14.01.2020 - 15:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Zukunft hängt von jungen Menschen ab

Es ist ein guter Brauch, mit festlichen Empfängen das neue Jahr zu begrüßen. Beim Treffen der katholischen Pfarrei waren auch die neuen Schwestern aus Uganda dabei.

Sehr viele Gäste waren der Einladung zum Neujahrsempfang der katholischen Pfarrei nachgekommen. Darunter Bürgermeister Franz Stahl und seine beiden Stellvertreter Peter Gold und Norbert Schuller, stellvertretender Landrat Dr. Alfred Scheidler und MdB a.D. Reiner Meier.
von Autor HEBProfil

Es ist eine schöne Sitte, den Beginn eines neuen Jahres mit festlichen Empfängen zu begehen. Genutzt wird diese Gelegenheit gerne um Resümee über das abgelaufene Jahr zu ziehen und einen Vorausblick zu wagen, besonders aber, um verdiente Unterstützer zu ehren.

So durfte sich auch heuer Stadtpfarrer Georg Flierl zum Neujahrsempfang der Katholischen Pfarrei über ein volles Haus freuen. Neben Bürgermeister Franz Stahl waren auch seine beiden Stellvertreter Peter Gold und Norbert Schuller gekommen. Stellvertretender Landrat Dr. Alfred Scheidler war wie immer ein gern gesehener Gast, ebenso wie MdB a. D. Reiner Meier. Begrüßen durfte Flierl auch die drei neuen Schwestern, die seit Ende September 2019 in das Kloster eingezogen sind und die vielen geladenen Gäste aus Schulen, Kindergärten, sozialen Einrichtungen oder kirchlichen Organisationen. Musikalisch sehr einfühlsam umrahmt wurde der Empfang vom Chor „TonArt“ aus Wondreb. Den Sängerinnen gehörte vom ersten Ton an die konzentrierte Aufmerksamkeit der Gäste.

Im Juni Wolfgangswoche

Die Grußworte wurden sowohl von kirchlicher als auch von politischer Seite genutzt, ehrliche Worte zur Situation zu sprechen. Stadtpfarrer Flierl nahm die Gelegenheit wahr, einige Termine anzukündigen. Darunter Impulstage mit verschiedenen Veranstaltungen, den Blaulichttag und den regionalen Teil der „Wolfgangswoche“, die im Juni 2020 in Tirschenreuth startet und zu deren Feierlichkeiten, dem Anlass entsprechend, hochrangiger kirchlicher Besuch erwartet wird.

Dann stellte er Zahlen in den Raum, die Anfang des Jahres in den Medien veröffentlicht wurden. 67.385 Kinder seien etwa in Indien an einem Tag geboren worden, 46.299 in China oder 26.039 in Nigeria, die USA hätten 10.452 Geburten verzeichnet und im Kongo seien es 10.247 gewesen. Deutschland stünde mit 2.049 Geburten ziemlich als Schlusslicht da. An einem Tag würden in diesen Ländern insgesamt mehr Geburten gezählt als in Deutschland im ganzen Jahr. Deutschland sehe sich teils „als Nabel der Welt“. Doch eigentlich würden die Zahlen eine andere Situation darstellen. Die Zukunft hänge von jungen Menschen ab und man müsse sich Gedanken machen, wie sich Deutschland global behaupten könne. Pflegekräfte aus dem Ausland würden keine Abhilfe schaffen. Dies sei ein egoistischer Plan. Gleichzeitig gebe es seit Jahrzehnten sechsstellige Abtreibungszahlen, stellte er fest.

Menschlicher werden

Pater Yoseph Bugalit nahm in seinen Grußworten Bezug auf das Ende der Weihnachtszeit, das heuer mit dem Tag des Neujahrsempfangs zusammenfalle. Heute werde im Gottesdienst die Geschichte der Taufe des erwachsenen Jesus erzählt. Damit werde die Kernbotschaft der Geburt Christi verdeutlicht – Gott wurde Mensch! „Er wurde Mensch, damit wir Menschen menschlicher werden.“ Diese Botschaft solle im Alltag umgesetzt werden.

Bürgermeister Franz Stahl würdigte die vielen kirchlichen Termine, die heuer bereits anberaumt wurden. Besonders dankte er für den „Blaulichttag“. Dieser sei auch als Ehrerbietung von kirchlicher Seite für die Menschen, die mit Blaulichtern im Einsatz sind zu verstehen. Auch die Stadt binde sich mit der Passion, die Premiere findet am 27. März 2020 statt, in die kirchliche Arbeit mit ein. Besonders freue er sich, dass heuer die Europassion in Tirschenreuth zu Gast sei. Ehrenamtliche Arbeit werde in Tirschenreuth engagiert gepflegt. Unterstützt werde die ehrenamtliche Arbeit auch von der Stadt. So wurde mit dem Neubau des Feuerwehrgerätehauses nicht nur die Feuerwehr unterstützt. Deren Einsatz und Arbeit kämen der Bevölkerung im Ernstfall zu Gute. Er verwies auch auf den 15. März 2020, dem Tag der Kommunalwahl.

