22.10.2019 - 15:10 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Dem Zauber der Museumsnacht verfallen

Volles Haus in Tirschenreuth: In der Freitagnacht drängten sich Jung und Alt ins Museumsquartier, um gemeinsam mit Freunden oder der Familie zu feiern. Es war wieder eine Erfolgsstory.

von Ulla Britta BaumerProfil

Von wegen, Museen sind Orte, wo man sich leise zu bewegen hat, wo historische Überbleibsel vor sich hin verstauben und wo einem die Vergangenheit regelrecht erschlägt. Wer am Freitagabend im Museumsquartier Tirschenreuth, im Porzellanmuseum Mitterteich und im Geschichtspark Bärnau unterwegs war, wurde eines besseren belehrt.

In allen drei Einrichtungen war die "Bude" derart voll mit Leben, dass teils die Treppenauf- und -abgänge oder die Museumsräume vor Menschenmassen verstopft waren. In Tirschenreuthnutzten die Gäste jede freie Ecke, um es sich gemütlich zu machen. Zu Bier und Wein oder alkoholfreien Getränken und leckeren Häppchen, serviert von Mitgliedern des Vereins "Amitié", wurde die Museumsnacht bis zum Abwinken gefeiert. Selbst Bürgermeister Franz Stahl ging gar nicht mehr heim, denn in jedem Stockwerk war derart viel geboten, dass man einfach hierbleiben musste.

Freche Hexen aus Papier

Im Eingangsbereich zeigte der historische Arbeitskreis, wie Besen gebunden werden. Die Kinder konnten sich kleine Besen selbst binden und wurden damit gleich zur nächsten Station gelenkt. Im zweiten Stock bastelte Museumsmitarbeiterin Erika Rahn zu den winzigen Reisigbesen mit den Buben und Mädchen kleine, freche Hexen aus Papier. Dort hatte sich auch Künstler Tom Brankovic eingerichtet, der von 19 Uhr bis Mitternacht seine Stifte nicht mehr aus den Händen legen konnte. Wie immer waren seine Porträtzeichnungen heiß begehrt, so dass der Künstler die ganze Nacht lang dicht umlagert wurde und keine Sekunde von seinem Arbeitsplatz mehr wegkam.

Ein Stockwerk höher ließen sich die Mädchen Zöpfe in die Haare flechten oder Armbänder binden, während die Erwachsenen den Vorträgen von Ingrid Leser und Florian Polster zuhörten. Wo sonst Ausstellungen gezeigt werden, ging's besonders hoch her. Bei Musik des Bayreuther Duos "Bolle und Goller" belagerten die Gäste die Bierbänke bis Mitternacht und darüber hinaus.

Und die Kreisstädter bekamen in dieser Museumsnacht noch weit mehr Gäste aus dem Landkreis, denn erstmals war der Freizeitbus "Der mim Board" im Einsatz, der fleißig interessierte Besucher von Mitterteich nach Tirschenreuth bis Bärnau hin- und herkutschierte. Das Angebot wurde gern genutzt, so dass diesmal in allen Museen ein reges Kommen und Gehen herrschte.

Viele fleißige Helfer

In Tirschenreuth galt der Abend vornehmlich der Geselligkeit, wobei auch die Museumsräume nicht unbeachtet blieben. Viele Besucher nutzten die Gunst der nächtlichen Stunde, bei freiem Eintritt die Museen besser kennenzulernen. Nicht umsonst war allerdings die Teilnahme an den angebotenen Führungen durch den Geschichtspark. Die Bärnauer verlangten Eintritt aufgrund von Unkosten. Die natürlich auch in den anderen Museen wegen der Museumsnacht reichlich angefallen sind. Viele fleißige Helfer und Teilnehmer senken in Mitterteich und Tirschenreuth das entstandene Defezit mit ehrenamtlichem Einsatz, wofür man nur Danke sagen kann.

Führungen in Bärnau

In Bärnauwurde das Leben im "düsteren" Mittelalter in drei Führungen um 21 Uhr, eine davon in tschechischer Sprache, vorgestellt. Die Teilnehmer wanderten mit Laternen durch den Park und konnten in die Hütten schauen, wo sich die Bewohner mit Feuerstellen und Kerzen kärgliche Lichtquellen verschafften.

Eindrucksvoll war im Geschichtspark auch das Schaupsiel "Kalkbrennen" im mittelalterlichen Bennofen aus dem 14. Jahrhundert. Wurde die Tür des Ofens geöffnet, meinte man sich in des Teufels Küche wieder, derart höllisch loderte in der Dunkelheit das Ofenfeuer.

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