Straßenausbaus, der Gesundheits- und Daseinsvorsorge gebe es Luft nach oben.

Ein Dauerbrenner sei der Ausbau der Sprachkenntnisse. In Arbeit sei ein zweisprachiger Verwaltungsleitfaden, ähnlich wie das deutsch-tschechische Praxiswörterbuch, das es bereits für den Rettungsdienst und die Feuerwehren gibt. Magdalena Becher lud zur Mitarbeit in fünf thematisch gegliederten Arbeitsgruppen ein, die sich ab Herbst zur Vorbereitung konkreter Euregio-Projekte treffen wollen.

"Mehr Drive"

"Vieles funktioniert nicht, wenn Sprachlosigkeit herrscht und die Grenzen zu sind", stellte Landrat Grillmeier fest. Auch das Landratsamt werde sich im Hinblick auf bessere Zusammenarbeit mit den Nachbarn neu aufstellen. "Mehr Drive" müsse auch in Leuchtturmprojekte wie die Städteverbindungen zwischen Waldsassen und Cheb, Bärnau und Tachov: "Wir wollen die Bürger für Europa begeistern."

Waldsassens Bürgermeister Bernd Sommer (CSU) erkannte ein unerschöpfliches Themenspektrum: "Potenzial ist da in der Region, wir unterschätzen das manchmal selbst. Jetzt brauchen wir Akteure, die die vielen Studien umsetzen." Uneingeschränkte Zustimmung zur Arbeit der Euregio Egrensis kam von allen Fraktionen.

Interview mit Euregio-Geschäftsführer Harald Ehm

Marktredwitz
Harald Ehm und Magdalena Becher warben im Kreisausschuss darum, die Arbeit der Euregio Egrensis weiter zu unterstützen.
Hintergrund:
  • Die Euregio Egrensis umfasst das geografische Grenzgebiet zwischen Bayern, Böhmen, Sachsen und Thüringen.
  • Als grenzüberschreitende Organisation kümmert sich die Euregio in drei Arbeitsgemeinschaften um gemeinsame Projekte.
  • Wichtigste Finanzquelle ist das Förderprogramm Interreg, mit dem die Europäische Union grenzüberschreitende Kooperationen zwischen Regionen und Gemeinden unterstützt, die das tägliche Leben beeinflussen. Neben konkreten Projekten geht es immer auch um das gegenseitige Kennenlernen und Vernetzen. In der neuen Förderperiode bis 2027 stellt die EU dafür insgesamt rund 8 Milliarden Euro zur Verfügung.

"Vieles funktioniert nicht, wenn Sprachlosigkeit herrscht und die Grenzen zu sind."

Landrat Roland Grillmeier

 

 

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