Politische Arbeit nicht einfach

Zum Ehrenamt würde auch die Arbeit der Stadträtinnen und Stadträte zählen. Er habe großen Respekt vor dem Gremium, denn die ehrenamtlichen Mitglieder würden sich politisch engagieren, im täglichen Leben auf ihre politische Arbeit angesprochen und müssten auch Kritik einstecken. Kritik werde nicht immer nur verbal geäußert. Manche Vorkommnisse könne man nicht mehr verstehen. Politische Arbeit sei nicht einfach, vielleicht ein Grund, dass manche politischen Gruppierungen nicht mehr genügend Kandidaten finden würden. Dies gebe zu denken. Er verglich 2020 mit der Zeit vor 100 Jahren. Komplett anders sei die Situation 1920 gewesen. Zeiten der Instabilität, politischer Unsicherheit und schlechter wirtschaftlicher Verhältnisse. 2020 sei dies anders. Es gebe Stabilität, gesellschaftliche Freiheit, Reisefreiheit und Meinungsfreiheit. Viele Informationsmöglichkeiten und vor allem die Demokratie. „Wir dürfen wählen - wir müssen wählen!“ Das sei wichtig. „Wir haben über 70 Jahre Frieden, die längste Friedenzeit überhaupt und wir brauchen Frauen und Männer, die auch weiter dafür kämpfen!“ Weiter verwies er auf die kommenden Bürgerversammlungen, die am 6. Februar 2020 im Kettelerhaus beginnen würden. Vier weitere würden in den Ortsteilen abgehalten. Für eine freie Demokratie brauche es Information. „Informieren Sie sich“, appellierte er an die Anwesenden.

Stellvertretender Landrat Alfred Scheidler nahm Bezug auf einen Brief von Dietrich Bonhoeffer, den dieser an seine Verlobte geschrieben hatte. Bonhoeffer habe dem Brief das Gedicht „Von guten Mächten treu und still umgeben“ beigelegt. Trotzdem er selber in einer schier aussichtslosen Situation war, habe er anderen Mut zugesprochen. Bonhoeffer war bekanntlich im KZ Flossenbürg am 9. April 1945 hingerichtet worden. 2019 habe sicher jedermann schöne und weniger schöne Erlebnisse gehabt und so mancher sorge sich auch über das Jahr 2020. Aber vielleicht, so Dr. Scheidler, könnten die Zeilen Bonhoeffers etwas Mut zusprechen.

Fruchtbare Zusammenarbeit

Georg Hecht, Chef des Stiftland-Gymnasiums sprach die Grußworte stellvertretend für die vier örtlichen Schulen. Er bedankte sich für die „ausgesprochen fruchtbare Zusammenarbeit“ mit den katholischen und evangelischen Pfarreien sowie den Steyler Missionaren, den kirchlichen Einrichtungen und dem Dekanat. Die gemeinsamen Aufgaben und Ziele von Kirche und Schule seien in Artikel 131 der Bayerischen Verfassung als oberste Bildungsziele aufgeführt. Es seien dies Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der Würde des Menschen, Hilfsbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt“. Allerdings könne die Schule die notwendige Werteerziehung nicht alleine leisten. Es müssten Familien, Vereine, Kirchen als Umfeld mithelfen, dass das christlich-abendländische Wertebewusstsein auch künftigen Generationen ethische Orientierung gebe. Leider gebe es viele „Miterzieher“, nämlich Smartphones, soziale Medien oder diverse Jugendkultsendungen. Auch sei die Lebensform „Familie“ durch äußere Zwänge stark unter Druck geraten. Veränderungen, die weitreichende Folgen für die Erziehung der Kinder bewirken würden. Georg Hecht bezog sich auch auf den von Papst Franziskus initiierten Bildungspakt, der am 14. Mai 2020 im Vatikan unterzeichnet werden soll. Konkreter Anlass sei eines der obersten bayerischen Bildungsziele – Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt! Bereits 2015 habe der Papst in seiner Enzyklika „Laudato si“ alle dazu eingeladen, „an der Bewahrung unseres gemeinsamen Hauses mitzuwirken und sich gemeinsam den Problemen zu stellen“. Abschließend verabschiedete sich Georg Hecht mit dem Hinweis auf seine kurz bevorstehende Pensionierung. Nach 40 Jahren als Lehrkraft, davon fast zehn Jahren als Schulleiter sei dies sein letzter Neujahrsgruß an die Anwesenden gewesen.

Ökumene-Kreis

Pfarrerin Dr. Stefanie Schön bezog sich auf das Lied „Küssen kann man nicht alleine“ von Max Raabe. Christen, egal welcher Konfession und über Ländergrenzen hinweg wüssten, dass man die Gemeinschaft brauche. Die evangelische Kirchengemeinde in Tirschenreuth habe über den Tellerrand geschaut und biete regelmäßig einen Ökumene-Kreis an oder arbeite mit Asylbewerbern und Flüchtlingen. Küssen gehe nicht alleine – Glauben auch nicht, stellte sie fest. In Europa lebe man in stabilen Verhältnissen. Damit dies so bleibe, müsse man für Frieden in der Welt, für Gastfreundschaft und für die Bewahrung der Schöpfung eintreten. Glauben und leben könne man nicht alleine. Wichtig sei dabei auch die Vielfalt. Vielfalt im Land könne man als Reichtum ansehen. Nur gemeinsam könne man die Kraft finden, zusammenzustehen und so Frieden zu finden.

Der Chor „TonArt aus Wondreb“ umrahmte sehr einfühlsam den Neujahrsempfang und durfte sich über die konzentrierte Aufmerksamkeit der Anwesenden und danach über begeisterten Applaus freuen.
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